Lama Ole Nydahl – Diamantweg Buddhismus

Kritische Informationen zu Lama Ole Nydahl und seiner »Diamantweg Buddhismus«-Bewegung

Einführung

An den Themen »Diamantweg Buddhismus« oder Ole Nydahl war ich vor einigen Jahren nicht sonderlich interessiert. Das änderte sich allmählich, als Wikipedia aufkam. Dort wollte ich, dass der Eintrag zu Ole Nydahl einen Abschnitt enthält, der erwähnt, dass Ole Nydahl »umstritten« ist und warum dem so ist. 

Der Buddhismus hat einen guten Ruf. Kontrovers diskutierte buddhistische Gruppen und deren Anführer profitieren davon, haben in der Regel ein ganz hervorragendes Marketing (»effektive PR«) und wissen Kritik zu unterdrücken oder Informationen zu manipulieren. Neu-Interessierte am Buddhismus oder der Meditation laufen aus meiner Sicht und Erfahrung daher Gefahr, aus Mangel an kritischen Informationen, informell ungeschützt in sie, möglicherweise, schädigende Abenteuer zu stürzen. 

Nachdem ich erlebte, wie Anhänger kontroverser buddhistischer Organisationen Wikipedia manipulierten – auch den Ole Nydahl Artikel – entschied ich mich, kritisches Material und kritische Stimmen einfach auf einer Plattform zu sammeln, die nicht von den Anhängern solcher Gruppen manipuliert werden kann. So entstand auch dieser Artikel – als lose Sammlung kritischer Stimmen und Hintergründe, als ein Ausgleich zu weit verbreiteter Hurra-Propaganda, die Neu-Interessierten des Buddhismus kritische Aspekte oder Schattenseiten vorenthält. Der eher einseitige Fokus dieses Artikels auf Mängel, soll allerdings weder Ole Nydahl noch seinen Anhängern oder dem Diamantweg tatsächlich vorhandene Qualitäten absprechen.

Über die Jahre wuchs dieser Artikel mit Informationen an, wurde immer wieder ergänzt und aktualisiert. Im Sommer 2017 kam dann ich, der Sammler dieser Informationen – nach Interviews mit dem Deutschlandfunk und dem Bayrischen Rundfunk – via »Buddhismus Stiftung Diamantweg« und Ole Nydahl’s Anwalt, Jan Weber, (Geschäftsführer dieser Stiftung), juristisch unter Beschuss.

Der völlig unkritische, verklärende und propagandistische Kinofilm »Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit«, der im Januar 2018 in die deutschen Kinos kam, unterstreicht meines Erachtens die Notwendigkeit des Verfügbarmachens solch kritischer Informationen.

Tenzin Peljor
21. Februar 2018

Ornament

Die vom Dänen Ole Nydahl gegründete »Diamantweg Buddhismus«-Bewegung versteht sich als in der Karma Kagyü Tradition verwurzelt, deren Oberhaupt der jeweils offiziell anerkannte Karmapa ist. Der 1. Karmapa war Düsum Khyenpa (1110–1193, übersetzt: »Kenner der drei Zeiten«), der die Karma Kagyü Tradition gründete. Die Karma Kagyü Tradition ist eine von mehreren Unterschulen der Kagyü Tradition, die wiederum eine der vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus ist. Auf die Karmapas geht die Tulku-Idee im tibetisch-mongolischen Kulturkreises zurück, bei der eine bestimmte Person die offizielle Anerkennung als Reinkarnation einer bestimmten früheren Person erhält.

Ole Nydahl und seine Bewegung folgen dem ›alternativen 17. Karmapa‹ von Shamar Rinpoche, Trinley Thaye Dorje, nicht dem ›offiziell anerkannten 17. Karmapa‹, Ogyen Trinley Dorje, dem eine Mehrheit der Tibetischen Buddhisten folgt.

Beide Karmapas trafen sich im Oktober 2018 in Frankreich und sprechen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für die Überwindung der tiefgreifenden Spaltung in der Karma Kagyü Tradition aus, zu der die Etablierung zweier Karmapas geführt hat. (siehe: Hintergrund Karmapa Konflikt.)

Im Jahr 2014 werden eine Ole Nydahl Biografie und ein Aufsatz von Burkhard Scherer, Professor für Religionswissenschaft an der Canterbury Christ Church University, veröffentlicht. Seine »Insider-Position«, so schreibt er, habe ihn »mit beispiellosem ethnographischen Zugang und Privilegien ausgestattet«. Scherer beschreibt den Diamantweg wie folgt.

Der Diamantweg: Eine neo-orthodoxe Bewegung

Als Neue Buddhistische Bewegung dreht sich der Diamantweg um seinen Begründer, den dänischen, vom Hippie zum Lama (tibetisch-buddhistischen Lehrer) gewendeten, Ole Nydahl (geb. 1941). Seine spirituelle Konversion, Karriere und Mission ist bemerkenswert, insbesondere wegen der identitären Betonung der Bewegung auf regelmäßigem Verfassen und Neu-Verfassen von Nydahl’s (Auto-)Hagiographie oder (rang gi) rnam thar in Begriffen der entsprechenden tibetisch-buddhistischen Literaturgattung (Scherer 2014). In den späten Sechziger- und frühen Siebziger-Jahren begegnete Nydahl – zusammen mit seiner späteren Frau Hannah (1946–2007) – dem Oberhaupt der tibetischen Karma Kagyü-Schule, dem Sechzehnten Karmapa Rangjung Rigpe Dorje (1924–1981).

Sechzehnter Karmapa Rangjung Rigpe DorjeSechzehnter Karmapa Rangjung Rigpe Dorje (1924–1981)

Nydahls Lebensschilderung konstruiert ihn in der Folge als ersten westlichen Schüler des Karmapa Hierarchen (ein anfechtbarer Anspruch) und als einen der erfolgreichsten Propagatoren des Tibetischen Buddhismus im Westen – bzw. im globalen Norden ganz allgemein. In bisheriger Forschung (Saalfrank 1997: 224–228; Scherer 2012a) ist festgestellt worden, dass die Bewegung sinnvoll als neo-orthodox (oder besser: neo-orthoprax) beschrieben werden kann, in Verwendung von Peter Bergers Definition von Neo-Orthodoxie als »die erneute Bekräftigung der objektiven Autorität einer religiösen Tradition nach einer Periode, in welcher jene Autorität relativiert und geschwächt worden ist.« (Berger 1980: 79)

Nydahl ist in sozialen und – selektiv – in religiösen Hinsichten ein konservativer Propagator des Tibetischen Buddhismus unter westlichen Laien-Konvertiten (und nun konvertierten Buddhisten in zweiter Generation). Seine Markenzeichen sind eine Kombination von charismatischer Selbststilisierung und Großartigkeit, der Charme des alten Jungen, und am wichtigsten aber, eine oberflächlich modernistische Hybridisierung und Verpackung orthodoxer (oder besser ›orthopraxer‹) buddhistischer Inhalte, die manchmal auf unbehagliche Weise viele traditionelle, prä-moderne Merkmale kaschiert und die Tendenz, tibetisch-buddhistische orthopraxe Hingabe zum Lehrer, zu einem unkritischen Personenkult und Nachahmung des Habitus des Lehrers festzuschreiben (Scherer 2011, S. 94–95).

Demzufolge haben Nydahls Charisma, seine sozial-konservativen politischen Ansichten und sein Lebensstil Kritik dafür auf sich gezogen, einen »Lifestyle-Buddhismus« zu propagieren (Ruch 2006); seine lockere, aufgedreht-gesellige und manchmal recht hedonistisch anmutende Aufmachung des Tibetischen Buddhismus für eine vorwiegend privilegierte Gefolgschaft (= weiß, heterosexuell, körperlich ohne Behinderungen, körperlich normativ, junges bis mittleres Alter, der Mittelklasse angehörig) brachte ihm die Kritik ein, eine Art »Buddhismus light« zu propagieren (siehe Scherer 2009, S 35-38).

Burkhard Scherer in Trans-European Adaptations in the Diamond Way - Negotiating Public Opinions on Homosexuality in Russia and in the U.K., S. 104–105

Der Diamantweg in Deutschland in Zahlen

Diamaond Way Diamantweg poster© William Murphy | Poster For Event In Croke Park (2010, Bildausschnitt)
CC BY-SA 2.0

Der Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) hat laut Remid (2015) und Eigenangabe (2017) 5.500 Mitglieder in Deutschland.

Laut Remid gibt es in Deutschland 270.000 Buddhisten. Mit 5.500 Mitgliedern bildet der Diamantweg einen Anteil von 2,04% der Buddhisten in Deutschland.

Mit Stand April 2018 hat die Deutsche Buddhistische Union (DBU), der größte Dachverband von Buddhisten in Deutschland, 63 Mitgliedsgemeinschaften mit insgesamt 19.330 Einzelmitgliedern. Der BDD ist eine dieser 63 Mitgliedsgemeinschaften in der DBU. Die mitgliederstärkste Gruppe in der DBU ist die »Buddhistische Religionsgemeinschaft« (BG) mit 6.240 Mitgliedern. Der Diamantweg (BDD) folgt an zweiter Stelle in der DBU mit 5.500 Mitgliedern.  (Quelle: Geschäftsstelle der DBU | weitere Details 09/2017)

Die BG stellt also 32,3 % der Mitglieder in der DBU, der Diamantweg (BDD) 28,5 % und die anderen Gemeinschaften stellen 7.590 Mitglieder, also 39,2 %.

Zählt man die ca. 4.000 assoziierten Mitglieder der BG, die nicht beitragspflichtig sind und denen keine mitgliedschaftlichen Rechte zustehen, aus der o.g. Statistik heraus, kommt die DBU laut DBU-Schatzmeister auf 15.375 Mitglieder (April 2018). Der DBU-Schatzmeister gibt für den BDD 5.400 Mitglieder und die BR 2.224 Mitglieder an (April 2018). Bei dieser Zählweise, wäre der BDD die mitgliederstärkste Gruppe der DBU.

Die Einnahmen der DBU aus Mitgliedsbeiträgen setzen sich wie folgt zusammen (Quelle: DBU-Schatzmeister, Stand April 2018):

  • 84 % durch Mitgliedsbeiträge der Einzelmitglieder (BG)
  • 16 % durch Mitgliedsbeiträge der anderen Mitgliedsgemeinschaften

Insgesamt

  • 2,1 % betragen dabei die Mitgliedsbeiträge des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg (BDD)
    [Von den 16 % der Mitgliedsbeiträge der anderen Mitgliedsgemeinschaften, entfallen 13 % (3.500 €) auf den BDD und 87 % auf die restlichen Mitgliedsgemeinschaften (also abzüglich BDD und BG).]

Die Anzahl der stimmberechtigten Delegierten zur Mitgliederversammlung der DBU richtet sich nach der Anzahl der Mitglieder in den Mitgliedsgemeinschaften, »die im Zweifelsfall namentlich nachzuweisen sind, wenn mehr als ein Vertreter beansprucht wird« (§4 Satzung der DBU):

  • bis zu 150 Mitglieder ein Vertreter,
  • bis zu 600 Mitglieder zwei Vertreter,
  • über 600 Mitglieder drei Vertreter.

Der Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD), die Buddhistische Religionsgemeinschaft in der DBU (BR), Rigpa e.V. (1.200 Mitglieder) und das Buddha-Haus Meditations- und Studienzentrum e.V. (681 Mitglieder) können je drei Vertreter (bzw. Delegierte) für die DBU Mitgliederversammlung entsenden. Es gibt insgesamt 83 Delegierte. Prozentual kommt der Diamantweg damit auf 3,4 % der Stimmen. (Quelle: DBU-Schatzmeister, April 2018)

Die Bilanz der Buddhismus Stiftung Diamantweg für das Jahr 2015 weist ein Vermögen von rund 34,2 Mio. € aus, primär bestehend aus: 30,3 Mio. € Immobilienvermögen und 2,7 Mio. € Barvermögen. Der Umsatz betrug 4,1 Mio. €, Gewinn: 2,5 Mio. € (-25 % zum Vorjahr, 60 % Umsatzrendite), Kosten: 1,5 Mio. €, Personalkosten: knapp 6.000 € (Ausgaben für Mitarbeiter inklusive Sozialversicherung und Altersvorsorge).

Laut der BDD Website www.buddhismus-nord.de erwirtschaften »grundsätzlich … die Zentren die Kosten für Mieten, Betrieb und Infomaterial über Spenden und Vereinsbeiträge. Die Mitgliedschaft im jeweiligen örtlichen Regionalverein liegt je nach Zentrum zwischen 7,50 und 15 € im Monat. … Die niedrigen Preise sind möglich, weil praktisch alle Aktivitäten in den Zentren und in den Vereinen auf der Basis ehrenamtlicher Tätigkeit erbracht werden.«

Die offizielle Diamantweg Website behauptet, in Deutschland gäb es »158 Buddhistische Zentren des Diamantweg-Buddhismus der Karma Kagyü Linie«. De facto listet die Seite aber nur 80 »Buddhistische Zentren« sowie 67 »Buddhistische Gruppen« und 10 »Buddhistische Kontakte. (Stand April 2018) Laut Bayrischem Rundfunk betreibe der Diamantweg »weltweit über mehr als 650 Zentren, davon 151 allein in Deutschland« (August 2017). Der Bayrische Rundfunk fügt als Kommentar zur Einordnung dieser Angaben hinzu: »Der französische Tibetologe Thierry Dodin allerdings sieht diese Angabe eher skeptisch, da Nydahl auch kleine private Meditationsgruppen als vollständige Zentren zähle.«

Ratschläge von Ole Nydahl (2018)

Von Mai bis Juli 2018 verfasst Ole Nydahl sieben Briefe an seine Zentren, die vom »Buddhistischen Zentrum Köln« offiziell ins Deutsche übersetzt werden.

Neben dem Ausschalten von Handys und elektronischen Geräten, Ermahnung zu Ruhe und Fokus in den Meditationsräumen (»Gompas«) sowie Verbot von hochprozentigem Alkohol rät Nydahl den Lehrern des Diamantwegs (»Reiselehrern«):

… bitte vermeidet allzu lange und detaillierte Erklärungen unserer Übungen, die zwar den Intellekt füttern, aber unsere Ganzheit verhungern lassen. Wir sind Buddhisten und keine Buddhologen, Praktizierende und keine Intellektuellen. In einer komplizierten Welt üben wir uns darin, mithilfe der zeitlosen und direktesten Schritte, die uns von den großen Karmapas gegeben wurden, mit der erleuchteten Übertragung unserer edlen Karma Kagyü Linie zu verschmelzen.

Ole Nydahl behauptet, dass seine Schüler in seinem »schützenden Kraftfeld« wären. Seine Arbeit sei »abhängig von den Wünschen des Gyalwa Karmapa und den Hauptlehrern unserer noblen Übertragungslinie. Wenn sie unzufrieden sind, gehe ich.«

Als »die richtige Art der Praxis für uns alle« erklärt Nydahl die Meditation auf den 16. Karmapa, gefolgt von den Ngöndro Übungen und der 8. Karmapa Meditation. Laut Nydahl sei Hannah Nydahl und ihm diese Abfolge vom 16. Karmapa vor mehr als 50 Jahren gegeben worden und sie sei auch vom jetzigen 17. Karmapa, Thaye Dorje, bestätigt worden.

In Bezug auf Neu-Interessierte des Buddhismus schreibt Nydahl:

Wir sind verantwortlich dafür, dass neue Leute, die so kraftvolle Methoden wie unsere 16. Karmapa Meditation erhalten, auch etwas über den Weg und das Ziel des Diamantweg Buddhismus erfahren. Wenn möglich soll das über unser Einstiegsbuch »Wie die Dinge sind« oder durch einen Einführungsvortrag mit Fragen und Antworten in einem unserer Zentren geschehen. Bevor man mit so kraftvollen Methoden arbeitet, soll man wissen, was man tut. Sonst kann mehr Verwirrung als Nutzen entstehen.

In Bezug auf einen Mahamudra Text, Lama Shang Mahamudra, behauptet Nydahl: »Der Text, den ich verwende, lässt uns das Potential unseres Geistes spüren, bringt aber keine letztendlichen Ergebnisse hervor. Daher sollte er nicht verwendet werden, wenn nicht ich ihn lehre. Er bewirkt eine Öffnung in Richtung unserer zeitlosen Natur, aber nur durch unsere Karma Kagyü Diamantwegpraktiken können wir dauerhaftes Gewahrsein erreichen. Deswegen geben wir euch den Text auch nicht und erlauben nicht, ihn zu praktizieren.«

Über die Praxis des zwei-armigen Mahakala, Bernagchen – einem ›Dharmabeschützer‹ – merkt Nydahl an, dieser sei »schon seit der Zeit des 1. Karmapa Schützer unserer Linie. Die Übersetzung ist für unsere heutige Vorstellung nicht maßgeblich wichtig, aber die Anrufung ist voll wirksam, weil sie auf einer Ebene arbeitet, wo zeitlose Energien aktiviert werden. Ihr müsst die wörtliche Übersetzung nicht kennen, nach so vielen Jahrhunderten ist es schwierig sie völlig zu verstehen, aber sie nützt auf einer Ebene von Energie und Schutz.«

Phowa-Kurse werde er nun nicht mehr geben, schreibt Nydahl, denn sie würden »physisch sehr viel fordern« und er sei von den »höchsten Lehrern« seiner Linie »öfters gebeten« worden, diese nicht mehr zu geben, da sie laut Nydahl »wollen, dass ich noch lange in diesem Körper hier bleibe.« Stattdessen konzentriere er sich nun mehr auf die Mahamudra Praktiken. Was er selbst an Phowa Praktiken an seine Schüler gegeben habe, können diese nicht weitergeben: »Hannah und ich haben diese Übertragung in so einer Art und Weise erhalten, dass diejenigen, die sie von mir bekommen haben, sie nicht an andere weitergeben können.«

In einem ausführlicheren Brief »Für die Reiselehrer von Lama Ole, 25. - 26. April 2018 in Amden«, fordert Nydahl:

Allgemeine Voraussetzungen:

1. Unser schnelles Wachstum und die Tatsache, dass die Menschen leicht verwirrt werden, erfordert, dass unsere Reiselehrer mindestens einmal im Jahr einen meiner Kurse besuchen und immer über die letzten Entwicklungen informiert sind.

2. Es ist auch essentiell, dass die Reiselehrer an dem jährlichen Reiselehrer Treffen teilnehmen, sonst können sie auf eine Nebenfahrbahn gelangen und nicht wissen, was gerade los ist.

3. Reiselehrer sollen es auch genießen, gemeinsam mit Anderen auf dem Podium zu sein und zu lehren.

4. Das ist möglich, solange sie aktive Sangha-Mitglieder in ihren Herkunftszentren sind und auch dort unterrichten. Das ermöglicht eine konstante Nähe zu den lokalen Freunden und anstehenden Ereignissen.

5. Reiselehrer werden allgemeine Dharma-Inhalte lehren, wie ich von Anfang an gebeten habe und sich an das Curriculum in unseren Zentren halten.

Dies bedeute, heißt es weiter:

»Die drei Ebenen und drei Säulen im Buddhismus« (Kleiner Weg, Großer Weg und Diamantweg – Sichtweise, Meditation und Verhalten), »Zuflucht«, »Lehrer – Schüler Verhältnis«, »Meditation«, »Ngöndro – Die vier vorbereitenden Übungen», »Buddhismus im Alltag», »Die vier Grundgedanken», »Karma – Ursache und Wirkung«, »Vergänglichkeit«, »Das Leben des Buddha», »Die vier edlen Wahrheiten«, »Erleuchtungsgeist – Bodhicitta«, »Mitgefühl und Weisheit«, »Die sechs befreienden Handlungen«, «Bedeutung der Sangha«, »Liebe und Partnerschaft«, «Tod und Wiedergeburt« (auf Grundlage meines Buches »Vom Tod und Wiedergeburt«), »Anwendung unserer Methoden, um störende Gefühle und auftauchende Hindernisse am Weg zu entfernen«. Auch unsere Geschichte vom Diamantweg, die Lebensgeschichten der Kagyü und Karma Kagyü Meister und die Lebensgeschichten unserer Lehrer, vor allem im Hinblick darauf, wie sie ein Beispiel waren.

Von seinen Lehrern erwarte Nydahl »dass sie meine Bücher gelesen haben, für Information und unsere Geschichte und auch, dass sie sich der Briefe, die ich an die Zentren schicke, bewusst sind. Ich möchte nicht, dass unsere Lehrer Belehrungen zum Große Siegel geben, die ohnehin in der richtigen Anwendung unserer Meditationen beinhaltet sind und auch keine klassischen oder moderne Dharmatexte, die außerhalb unseres Diamantweg Systems liegen, analysieren.«

Reiselehrer sollen »ihre Jobs behalten und mit beiden Beinen fest im Alltag stehen.«, »die Reiselehrer Funktion« solle »keine Quelle für Einkommen sein, außer bei den Wenigen, denen ich es in der Anfangszeit unserer Arbeit zugestanden habe«, auch sollen sie »keine moralischen Ratschläge geben und Freunde in den Zentren auch nicht in ihrer Entwicklung anleiten«.

Sollten Reiselehrer zum »Wachstum des Islam in unseren Ländern« Fragen erhalten, rät Nydahl ihnen, »dass sie sich über die Grundlagen des Islam informieren sollen« und die »richtigen Quellen« nutzen sollen. Als »sehr vertrauenswürdig« beschreibt Nydahl dabei »die Bücher des amerikanischen Professors Bill Warner, der den Islam und seine Entwicklung über die Jahrhunderte wissenschaftlich studiert und analysiert hat.« Nydahl »vertraue ihm vollkommen.« Bill Warner ist ein ehemaliger Professor für Physik, den das Southern Poverty Law Center zu einer Kerngruppe von 10 Anti-Islam Hardlinern zählt. Das Southern Poverty Law Center ist bekannt für seine erfolgreichen juristischen Fälle gegen Gruppen von weißen Rassisten, seine Klassifizierung von Hassgruppen und anderen extremistischen Organisationen sowie für die Förderung von Bildungsprogrammen für Toleranz.

Weiter erklärt Nydahl, dass

  1. »Diamantweg Buddhismus« »die Belehrungen« seien, »die direkt auf die Buddha Natur zeigen.« Auf der praktischen Ebene heiße dies, »sich wie ein Buddha zu benehmen, bis wir einer geworden sind.«
  2. Als »die wichtigsten Richtlinien« für die Diamantwegzentren gibt er an:
  • Linien Lama ist der 16. und jetzt der 17. Karmapa, Thaye Dorje.
  • Euer Wurzel Lama ist Lama Ole, und die Diamantwegzentren werden von mir angeleitet.
  • Wir haben ein Curriculum und eine Praxis, die Hannah und ich direkt vom 16. Karmapa bekommen haben und die vom 17. Karmapa bestätigt wurde.
  • Wir vermischen weder Übertragungslinien, noch Lehrer, noch Belehrungen, sondern halten uns genau an das Curriculum und die Praxis, die Hannah und ich vom 16. Karmapa bekommen haben. Da die Verwirrung unser täglicher Feind ist, und verschiedene Linien ähnliche Worte für andere Inhalte verwenden, stört die Vermischung der Terminologie und der Praktiken den Kern unserer Arbeit und verwirrt alle Ergebnisse.
  • Ich entscheide, welche tibetischen Lamas in unseren Zentren lehren können, ohne Verwirrung zu verursachen und es ist meine Verantwortlichkeit, diejenigen Lehrer einzuladen, die Karmapa repräsentieren und die die Schritte auf unserem Diamantweg teilen.
  • Wir sind Laien, Westler und moderne Zentren und genießen einen warmen und entspannten Yogi Stil²¹. Wir vermeiden kirchenähnliche Herangehensweisen an das Leben, monastische Einflüsse, extreme Verhaltensweisen und bauen auch keine Hierarchien oder Bürokratien auf. Unser zeitloser Nutzen kommt aus dem Reichtum der Belehrungen und dem gemeinsamen Wachsen mit gleichgesinnten Freunden in einer Atmosphäre von Freundschaft und Idealismus. Wir bezahlen niemanden für eine Aktivität; der Segen der Buddhas und unser gemeinsames Wachstum ist unsere Belohnung. Es gibt keine weltliche Karriere in den Diamantweg-Zentren.

Laut Nydahl gäbe diese Herangehensweise »uns die Chance, kernig und schlagkräftig zu werden.«

Im Internet kursieren Briefe Nydahls an seine Schüler, wie ein Brief an seine Schüler in Tschechien oder an seine Studenten, die von Kritikern als sektiererisch bewertet werden und ihm den Vorwurf des Ausübens von Kontrolle über die Besucher seiner Zentren einbringen, indem er sie mit fragwürdigen und unüblichen Erklärungen zur Karma Kagyü Linie an sich bindet und von anderen Linien und Lehrern – selbst der eigenen Karma Kagyü Tradition – fern hält. Im Gegensatz zu Nydahls Behauptungen, war einer der herausragendsten Karma Kagyü Hauptlinienhalter, Jamgon Kongtrul Lodro Thaye, ein Mitbegründer der nicht-sektiererischen Rime-Bewegung und ein Wurzel-Lehrer des 15. Gyalwa Karmapa Khakhyab Dorje. Der 2. Jamgon Kongtrul, Khyentse Ozer, wurde als Sohn des 15. Karmapa wiedergeboren und wirkte später als Wurzel-Lehrer des 16. Karmapa, Rigpe Dorje. Der 3. Jamgong Kongtrul, Chokyi Senge, wurde einer der vier Hauptschüler des 16. Karmapa und erhielt Übertragungen und Lehren unterschiedlicher Lehrer und Traditionen. Es lassen sich viele solcher Beispiele völlig nicht-sektiererischer Karma Kagyü Hauptlinienhalter finden. Auch dass sich Nydahl als »Wurzel-Lama« seiner Schüler präsentiert ist unüblich. Ein Wurzel-Lama oder Wurzel-Lehrer (tib. rtsa ba'i bla, engl. root guru, root lama oder root teacher) wird in der tantrischen Tradition (Vajrayana) in der Regel* wie folgt erklärt: er oder sie hat einem entweder die »drei Arten von Güte« in Bezug auf ein Tantra gewährt: 1) Einweihung in das Tantra, 2) mündliche Leseübertragung des Praxistextes (Sadhana) und 3) Kommentar zur Praxis dieses Tantra oder diese Person hat einem »die Natur des Bewusstseins« aufgezeigt. Generell wählen Schüler selbst ihren Wurzel-Lama (bzw. ihren Hauptlehrer), das kann ihnen nicht von oben aufoktroyiert werden.

Überblick Kritik

Lama Ole Nydahl© Diamond Way Buddhism | Lama Ole Nydahl (2005) | CC BY-NC-SA 2.0

Kritik gibt es sowohl am Verhalten Ole Nydahls als auch an seiner Präsentation des Buddhismus.

Der Dachverband der Buddhisten und der buddhistischen Gemeinschaften in Deutschland, die Deutsche Buddhistische Union (DBU), äußerte im Jahr 1999, dass »Lama Ole Nydahl innerhalb und außerhalb der DBU heftig umstritten« sei.¹ Von Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Luzern (Schweiz), wird Nydahl als »dynamisch, wenn auch nicht unumstrittenen«² beschrieben. Nach einem Vortrag und Auftritt Ole Nydahls in Luzern 2005 äußert Baumann in Bezug auf Vorträge, die er von ihm hörte, Verständnis für »die Kritiker, die sagen, dass Nydahl im Westen einen verwässerten ›Instant-Buddhismus‹ oder eine Art ›Buddhismus light‹ präsentiert.«³

Die Kontroverse innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) im Jahre 1999/2000 verdeutlicht zusätzlich das Spannungsfeld um Nydahl, den westliche Medien recht leichtgläubig als authentischen Meister des Buddhismus akzeptieren. In der Geschichte der DBU gab es bereits zweimal, 1997 und 2000, eine Debatte darüber, Ole Nydahls Diamantweg aus der DBU auszuschließen.³ª

Auch die offen feindseligen sowie pauschalisierend, vereinfachend oder unwahren Aussagen Nydahls gegenüber dem Islam bzw. Muslimen haben Kritik hervorgerufen.

Kritik am Verhalten Ole Nydahls

Gemäß einer wissenschaftlichen Studie von Oliver Freiberger (Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Universität Bayreuth) aus dem Jahr 2000 gibt es eine »fortwährende Kontroverse«⁴ über Ole Nydahl. Bezug nehmend auf die Kontroverse in der DBU schreibt Freiberger, dass Nydahls Aussagen und Aktivitäten etliche Buddhisten vor den Kopf stoßen, da sie sein Verhalten für einen buddhistischen Lehrer für nicht angemessen halten.⁴ Freiberger merkt an, dass

Nydahl nicht nur beschuldigt wurde, auf eingebildete und militaristische Weise zu sprechen, sondern auch rechtslastig, rassistisch, sexistisch und feindselig gegenüber Ausländern zu sein.⁴

Kritik gibt es aber nicht nur innerhalb der buddhistischen Gemeinde, sondern auch von Christen und Atheisten. So wird Nydahls umfangreiche Reise- und Lehrtätigkeit von christlichen Kreisen, wie der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Deutschland (EZW)⁵ oder von Georg Schmid, Titularprofessor für Religionswissenschaft an der Universität Zürich und Leiter der Evangelischen Informationsstelle: Kirchen - Sekten – Religionen in der Schweiz, als aktive Missionsarbeit gewertet.⁶ Schmid vertritt die Ansicht: »Lama Ole Nydahl ist wahrscheinlich der aktivste buddhistische Missionar der Gegenwart.«⁶ Schüler von Nydahl betonen hingegen, dass Ole Nydahl in seinen Vorträgen sage, dass der Buddhismus keine missionierende Religion sei.

Vorwürfe und Kritik an Ole Nydahl äußern zudem der ASTA der TU München⁷ und der ASTA der TU Braunschweig. Der ASTA der TU Braunschweig spricht sich im Jahr 2005 dagegen aus »einer derart fragwürdigen Persönlichkeit ein Forum an unserer Universität zu bieten« und ruft zur Demonstration gegen Nydahl auf.⁸

Kritik an der Präsentation des Buddhismus durch Ole Nydahl

Kritik wird auch an Ole Nydahls Lehrpräsentation des Buddhismus geäußert. Während folgende Zusammenfassung von Freiberger noch unspezifisch konstatiert: »Seine ungewöhnlichen Aktivitäten (z.B. Bungee Jumping) verdrießen auch Buddhisten, die nicht seine Anhänger sind - seien dies nun Anhänger der Karma Kagyü Schule oder nicht.«⁴, wird Christian Ruch (Dr. phil. und Mitglied der schweizerischen Katholischen Arbeitsgruppe »Neue religiöse Bewegungen«) in einem Aufsatz für die EZW etwas deutlicher. Er argumentiert unter anderem, dass Ole Nydahl irdische Momente des Glücks, wie sie durch Motorradfahren, Sex oder Bungee Jumping entstehen sowie alle Höhepunkte im menschlichen Erleben »als Vorstufen der Erleuchtung deutet«, er sei »einer, der die Erleuchtung mit der Erfahrung jenes Menschen vergleicht, der seine Finger in eine elektrische Steckdose steckt und der nun die geballte Kraft von 10 000 Volt in sich spürt.«⁵, und kommt zu dem Schluss, dass die Buddhismus-Präsentation Ole Nydahls eher eine Art »Lifestyle-Buddhismus« sei. Für Ruch wirft »die eigenartige Verknüpfung von hedonistischem Lifestyle und buddhistischen Lehren«, wenn man sie im Vergleich mit den anderen buddhistischen Richtungen betrachtet, die Frage auf »wie buddhistisch das eigentlich noch ist, was Ole Nydahl verkündet.«⁵

Lama Ole Nydahl (2007)

© pawlo | Lama Ole Nydahl (11.12.2007) | CC BY-NC-ND 2.0

Nach einem Vortrag und Auftritt Ole Nydahls in Luzern im Jahr 2005, schreibt die Neue Luzerner Zeitung: »Für den Religionswissenschaftler Baumann ist Ole Nydahls Lehre ein oberflächlicher ›Instant-Buddhismus‹, der mit tibetischem Buddhismus östlicher Lesart, wenig gemeinsam habe.«³ Martin Baumann war nach Hören des Vortrags »erstaunt über so viele flache Formeln, Plattitüden und Pauschalisierungen«. In einem Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung gibt diese ihn wieder mit der Aussage, er verstehe »die Kritiker, die sagen, dass Ole Nydahl im Westen einen verwässerten ›Instant-Buddhismus‹ oder eine Art ›Buddhismus light‹ präsentiert.«³

Andererseits vertritt Ulrich Dehn (Religionswissenschaftler, Pfarrer und seit 2003 außerplanmäßiger Professor für Religions- und Missionswissenschaft sowie Ökumenik an der Humboldt Universität Berlin) die nachfolgende Ansicht: »Ole Nydahl lehrt durchaus richtige und sinnvolle Dinge.«⁹  ■


Fußnoten

* Statt Wurzel-Lama wäre der Begriff besser mit »Haupt-Lama» oder »Hauptlehrer« übersetzt. Tony Duff schreibt in seinem Illuminator Dictionary:

rtsa ba'i bla ma

<noun>phrase> »Root guru«. A practitioner might have several gurus. The principal one is the root guru. The Nyingma tradition lists several types of root guru, a listing which is made in dependence on the role that the guru had in the practitioner’s life, e.g., in that system, the root guru who provided the initial introduction to mind essence is listed as one type of root guru. E.g., [WPE] རྩ་བའི་བླ་མ་བཀའ་དྲིན་ཅན་ལ་སྐྱབས་སུ་མཆིའོ། »we take refuge in the kind root guru«.

Weitere Quellen:

rtsa ba'i bla ma

(RY) Root guru, root teacher / master. A practitioner of Vajrayana can have several types of root guru: the vajra master who confers empowerment, who bestows reading transmission, or who explains the meaning of the tantras. The ultimate root guru is the master who gives the ›pointing-out instruction‹ so that one recognizes the nature of mind.

(JV) root guru who gives direct introduction, basic guru, master who gives basic inspiration, principal guru

(IW) [rang la dbang khrid man ngag gnang ba'i thun min gyi bla ma] root guru. rang la dbang khrid man ngag gnang ba'i thun min gyi bla ma, … root guru

Siehe auch: Der Wurzellama, The Root Lama – rTsa-ba’i-bla-ma – Tai Situ Rinpoche.

1 Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f., Zeitschrift der DBU

2 Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz von Prof. Dr. Martin Baumann, http://www.sbu.net/sbuarchiv-d1.htm

3 Baumann, Martin 2005 in: »Eine Art Buddhismus Light?«, Neue Luzerner Zeitung, 04.11.2005, http://www.religionenlu.ch/pdf/2005-11-04.pdf (PDF)

3a Franz Johannes Litsch (ehemaliges DBU Ratsmitglied) in einer ausführlichen Email an Tenzin Peljor, 9. Oktober 2017. Zwischen den beiden Ausschluss-Debatten 1997 und 2000 gab es auch ein direktes Gespräch des DBU-Rates mit Ole Nydahl in Hamburg in dem er Besserung versprach. Da dieses Versprechen von Ole Nydahl nicht eingehalten wurde, folgte eine 2. Debatte zum Ausschluss des Diamantweges aus der DBU im Jahr 2000.

4 Dr. Oliver Freiberger, 2001: »Inter-Buddhist and Inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30, http://www.globalbuddhism.org/2/freiberger011.pdf (PDF)

5 Dr. phil. Christian Ruch »Buddha, Bungee, Bettgeschichten«, Seite 32-36 in der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) Publikation Nr. 185: »Wenn Eisenvögel fliegen …«. Der tibetische Buddhismus und der Westen, Berlin 2006

6 Prof. Georg Schmid in Leben & Glauben Nr 38/1999 http://www.relinfo.ch/nydahl/person.html, http://www.relinfo.ch/nydahl/info.html

7 FSK-Info #147, 07.01.2006, http://www.stuve.uni-muenchen.de/stuve/fsk/info/2006-01-07%20FSK-Info%20147.pdf

8 ASTA der TU Braunschweig, 2005, »Fragwürdiger Buddhistenführer im Audimax«, http://www.asta.tu-bs.de/asta_info/SoSe_2005_nr_2.html

9 Prof. Dr. theol. Ulrich Dehn in »Lama Ole Nydahl hat keine Zeit für Askese«, Sonntagsblatt, Ausgabe 27 vom 07.07.2002, http://www.sonntagsblatt-bayern.de/02/02-27-07.07.2002_1025680832-21697.htm

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Die Kontroverse in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) um Ole Nydahl im Jahr 1999/2000

In den Jahren 1999-2000 gab es eine öffentlich ausgetragene Kontroverse¹ zwischen der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), dem Dachverband der Buddhisten in Deutschland und deren mitgliederstärksten Gruppe, dem Karma Kagyü Dachverband (KKD) des Lama Ole Nydahl.

Vorgeschichte und Hintergründe

Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) hat 56 Mitgliedergruppen, welche in ihrer Größe stark variieren (zwischen 10 bis 6000 Mitglieder) und zählt zudem ca. 2300 Einzelpersonen zu ihren Mitgliedern. Der Karma Kagyü Dachverband (KKD), auch bekannt als Diamantweg oder »Diamantweg Buddhismus«, zählt nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Kontroverse 6000 Mitglieder und stellte damit »die größte buddhistische Gruppe in Deutschland«.²

Der Hauptlehrer und Gründer des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) ist der Däne Ole Nydahl. Der KKD entstand als Folge einer Abspaltung von dem Karma Kagyü Verein (KKV), dem ursprünglichen Dachverband der Karma Kagyü Schule in Deutschland.³ Nach Aussage des Vorsitzenden des KKV, Horst-Günter Rauprich, sei die Abspaltung noch vor dem Karmapa-Konflikt 1992 erfolgt.³ So gibt es nunmehr zwei Dachverbände der Karma-Kagyü-Schule in Deutschland. (Der Karma Kagyü Verein (KKV) wird ca. 2002 in Karma Kagyü Gemeinschaft Deutschland e. V. umbenannt.)

Wie die DBU 1999 angibt, befinde sie sich schon »seit Jahren in einem kritischen Dialog mit dem KKD« und habe bereits im Jahre 1996 eine 27seitige Analyse der öffentlichen Äußerungen Ole Nydahls als Diskussionsgrundlage erstellen lassen.⁴ Eigentliches Ziel sei es, die Kontroverse »intern« und auf der Basis von Verständigung, nicht von Konfrontation zu führen.⁴ Viele Buddhisten fordern zu dieser Zeit einen Ausschluss des KKD aus der DBU.⁴ Dieser Forderung wird jedoch nicht nachgekommen.⁴

Schließlich kommt es Ende 1999 zu öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen der DBU und dem KKD, in denen stark unterschiedliche Standpunkte zwischen den beiden Organisationen festgestellt werden.⁴

Die Kontroverse

Standpunkt der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)

Nach Aussage der DBU, erhält sie viele Anfragen zu buddhistischen Gruppen und Lehrern, wobei sich »die überaus größte Anzahl […] schon immer auf Ole Nydahl« bezieht. Sie gibt an, dass es vermehrt kritische Stellungnahmen zu seiner Person im Internet gibt, wodurch sie sich gezwungen sehe, eine öffentliche Stellungnahme im Internet zu veröffentlichen.⁴

Daraufhin veröffentlicht die DBU im August 1999 auf ihrer Webseite eine Stellungnahme zu Nydahl, die im Oktober desselben Jahres wieder entfernt wird, jedoch auch in der zeitgleichen Ausgabe der »Lotusblätter«, dem von der DBU herausgegebenen Magazin, abgedruckt wird.⁴

Sie stellt in der Stellungnahme einleitend fest, dass »Lama Ole Nydahl innerhalb und außerhalb der DBU heftig umstritten« sei und sie ihm aus diesem Grund »nie eine Plattform für die Darstellung seiner Person und seiner Lehren geboten« hätte. Infolgedessen sei Lama Ole Nydahl weder in den Lotosblättern, noch auf Konventen oder Mitgliederversammlungen der DBU zu Wort gekommen.⁴

In der Stellungnahme werden von der DBU nachfolgende Punkte als inakzeptabel kritisiert:

  • Ole Nydahls Pauschalurteil über den Islam
  • seine politischen Aussagen, die als rechtslastig und teilweise rassistisch gedeutet wurden
  • seine als militant und undifferenziert empfundene Redeweise
  • sein als maßlos und großspurig wahrgenommenes Auftreten
  • sein als »unbuddhistisch« empfundener Umgang mit den Themen Frauen, Sex und Spaß

Abschließend stellt der Rat fest, dass nach seiner Meinung diese Punkte nicht mit der buddhistischen Lehre in Einklang zu bringen sind.⁴

Diese Stellungnahme wird vor der Veröffentlichung weder mit dem KKD noch mit Ole Nydahl abgesprochen.⁵

Standpunkt des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD)

Als Reaktion verfassen Ellen Braun und Andreas Behrens, die Vorstände des KKD, einen Offenen Brief. Auf die konkreten Vorwürfe gehen sie dabei allerdings nicht ein, sondern sie werten die Stellungnahme des Rates als eine Illoyalität gegenüber dem größten Mitgliedsverband. Weiterhin bezweifeln sie eine aufrichtige Motivation hinter der Kritik an Nydahl. Sie vertreten die Auffassung, dass die Anhänger des 17. Karmapa Ogyen Trinley Dorje, den der KKD und Ole Nydahl nicht als die Wiedergeburt des 16. Karmapa akzeptieren, die Kritik lanciert hätten.⁶

17. Karmapa Ogyen Trinley Dorje

© Karmapa Foundation Europe | 17. Karmapa Ogyen Trinley Dorje | CC BY-NC-ND 2.0

Sie werfen diesbezüglich der DBU vor, sie würde sich auf die Seite des 17. Karmapa Ogyen Trinley Dorje und seiner Schüler stellen und diesen ein förderliches Forum bieten. Hingegen hätten sie, die den 17. Karmapa Thinley Thaye Dorje als rechtmäßigen Karmapa ansehen, kein solches Forum.(*) Zudem würde die andere Seite (der KKV) ein Ratsmitglied stellen. Der KKD zweifelt aus diesen Gründen die Legitimation der DBU an. Der KKD droht mit einer Auseinandersetzung in der Presse, was durch folgende Passage des Offenen Briefes deutlich wird: »Da unsere Mitglieder Vertretung ihrer Interessen fordern, kann dies nur zu einer ›PR-Auseinandersetzung‹ führen, die alle Buddhisten in Deutschland und insbesondere ihre angebliche Vertretung, die DBU sehr schlecht aussehen lässt.«⁶

17. Karmapa Thinley Thaye Dorje & Lama Ole Nydahl

© Diamond Way Buddhism | 17. Karmapa Thinley Thaye Dorje & Ole Nydahl | CC BY-NC-SA 2.0

Ferner wird im Offenen Brief die Gründung eines eigenen Dachverbandes angekündigt. Der erste Schritt hierhin bestehe in der Umbenennung des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) in Buddhistischer Dachverband Deutschland (BDD).⁶ Sie kritisieren zudem, dass sie nicht über die Stellungnahme informiert wurden und dass nach ihren erfolgreichen Protesten gegen die Internetveröffentlichung (sie wurde Anfang Oktober gelöscht), die Stellungnahme in den Lotosblättern noch einmal veröffentlicht wurde.⁶

Standpunkt des Karma Kagyü Vereins (KKV)

Horst-Günter Rauprich nimmt in den Lotusblättern 1/2000 für den Karma Kagyü Verein (KKV) zum Brief des KKD Stellung. Er stellt fest, dass sein Verein keinen Druck auf die DBU ausgeübt habe und der KKV zum damaligen Zeitpunkt nicht im Rat der DBU vertreten war. Man stimme aber inhaltlich der Stellungnahme der DBU zu, da die Kritik an Nydahl sich mit ihren eigenen Erfahrungen im KKV decke.³

Eine vorsichtige Annäherung und Einigung

Auf der Mitgliederversammlung der DBU im April 2000 wird das Thema aufgegriffen. Es wird die feste Absicht geäußert: »Die DBU und ihre Mitgliedsgemeinschaften wünschen keine Spaltung der buddhistischen Sangha in Deutschland und haben den festen Wunsch, den inner-buddhistischen Dialog fortzusetzen.« Die DBU bedauert, dass sie die Erklärung im Internet veröffentlicht hat, »ohne zuvor mit den Vertretern des KKD gesprochen zu haben«. Es wird beschlossen den Dialog fortzusetzen und der neu benannte Buddhistische Dachverband Deutschland (BDD) Ole Nydahls verpflichtete sich, den Vereinsnamen so zu ändern, dass er nicht als Dachverband aller Buddhisten missverstanden werden könne.⁷

Am 4. Oktober 2000 findet ein erneutes Treffen zwischen DBU und BDD statt. In der gemeinsamen Erklärung heißt es: »In einer offenen und freundlichen Atmosphäre wurde von beiden Seiten die Möglichkeit einer direkten Aussprache und Begegnung begrüßt. Man hatte sich wirklich Zeit genommen und so wurden in dem Gespräch die meisten der bekannten Vorwürfe, Kritikpunkte und Beobachtungen angesprochen. Im Vordergrund stand das Bemühen, Spannungen konkret anzugehen und positive Veränderungen zu ermöglichen. Obwohl unterschiedliche Sichtweisen deutlich wurden, so zeigten doch beide Seiten Bereitschaft aus der Vergangenheit zu lernen und Gemeinsamkeiten zu bestärken. Das Gespräch war ein erster Schritt und sollte dazu führen, Missverständnisse auszuräumen, Klarheit zu schaffen und Zusammenarbeit zu fördern. Weitere Entwicklungen sollen geprüft und offen diskutiert werden«⁸ Der Buddhistische Dachverband Deutschland (BDD) wird als Resultat dieser Annäherung in »Buddhistischer Dachverband Diamantweg« (BDD) umbenannt.  ■

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Hintergrund zum Karmapa-Konflikt

(*) Shamar Rinpoche, Tai Situ Rinpoche, Jamgon Kongtrul Rinpoche und Gyaltsab Rinpoche – die vier »Vajra-Regenten« und Hauptschüler des 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje (1924–1981) – erkannten zu Beginn gemeinsam Ogyen Trinley Dorje als Kandidat für die Nachfolge des 16. Karmapa an.

Ogyen Trinley Dorje wurde später auch vom 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, als Nachfolger für den 16. Karmapa anerkannt und von der chinesischen Regierung bestätigt. Dieser Kandidat, Karmapa Ogyen Trinley Dorje, ist das spirituelle Oberhaupt der Karma Kagyü Gemeinschaft Deutschland e.V.

Shamar Rinpoche stellte nach einiger Zeit die spirituelle Legitimation dieses Kandidaten, Orgyen Trinley Dorje, durch die anderen drei Vajra-Regenten und auch den 14. Dalai Lama in Frage und präsentierte einen zweiten Karmapa Kandidaten mit dem Namen Thinley Thaye Dorje. Diesen setzte Shamar Rinpoche zu Lebzeiten als Karmapa ein. Dieser Kandidat, Karmapa Thinley Thaye Dorje, wurde zum spirituellen Linienhalter des Karma Kagyü Dachverbands (KKD), der später in Buddhistischer Dachverband Diamantweg (BDD) umbenannt wurde.

Diesem Kandidaten, Karmapa Thinley Thaye Dorje, folgen aber auch buddhistische Zentren von Gendün Rinpoche, wie z.B. das Retreat-Zentrum im Möhra, oder auch andere westliche buddhistische Lehrer wie z.B. Lama Jampa Thaye.


Quellen

Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)

  • Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f.,
  • Lotusblätter 14, Nr. 1, [2000], 56-61

Zeitschrift des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) (heute: Buddhistischer Dachverband Diamantweg - BDD)

  • Buddhismus Heute 29, Nr.2, [1999], S66f.,
  • Buddhismus Heute 31, Nr.2, [2000], S74f.
  • Buddhismus Heute 32, Nr.1, [2001], S77

Referenzen

1 Freiberger, Oliver. 2001: »Inter-Buddhist and Inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30. (PDF)

2 Buddhismus Heute 29, Zeitschrift des KKV, S.69
Remid listet als Mitgliederzahlen für den Buddhistischen Dachverband Diamantweg e.V. (BDD) im Jahr 2015: 5.500 Mitglieder und fügt hinzu »Mitgliederstärkste Vereinigung in der DBU. Vorige Angabe: 6.000 (2012).«
Stand September 2017: Die mitgliederstärkste Gruppe innerhalb der DBU ist die der Einzelmitglieder mit 6.350. (Siehe Zahlen zum Buddhismus in Deutschland)

3 Stellungnahme des Karma Kagyü Verein (KKV) zum Offenen Brief des Karma Kagyü Dachverband (KKD), Lotusblätter 14, Nr. 1, [2000], 56-61, Zeitschrift der DBU

4 Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f., Zeitschrift der DBU;
Die 27seite Analyse der DBU kann hier eingesehen werden: 1) PDF, 2) PDF mit Texterkennung

5 Buddhismus Heute 31, Zeitschrift des KKV, S.75

6 Offener Brief an die Mitgliedsgemeinschaften der DBU und den Rat, 03.11.1999, in Buddhismus Heute 29, Zeitschrift des KKV, S.69ff

7 Der Beschluss der Mitgliederversammlung [der DBU] vom April 2000, in Buddhismus Heute 31, Zeitschrift des KKV, S.75

8 Vereinbarte gemeinsame Erklärung von DBU und BDD [KKD], 4.10.2000, in Buddhismus Heute 32, Zeitschrift des KKV, S.77

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Ergänzungen

Der Artikel zur DBU-Kontroverse um Ole Nydahl wurde in seiner Grundform in Wikipedia.de unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation erstellt. Da die Kontroverse und Kritik an Ole Nydahl innerhalb der DBU jedoch keinen Widerhall in den deutschen Medien fand und intra-buddhistisch blieb, wurde der Artikel wegen fehlender Relevanz für Wikipedia wieder gelöscht. Ich habe ihn kopiert und überarbeitet, da ich ihn für sehr hilfreich halte und möchte ihn hier deshalb der/dem interessierten LeserIn zur Verfügung stellen. Auch Dr. Oliver Freiberger (Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Universität Bayreuth) sah die Auseinandersetzung innerhalb der DBU als bedeutend genug an, um sie in seiner Studie über »interbuddhistische und interreligiöse Verhältnisse im Westen« zu erwähnen.⁹

Die Internetauftritte rundum Ole Nydahl als Buddhismus-Repräsentant sind dominant. Die Domain www.buddhismus.de und viele andere mit dem Buddhismus assoziierten Domains, wie z.B. www.buddhismus-nord.de, www.buddhismus-sued.de, www.buddhismus-heute.de, und entsprechende Domains in Polen (http://www.buddyzm.pl), Russland (http://www.buddhism.ru), Österreich (www.buddhismus.at), der Schweiz (http://www.buddhismus.org) usw., sind Ole Nydahl bzw. seinen Schülern oder seiner Organisation Buddhistischer Dachverband Diamantweg (BDD) zuzuordnen und stellen keine Internetpräsenzen übergeordneter Organisationen dar, wie mitunter der erste und zweite Eindruck vermittelt. In der Vergangenheit hat der BDD zudem viele Domains mit dem Wort »Karmapa« erworben¹⁰, wie z.B. karmapa.de, karmapa.ru oder karmapa.cz und damit ihre Präsenz und ihren Anspruch als Repräsentant der Karma Kagyü Linie noch mehr ausgebaut. Selbst für Städte, in denen es keine Diamantweg-Zentren gibt, wie z.B. Erfurt oder Weimar, wurden die Domains http://buddhismus-erfurt.de bzw. http://buddhismus-weimar.de erworben, die dann auf http://www.buddhismus-ost.de umgeleitet werden oder Kopien dieser Seite sind.

Im Jahr 2001 bringt die vollordinierte Nonne, Gelongma Jampa Tsedroen (Carola Roloff), die Verwirrung rund um den Begriff »Diamantweg« und die Präsentation des Buddhismus auf der Seite www.buddhismus.de in einem Artikel, »Erleuchtung.de: Verirrungen im Internet«, zum Ausdruck. Laut Diamantweg Websiten sei die Bezeichnung Diamantweg »eigentlich nur die Übersetzung des Wortes Vajrayana …« Vajrayana wird aber nicht nur von den Gruppen Ole Nydahls praktiziert sondern in allen vier tibetisch-buddhistischen Traditionen – Kagyü, Nyingma, Sakya und Gelug – sowie in einigen anderen Ländern und Traditionen. Die Seite vermittle den Eindruck, sie sei die Seite der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Der Diamantweg werde neben Mahayana, Theravada, Vajrayana und Zen als eine eigene Tradition aufgeführt.¹⁰ª Tsedroen konstatiert:

»Ob über die Domäne [www.buddhismus.de] oder das Wort ›Buddhismus‹ in den Suchmaschinen, der Buddhismus in Deutschland wird vom Angebot des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg e.V. beherrscht, auch Diamantweg-Buddhismus genannt oder Buddhismus im Norden, Buddhismus im Osten, Buddhistische Zentren Südwest der Karma Kagyü Linie e.V., Buddhismus in Deutschland, Buddhismus heute usw.«¹⁰ª

Herbert Rusche, ehemaliges Mitglied des Bundestags für Die Grünen und ehemaliger Delegierter der DBU-Einzelmitglieder (2005–2011), kommentiert dieses Vorgehen wie folgt: »Freunde von Ole Nydahl, die sich meist als seine Schüler betrachten, belegten in der Zeit, als das Internet immer mehr Bedeutung bekam, alle Top-Domains, in denen der Begriff Buddhismus und Karmapa auftauchte. Sie erwecken so bei unbedarften Internetusern den Eindruck, dass sie die einzige existente Richtung des Karma-Kagyü-Buddhismus, ja sogar des ganzen Buddhismus sind und ihn vertreten.«¹¹

Wie das Auftreten des Diamantwegs auf Außenstehende wirkt beschreibt der Spiegel-Online Reporter Stefan Kuzmany im März 2009 wie folgt:

Schon die Gestaltung der Seite www.buddhismus.de, wo der Diamantweg gleichberechtigt mit den großen Hauptrichtungen präsentiert wird, hat mich irritiert. Und noch mehr irritierte mich der Besuch eines Nydahl-Vortrages in Berlin, wo, neben höchst allgemeinen und m. E. sehr unsystematisch vorgetragenen buddhistischen Versatzstücken auch eine deutliche und vom Publikum mit Applaus bedachte Herabsetzung anderer Religionen zu hören war. Es war mir neu, dass solche Rede mit dem Buddhismus vereinbar wäre. So bin ich schließlich auf den Konflikt zwischen DBU und Nydahl gestoßen. Nydahl scheint ja letztlich obsiegt zu haben: noch zehn Jahre danach redet er genau so wie ihm damals vorgeworfen wurde. Und die in der Einigung beschlossene Umbenennung seines ›Dachverbandes‹ hat ja offensichtlich auch niemals stattgefunden.²⁵

Lama Ole Nydahl im Thor T-Shirt

Ole Nydahl | CC BY-NC-ND 2.0

Innerhalb von Deutschland haben sich die meisten buddhistischen Gruppen und viele einzelne Buddhistinnen in der Deutschen Buddhistischen Union e.V. – Buddhistische Religionsgemeinschaft (DBU) zusammengeschlossen. Mit Stand Sept. 2017 hat die DBU nach eigenen Angaben 63 Mitgliedsgemeinschaften mit insgesamt 19.429 Mitgliedern. Der Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) ist Mitglied der DBU und hat nach eigenen Angaben 5.500 Mitglieder.

In der Geschichte der DBU gab es bereits zweimal (1997 und 2000) eine Debatte darüber, Ole Nydahls Diamantweg-Bewegung aus der DBU auszuschließen.¹¹ª (siehe auch »Die Kontroverse in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) um Ole Nydahl im Jahr 1999/2000«)

Auf der DBU Mitgliederversammlung der DBU im Jahr 2013 gibt es erneut Konflikte mit Vertretern des Diamantwegs. In einem »Offenen Brief zur Lage der DBU«,¹¹* in dem das Vorstandsmitglied des Rates, SoGen Ralf Boeck, seinen Rücktritt mitteilt, spricht er von einer »Krise der DBU« und kritisiert vor allem den Kommunikationsstil des BDD als »knallharte Interessenvertretung mit allem, was rhetorische Mittel einschließlich unsachlicher und unfairer Polemik dazu hergeben«, obzwar »diese Art der Interessenvertretung in einem Dachverband legitim« sei, habe sie nichts »mit rechter Rede … nach meinem Verständnis … zu tun«. Zudem spricht er von einer »Hilflosigkeit nicht nur des Rates, sondern auch vieler Delegierter«, da die Delegierten des BDD gegenüber den anderen Delegierten »mit einer brutalen Rhetorik« vorgegangen seien, »der sich Vorstand, Rat und die Mitgliederversammlung nicht gewachsen zeigten.«

Von Seiten des Rates der DBU habe es nicht »an Versuchen gefehlt, ein positives Verhältnis zum BDD herzustellen, dem BDD habe man »nach vielen Jahren inoffiziellen Boykotts und stillschweigender Ausgrenzung die Türen weit geöffnet … – aus innerer Überzeugung.« Man könne schon fast von »einer privilegierten Behandlung sprechen«, die auch die Höhe der Mitgliedsbeiträge reflektiere, die bei 3.500 € nicht einmal 0,8 % der Einnahmen der DBU ausmachen würden und von den anderen Mitgliedern, die wesentlich mehr Beitrag pro Mitglied zahlen, »gedeckelt« würden. In Angesicht dessen sollte die DBU »sich sehr, sehr genau anschauen, was genau sie sich dafür einhandelt.« Seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen führen ihn zum Schluss:

Das ist in der Tat nicht harmloser verwässerter Lifestyle-Buddhismus, wie er dem BDD häufig vorgeworfen wird. Das sind die ›Bodhisattva-Krieger‚‹ des Vajrayana, wie er in dieser Gemeinschaft verstanden und gelehrt wird.¹¹*

Die nunmehr seit Jahrzehnten bekannten und immer wieder benannten Probleme, werden bis zum Jahr 2018 nicht wirklich innerhalb der DBU gelöst. Was sich ändert, sind die Machtstrukturen im Rat der DBU – zugunsten des BDD. Als Resultat dieser Änderungen, lassen sich einseitige Parteinahmen des 1. Vorsitzenden, Gunnar Gantzhorn, für den Diamantweg / Ole Nydahl beobachten, während andere Räte öffentlich nahezu kritiklos verstummen. Parallel zu diesen Entwicklungen werden juristische Verfahren gegen kritische Blogger, wie den ehemaligen Präsidenten der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft (ÖBR), gegen ein Vorstandsmitglied der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft (DBO) und den Vorsitzenden des Kölner Kreisverbands der Piratenpartei von seiten der Buddhistischen Stiftung Diamantweg oder deren Geschäftsführer, RA Jan Weber, im Auftrag Ole Nydahls angestrengt.

Nachdem ein Blogbeitrag diese und weitere Entwicklungen kritisch und öffentlich aufgreift, sendet der Rat der DBU am 09.04.2018 eine »Erklärung des Rates der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) zu umstrittenen Äußerungen von Lama Ole Nydahl« an die DBU Mitgliedsgemeinschaften und ihre Delegierten, übergibt dem BBD einen Fragenkatalog – mit dem ausdrücklichen Wunsch nach einer Stellungnahme – und legt einen neuen Tagesordnungspunkt für die Mitgliederversammlung der DBU vom 27.–29.04.18 fest: »Bericht und Aussprache zum Thema Tatsachenbehauptungen und Vorwürfe gegen Ole Nydahl und den BDD«. (siehe auch: Updates April-Juli 2018, BDD-Stellungnahme inkl. der Fragen des DBU Rats und Faktencheck: Die Kommunikationsstrategie des Diamantwegs (BDD))

Eine knappe Zusammenfassung der Inhalte und Ergebnisse der Mitgliederversammlung vom April 2018 ist hier zu finden:

Einen ausführlicheren Bericht von der Mitgliederversammlung gibt es hier:

In einer Mitteilung (Nr. 5-2018) vom 26. Juni 2018 teilt der Rat und Vorstand der DBU mit, dass Gunnar Gantzhorn als 1. Sprecher und Vorsitzender des Vorstands zurückgetreten ist (»in erster Linie aus gesundheitlichen und familiären Gründen«) und ein neuer Vorstand gewählt wurde. Themen wie »Gebot der Neutralität (gegenüber Konfliktparteien in der DBU)« oder »Vertraulichkeit und Transparenz« wurden besprochen. Der Rat habe zudem »seine Selbstverpflichtung zur Neutralität« erneuert.

Am 8. Juli 2018 versendet der Rat der DBU eine vierseitige Stellungnahme zum Antwortschreiben des BDD auf den Fragenkatalog des Rates an die Delegierten der Mitgliedsgemeinschaften. Am selben Tag wird ein Offener Brief an die DBU gesendet, den 137 Buddhistinnen unterschrieben. In ihm wird eine »fehlende klare und eindeutige Haltung der DBU-Führung« beklagt und »eine klare und erkennbare ethische Haltung« angemahnt.

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) berichtet in ihrem Newsletter 7-8/2018 über die »Konflikte innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union« (PDF)

Im Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD) sind ausschließlich Zentren Ole Nydahls Mitglieder. Für den Buddhismus-Unterricht an Schulen bietet die DBU eine Fortbildung von Lehrern und Referenten unter qualifizierten buddhistischen Lehrern an (http://www.buddhismus-fortbildung.de). Ole Nydahls Diamantweg-Stiftung bietet zusätzlich und unabhängig von der DBU ein weiteres Projekt zu »Schule und Buddhismus« unter http://www.buddhismus-schule.de mit dem vielversprechenden Namen »Buddhismus in seiner Ganzheit« an.

Für den Autor dieses Artikels bleibt offen zu prüfen, inwieweit das Schulprojekt der Stiftung Ole Nydahls (Diamantwegstiftung) wirklich freie und unabhängige Informationen zum Buddhismus anbietet und nicht als eine indirekte Einflussnahme (im Sinne von ›Schleichwerbung‹) im Bereich der Jugendbildung zugunsten des Diamantweg-Buddhismus Ole Nydahls genutzt wird. Denn letztlich verweisen 80 % aller externen Links zum Buddhismus auf der Seite http://www.buddhismus-schule.de nur auf die Seiten des Diamantweg Buddhismus, wie ihn Ole Nydahl vertritt, sind also völlig selbstreferenzierend. Der einzige externe Link, der nicht direkt zu Diamantweg-Seiten verweist, ist der zum Bildungsserver. Ruft man diesen auf, wird dann wiederum an erster Stelle die eigene Seite http://www.buddhismus-schule.de gelistet.¹²

Aspekte der Vereinsgeschichte des Diamantwegs (der Zentren Ole Nydahls) im deutschsprachigen Raum lassen sich – aus einer kritischen Hintergrund-Perspektive – wie folgt skizzieren:

Der derzeitige Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) ist ein gemeinnütziger Verein, in dem ausschließlich die Zentren Ole Nydahls Mitglieder sind. Der BDD vertritt die Interessen der Zentren Ole Nydahls in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Der BDD entstand aus einer Umbenennung des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) und aus der Drohung, sich von der DBU abzuspalten. Ziel dieser Trennung sollte die Existenz eines zweiten Buddhistischen Dachverbandes in Deutschland (BDD) sein. Durch das Einlenken der DBU, die eine Spaltung fürchtete, und das Finden eines Kompromisses, wurde dies verhindert. Der KKD Ole Nydahls wiederum ist – nach Aussage von Horst-Günter Rauprich, dem ehemaligen Vorsitzenden des Karma Kagyü Vereins (KKV) – eine Abspaltung des ursprünglichen Dachverbandes der Karma Kagyü Tradition in Deutschland, dem Karma Kagyü Verein (KKV).¹³ Ole Nydahl und die Diamantweg-Zentren spielen zudem eine nicht unerhebliche Rolle im Karmapa-Konflikt im Westen, der sich erst nach der Trennung Ole Nydahls vom ursprünglichen Karma Kagyü Dachverband, KKV¹³, im Westen richtig entfaltete.

In Österreich führen die »wiederkehrenden Probleme und Auseinandersetzungen«¹⁴ um Ole Nydahl zur Spaltung des österreichischen Karma-Kagyü Ordens (1997). Man wollte sich dadurch »von einem für uns und den Buddhismus untragbaren Lehrer distanzieren.«¹⁴

Ein Jahr später, 1998, kommt es dann zum Bruch zwischen der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft (ÖBR) und Ole Nydahl. Ähnlich wie die Deutsche Buddhistische Union Ole Nydahl eine Plattform für seine Auftritte verweigert, spricht die ÖBR »ein Ankündigungsverbot in all ihren Publikationen« aus.¹⁴ Diesem Verbot ging ein »Sangharatsbeschluss« im September 1998 voraus. Nach Aussage Peter Riedls war »Hintergrund dieses Sangharatsbeschlusses … eine sich über Monate hinziehende Kontroverse innerhalb der ÖBR über Ole Nydahls mehrfach geäußerten islamophoben, verhetzenden und sexistischen Aussagen.«¹⁴ª

Weitere Spannungen in der ÖBR entstehen u.a. dadurch, dass Ole Nydahls Diamantweg-Zweig, Karma Kagyü Österreich (KKÖ), gegen die Leitlinien der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) zur Namensgebung buddhistischer Einrichtungen, buddhistischer Orden, Gruppen oder Institutionen verstößt. Demzufolge sollen irreführende oder zur Verwechslung führende Namensgebungen oder Begrifflichkeiten vermieden werden und insbesondere die Bezeichnung »Österreich« in Zusammenhang mit Traditionsnamen nicht gestattet werden, um zu verhindern, dass damit Alleinvertretungsansprüche, Alleinstellungen oder sonstige vorrangige Bedeutungen vorgetäuscht werden. Aus diesen Gründen sollen auch völlig alleinstehende Traditionsnamen als Ordens- oder Gruppennamen nicht gestattet werden.

Während sich sämtliche Einrichtungen, Orden und Dharma-Gruppen der ÖBR an diesen Beschluss halten, weigert sich die KKÖ, trotz der eindeutigen Beschlusslage, den Begriff »Österreich« aus ihrem Ordensnamen zu streichen oder den Traditionsnamen »Karma Kagyü« als alleinstehende Bezeichnung aufzugeben. Gegen den Beschluss der ÖBR und dessen »Sangharates« (September 2011) bezüglich Namensgebung prozessiert die KKÖ. Nach Abweisung der Klage vor Gericht geht die KKÖ in Berufung und prozessiert weiter gegen die ÖBR. Als dann im März 2014 ein Antrag zum Ausschluss der KKÖ aus der ÖBR (eingebracht von Dai Shin Zen, DzogChen-Gemeinschaft, Puregg-Haus der Stille, Maitreya Institut, Shambala-Zentrum, Theravada-Schule) »wegen grober, fortgesetzter Verletzung der ÖBR-Verfassung und Verstoß gegen die Grundlagen der ÖBR … wegen der Verletzung der Interessen der gesamten Religionsgesellschaft« gestellt wird, zieht die KKÖ die Klage gerade noch rechtzeitig kurz vor dem drohenden Ausschluss aus der ÖBR zurück.

Ole Nydahls Äußerungen zum Islam waren nicht nur in der Vergangenheit Gegenstand der Besorgnis unter Buddhisten.¹⁵ Alfred Weil, 1997, zu diesem Zeitpunkt Sprecher der Deutschen Buddhistischen Union:

Wir müssen aber gestehen, dass es andere Aussagen Oles gibt, die wir (nach wie vor) nicht akzeptieren können. Dazu einige Stichworte: Was den Islam betrifft, stimmt Oles Auffassung einfach nicht mit den Tatsachen überein. Wer nur etwas differenziert hinschaut, wird den Unterschied zwischen der Religion des Islam und seiner fundamentalistischen und menschenverachtenden Fratze nicht übersehen … Man darf es sich gerade in einer Zeit der Fremdenfeindlichkeit nicht leisten, ein falsches Bild immer wieder nachzuzeichnen und damit dumpfe Ressentiments zu schüren.¹⁵ª

Peter Riedl, ehemaliger Generalsekretär (1997–2002) und Präsident (2002–2006) der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR), bezeichnet Ole Nydahls Ausführungen zum Islam in einem Artikel, den er nach einem Interview mit Nydahl im Jahr 2006 verfasste, als »Anti-Islam-Tirade[n]«.¹⁵ In buddhistischen Online-Foren, wie z.B. dem der DBU, werden seine Äußerungen zum Islam kontrovers diskutiert und häufig ebenso kritisch gesehen.¹⁶ In Bezug auf interreligiösen Dialog äußert sich Ole Nydahl kritisch, »interreligiöse Projekte« seien »häufig nur eine reine Selbstdarstellung«²⁶ und er empfiehlt seinen Anhängern: »Wir können teilnehmen, sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen.«²⁶

Im Jahr 2012 protestieren 40 Menschen vom Lambeth Muslim Forum und dem Lambeth Interfaith Network außerhalb des Lambeth Rathauses in Brixt, England, gegen die Entscheidung der Ratsversammlung, das ehemalige Beaufoy Institute an die Diamantweg Organisation zu geben.²⁷ Toaha Qureshi, ein Mitglied des Lambeth Muslim Forum und ein Vorstand der Stockwell Moschee in Stockwell Green, ist davon überzeugt, dass Nydahls Kommentare »Hass-Reden« gleichkommen.²⁷ In Polen sollen sich Anhänger des Diamantweg Buddhismus mit Rechtsextremen gegen den Bau einer Moschee in Warschau verbündet haben.²⁷ Als Antwort auf dieses Engagement schreibt ein polnischer Korrespondent von Islamophobia Watch, der einige Jahre zuvor an einem Vortrag Nydahls teilnahm:

Ich hatte schon zuvor einige Kommentare gehört, die sagten, dass Nydahl islamophobe Ansichten vertrete, aber ich war ehrlich gesagt schockiert über die Tiefe seiner Wut und seines Hasses gegen den Islam und die Muslime sowie die Art, wie er seine Position nutzt, um viel Desinformation und sachliche Ungenauigkeiten in Bezug auf den Islam und Muslime zu predigen und Hass gegen den Islam unter seinen Anhängern zu schüren.²⁷

Angeblicher »UNESCO-Preis« »für Dialog, Koexistenz und Frieden« + Weitere Äußerungen zum Islam: Trotz dieser Kontroversen – oder gerade wegen seiner Äußerungen zum Islam? – erhält Ole Nydahl am 13. Juni 2015 »den erstmals vergebenen Preis für Dialog, Koexistenz und Frieden der UNESCO-Assoziation für interkulturellen und interreligiösen Dialog in Malaga (Spanien).«²⁸ Nydahls offizielle Website titelt »UNESCO-Preis an Lama Ole Nydahl verliehen«.²⁸ Die Behauptung, Ole Nydahl habe einen »UNESCO-Preis« erhalten, wird von vielen buddhistischen Magazinen und deren Websiten unkritisch übernommen und verbreitet. Die Europäische Buddhistische Union (EBU) verkündet in einer Meldung »On Friday June 13, 2015, Buddhist teacher Lama Ole Nydahl has received the UNESCO award for Dialogue, Coexistence and Peace in Malaga (Spain)«. Jedoch gibt es unter den 22 offiziell von der UNESCO vergebenen und aktiven Preisen keinen für »dialogue, coexistence and peace«. Genau genommen hat nur eine mit der UNESCO assozierte Organisation den Preis verliehen für deren Handlungen sich die UNESCO ausdrücklich nicht verantwortlich zeigt. Pedro Gomez, Vorstandsmitglied dieser UNESCO-Assoziation, ist Schüler von Ole Nydahl und pflegt zu ihm eine enge, langjährige Beziehung.²⁸ Nydahl über Gomez: »Mit Pedro, der ein großartiger Visionär ist, konnten wir uns sehr weit verbreiten und viele Dinge tun.«²⁸ª Zur Begründung des Preises heißt es auf Nydahls offizieller Website: »Der Preis wurde ihm und seiner verstorbenen Frau Hannah Nydahl für ihren Beitrag zur Förderung von Meinungsfreiheit, Mitgefühl, Frieden und Güte verliehen. Als weiteren Preisträger ehrt die Assoziation Papst Franziskus I.«²⁸ Laut Nydahl’s Website, habe Präsident Lorenzo Rodriguez de la Peña bei der Laudatio im Kongresspalast in Malaga »die einzigartige Rolle Nydahls und seiner Frau Hannah, die 2007 verstorben war, bei der Stärkung universeller Werte und menschlicher Freiheiten sowie die Unterstützung für viele Menschen bei der Entwicklung von innerem Frieden und Wohlergehen« betont.²⁸ Ihre Hoheit Königin Sofia von Spanien und Griechenland ist laut einem Dokument der preisvergebenden Organisation ebenso Preisträgerin.

In einem Interview mit der Nordhessen Rundschau, im März 2016, behauptet Nydahl in Bezug auf die Terror-Anschläge in Brüssel und Paris, dass dies [mit Terroranschlägen Menschen zu töten] »alles« im »Koran drin« sei,

»Ich denke, das ist im Koran drin, das ist alles drin, das was man tun soll und das alles. Also man kriegt einen Befehl von ganz oben, von irgendeinem Allah oder sowas, und dann verstärkt man sich darin, Ungläubige zu töten und das alles was da ist. Und dann am Ende, was haben wir dann? Dann haben wir Brüssel und Paris und alles. (Ein) großes Problem, was wir uns da aufgehalst haben.«

Islamwissenschaftler Guido Steinberg, laut Berliner Morgenpost einer der renommiertesten deutschen Terrorismusexperten, erklärt, dass die Auffassung terroristische Anschläge seien eine logische Folge des Islams, Gewalt sei ein immanenter Bestandteil desselben und der Islam sei nicht mit der Demokratie vereinbar sogenannte Islamkritiker und Dschihadisten eine. Schließlich betrachteten auch die selbsternannten Gotteskrieger Gewalt als immanenten Bestandteil des Islams. Steinberg jedoch widerspricht dieser Auffassung: »Als Islamwissenschaftler muss ich aber anmerken, dass es diesen einen Wesenskern des Islam nicht gibt. Der Islam hat eine lange und wechselvolle Geschichte und es gibt ein breites Spektrum von Interpretationen.« Aussagen wie »Der Islam ist...« seien deshalb »unsinnig«. »Entscheidend ist, wie Muslime den Islam interpretieren. Millionen von Muslimen zeigen, dass sie Demokraten sein können und die ganz überwiegende Zahl ist anständig und friedlich wie Katholiken, Protestanten und andere auch.«

In Bezug auf Menschen, die meist vor Krieg, Terror oder Folter aus islamischen Ländern nach Europa geflüchtet sind und hier Zuflucht suchen, ist Nydahl zudem der Ansicht, hätten Europäer den Koran gelesen [und wie es Ole Nydahl oder muslimische Extremisten tun, den Koran wörtlich genommen], hätte man solche Menschen weder über die Grenze noch aus dem Wasser geholt:

»Die Leute hätten einfach nur das Koran lesen müssen und verstehen müssen, dass das wirklich für uns alle gegeben wurde, dann hätten wir vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt oder aus dem Wasser geholt, sogar. [lacht]«

Zitierte Passagen ab ca. 19. Minute

Blogger Matthias Steingass bezeichnet diese Äußerungen Nydahls zum Retten von Geflüchteten vor dem Ertrinken als »schäbig«:

»Der redet davon, dass man vielleicht nicht so viele aus dem Wasser hätte fischen sollen, von diesen Attentätern. Mit anderen Worten: Lasst sie ersaufen. … Das ist die Schäbigkeit einer verkommenen Figur, deren Auffassung von Buddhismus unter derartigen Vorzeichen nur als Perversion bezeichnet werden kann.«

Nachdem eine Diskussion unter dem Video entstand, wendet sich Ole Nydahl an die Redaktion der Nordhessen Rundschau und behauptet, dass er es nicht so gemeint habe und »keineswegs so verstanden werden möchte, als würde ich nicht Menschen aus Lebensgefahr retten oder sie gar ertrinken lassen wollen.« Er fügt hinzu: »Ich bin Däne und bin hier mit meinem Deutsch anscheinend missverstanden worden.«

Im selben Interview mit der Nordhessen Rundschau stellt Nydahl außerdem klar, dass er den »UNESCO-Preis« für »Redefreiheit« bekommen habe.²⁹

In einem weiteren Video, das am 03.04.2016 auf YouTube veröffentlicht wurde, äußert sich Nydahl aus meiner Sicht ebenso islamobphob. So fordert er Muslime auf, in ihren Ländern zu bleiben und vertritt die Ansicht, dass sie sich nicht ändern könnten und weder dialog- noch integrationsfähig seien. Die Idee der Integration von Muslimen sei »verrückt«, denn sie könnten sich nicht integrieren, da es gegen ihr Gesetz und Religion wäre und sie letztlich alle [Menschen] und jedes Land zu Muslimen machen müssten.³⁰

Beim Deutschlandtreffen des Diamantwegs, am 23.3.16 im Kasseler Messezentrum, empfiehlt Nydahl seinen ZuhörerInnen die ›Alternative für Deutschland‹ (AfD) zu wählen.³¹

Beim Osterkurs 2017 äußert sich Ole Nydahl ähnlich kontrovers zu Muslimen und Flüchtlingen. Die anwesenden Politiker Lisa Gerlach und Babak Tubis zeigen sich entsetzt. Auf einem Blogeintrag Babak Tubis’ wird Nydahl u.a. mit folgenden Aussagen zu Muslimen und Flüchtlingen zitiert: »Muslime schneiden Frauen im Namen des Islam den Kitzler ab. … Syrer kann man schon einige reinlassen, Afghanen aber nicht.« Laut Blog-Eintrag, der im Oktober 2017 vor Gericht verhandelt wurde, weicht Nydahl der Bitte um Klärung und Differenzierung seiner Pauschalisierungen – wie er den Ausspruch gemeint habe, dass alle Muslime, die da kämen, ungebildet seien, dass man Syrer eventuell schon ins Land lassen könne, Afghanen aber nicht – aus, macht die Fragestellerin lächerlich und als diese »präzise und verbindlich zum dritten Mal ansetzt«, ordnet Nydahl an, ihr das Mikrofon wegzunehmen. Weiter heißt es im Blog-Beitrag:

»3.500 Leute haben beim Osterkurs in Kassel populistische Behauptungen an der Grenze zur Volksverhetzung schlucken und ihre sicherlich vorhandenen Störgefühle dazu wegmeditieren dürfen … Praktisch in jedem seiner Vorträge bringt er seine Islamophobie unter und solidarisiert sich, und damit die Sangha, mit rechtspopulistischen Bewegungen.«

In einem Beitrag für Ursache & Wirkung, berichtet eine frühere Schülerin von Ole Nydahl, wie Nydahl beim Osterkurs 2017 um Sympathie für Marine Le Pen wirbt und aus einer Publikation der rechtsgerichteten Denkfabrik Gatestone Institute mit dem Titel »European Parliament Censors Its Own Free Speech « von Judith Bergman vorliest.

Anfang 2018 beschäftigen sich mehrere deutsche Kultur-Redaktionen mit einem Film über Hannah Nydahl, »Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit«. Am 05.01.2018 veröffentlicht der WDR 5 in der Reihe »Neugier genügt« ein knapp 30-minütiges Interview, »Wie der Buddhismus in den Westen kam – Lama Ole Nydahl«. Ab Minute 24:30 antwortet Nydahl auf den Klärungswunsch und die Anmoderation des Moderators Jürgen Wiebicke: »Wie stehen eigentlich Religionen zueinander? … Gerade was Buddhismus und Islam angeht, gibt es im Moment ’ne Menge Stress«:

Wir mögen die Muslims überhaupt nicht. Also was sie machen und die Ganze, all das Humorlose und die unterdrückten Frauen und die beschnittenen Frauen, nicht, kein Klitoris und all das, … was da passiert und all das, nicht, das ist furchtbar.

Auf die brutale Vertreibung von 500.000 Muslimen durch Buddhisten in Myanmar (Burma) angesprochen, kommen Nydahl keine Worte der Kritik über die Lippen: »Nein, das tue ich auch nicht. Buddhisten sind auch Menschen, nicht, und die haben Erfahrungen und wenn bei ihnen etwas passiert ist usw. und wenn es kräftig inszeniert ist, wie von den Muslims, das wissen wir in Myanmar geschieht […]« Moment mal, Rohingya Muslime inszenieren ihre eigene Vertreibung und Leiden? Aus Sicht Nydahls scheinbar schon. Zuvor behauptet er noch: »Buddhisten sind überall für Friedfertigkeit und Freundlichkeit und normales, humanes Verhalten usw. da, also hat irgendeiner vielleicht die Fakts irgendwie falsch zusammengepackt aus irgendwelchen Gründen.«

Drei Tage später, am 08.01.18 kommentiert Stephan Karkowsky im WDR 5 Meinungsmagazin (Reihe »Politikum«, Minute 14:35), dass Moderator Jürgen Wiebicke hörbar die Kinnlade heruntergefallen wäre, als Nydahl »sein Mantra im Namen aller Anhänger wiederholte.« Nach Ansicht Karkowskys würde Ole Nydahl »auch heute noch Tausende mit seinen Hass-Predigten« beeinflussen. Karkowsky beschreibt Nydahl als islamophob.

Ende Mai 2018 hakt WDR 5 noch einmal nach und sendet vom Sommerkurs 2018 mit Ole Nydahl im Europazentrum in Immenstadt (Allgäu) nachfolgende kritische Reportage:

Während des Sommerkurses 2018 (31.07. – 13.08.2018) im Europazentrum des Diamantwegs in Immenstadt (Allgäu) soll Nydahl weiter gegen den Islam zugespitzt haben.

Die Augsburger Allgemeine zitiert Nydahl wie folgt: »Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.«³² Ole Nydahl sagt, dass er dies nicht gesagt hat. (Siehe: Stellungnahme von Ole Nydahl sowie Analyse dieser Stellungnahme.) Kurz vor dem Vergleich von Hitler und Stalin mit dem Islam habe Nydahl unmissverständlich formuliert: »Hätte ich Stalin oder Hitler getroffen, ich hätte sie erschossen.«³²

Ein ehemaliger Schüler Nydahls, Christoph Schultheiß, berichtet der Augsburger Allgemeinen, Nydahl habe auf die Frage, wie man sich gegen den Islam wappne, vor hunderten Zuhörern gesagt: Learn how to shoot (Lerne zu schießen).³² Dr. Klaus Kaltenbrunner, ein österreichischer Lehrer der Diamantweg-Bewegung, soll bereits im Februar 2018 während der christlich-buddhistischen Dialog-Tagung zum Thema »Glück« im Stephansstift in Hannover zur Überraschung und Empörung von Teilnehmern zur Wehrhaftigkeit gegen den Islam aufgerufen haben.³³ Zu viele Muslime würden in unser Land strömen, sodass wir jetzt unsere europäischen Werte verteidigen müssten.³³ Kaltenbrunner habe ein deutliches Lob über die christlichen Waffengänge gegen Muslime in früheren Jahrhunderten ausgesprochen, so Martin Ramstedt, Anthropologe und Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union.³³

Eine gewalttätige Einstellung gegenüber Muslimen scheint direkt von Nydahl befördert zu werden. Passend zur Aufforderung Learn how to shoot (Lerne zu schießen), fanden die Reporter der Augsburger Allgemeinen heraus, dass mehrere im Europazentrum verkehrende Oberallgäuer auch Mitglied im Immenstädter Schützenverein sind, einige von ihnen eine Waffenbesitzkarte besitzen und somit auch Waffen zuhause lagern können.³²

Die Inhalte der in der Augsburger Allgemeinen auf Seite 3 veröffentlichte Recherche der Journalisten Peter Januschke und Bastian Hörmann lösen überparteiliches »Entsetzen« und Kritik bei Lokalpolitikern im Allgäu aus. Die Staatsanwaltschaft Kempten leitet auf Basis der Recherche Vorermittlungen gegen Ole Nydahl ein. Sie »überprüft nun die Aussagen auf den Tatbestand der Volksverhetzung« berichtet der Bayrische Rundfunk. Nydahl »soll wiederholt gegen den Islam gehetzt und rechte politische Bewegungen gelobt haben.«³⁴

Ehemalige Schüler von Nydahl berichten, dass mangelnde Kritik von Seiten seiner Schüler gegenüber seinem Verhalten darauf zurückzuführen sei, dass Schülern suggeriert werde, der Fehler liege nicht beim Lehrer sondern beim Schüler.³² Die mögliche Auswirkung der Anti-Islam Propaganda auf seine Schüler beschreibt die ehemalige Nydahl Schülerin Stephanie Mörchen wie folgt:

Es ist wie Gift, das sich im Kopf und im Herz festsetzt. Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die dafür empfänglich war. Vielleicht gibt es Leute, die differenzieren können, ich konnte das nicht, nie. Auch mein Umfeld hatte genauso Angst wie ich.³⁵

Als Reaktion auf diese Entwicklungen zitiert der BDD in einer Stellungnahme Ole Nydahl mit den Worten: »Als Buddhist kann man nicht anders als ein ehrlicher Humanist zu sein. Man darf kritisieren, aber das Gewaltmonopol in Deutschland wie auch in Dänemark hat nur der Staat. Es genügt völlig, wenn sich alle, die hier leben, gleich welcher Religion, an die geltenden Gesetze halten. Natürlich will ich als Lama keine Gewalt und meine tüchtigen Schüler und Freunde sollen einfach meditieren lernen.« Aktiv die über Jahrzehnte von Ole Nydahl getroffenen, verunglimpfenden Aussagen über Muslime leugnend, folgt der BDD seiner bewährten Kommunikationsstrategie und versucht die Tatsachen mittels eines eigenen Versuchs der Differenzierung zuzudecken, statt sich nun endlich von den pauschalisierenden Äußerungen Ole Nydahls zu distanzieren: »So steht es jedem Bürger in Demokratien frei, auf Menschenrechtsverletzungen durch die Scharia sowie auf die Unterdrückung der Frau im Islam hinzuweisen und Gewalt im politischen Islam zu kritisieren. Dies gilt selbstverständlich auch für einen buddhistischen Lehrer oder Buddhisten. Wir finden es also nachvollziehbar, wenn Lama Ole Nydahl am Rande einer seiner Vorträge sich dementsprechend äußert. Dies steht in keiner Hinsicht im Gegensatz zu den buddhistischen Werten, die Lama Ole Nydahl seit mehr als 40 Jahren vermittelt. Auch eine vergleichende Bewertung totalitärer Systeme liegt innerhalb der freien Meinungsäußerung.« Auch das Europazentrum entschließt sich zu Schadensbegrenzung und lädt in einem Offenen Brief für Ende September die Allgäuer auf das Gut Hochreute ein, um sich »im persönlichen Gespräch besser kennenzulernen.« (Auf die Einladung gibt es am Ende wenig Resonanz.)

Die Augsburger Allgemeine berichtet am 10.08.2018, dass SoGen Ralf Boeck, Einzelmitglied der DBU und früheres Ratsmitglied der DBU, den Rat der DBU aufforderte, jetzt über einen Ausschluss des Diamantwegs wegen der islamfeindlichen Äußerungen Nydahls zu beraten. Martin Hage vom DBU-Vorstand reagiert mit der Feststellung: Sollte sich herausstellen, dass die Äußerungen so gefallen sind, »wird dies [verbandspolitische] Konsequenzen haben.« Weiter heißt es im Artikel von Peter Januschke, dass auf Anfrage seiner Redaktion der 2. DBU-Vorsitzende, Martin Hage, gesagt habe: »Es ist mit den Grundsätzen der buddhistischen Ethik, insbesondere mit denen der heilsamen Rede, unvereinbar, Angehörige einer anderen Religion pauschal herabzusetzen, sie zu diffamieren, zu Hass und Ablehnung oder gar zu Gewalt aufzurufen.« (Siehe auch: Stellungnahme des Rates der DBU, 08/2018)

Das erste mal erwähnt eine Zeitung die Beziehung Nicolai Sennels (Mitbegründer von Pegida Dänemark) mit Ole Nydahl. In einem anonymen Erfahrungsbericht, der den Räten der DBU und einigen Delegierten vorliegt, erfuhren diese bereits, dass Ole Nydahl Sennels im Jahr 2007 aufgefordert haben soll, in seinem spanischen Zentrum Karma Gön Vorträge zu den Gefahren des Islam zu halten. Die Allgäuer Allgemeine berichtet nun, dass der buddhistische Lehrer Raimund Hopf – der im Allgäu aufwuchs, in Hamburg lebt und lange beim Diamantweg war – sagte: Sennels habe »als buddhistischer Reiselehrer für Ole Nydahl auf dessen Wunsch bei einem Meditationskurs einen Vortrag gehalten und zu aktivem Widerstand gegen den Islam aufgerufen.« Laut einem Journalisten des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, sei Sennels ein Schüler von Ole Nydahl. Auf der Website www.snaphanen.dk kann man in Bild Nr. 15 Ole Nydahl (2.v.l.) zusammen mit Rechtspopulisten wie Lars Hedegaard (3.v.l.), Geert Wilders (4.v.l.) und eben Nicolai Sennels (hinter Wilders, blaues Hemd) sehen. Laut einem BDD Schreiben sei Ole Nydahl »mit seinem dänischen Landsmann Lars Hedegaard« »seit langem befreundet«. (BDD Schreiben und Analyse desselben hier…)

Sonntagabend, den 12.08.18, am Abschlusstag des Sommerkurses im Europazentrum des Diamantwegs mit rund 3500 Teilnehmern, protestierten 100 Oberallgäuer mit einer Mahnwache in Immenstadt »gegen islamfeindliche und rechtspopulistische Aussagen des geistigen Führers des Diamantweg-Buddhismus, Lama Ole Nydahl«, berichtet das Allgäuer Anzeigeblatt (PDF). Ein Plakat fordert »Ja zum Buddhismus – Nein zum Rechtspopulismus«. Die Grünen-Kreissprecherin Christina Mader, die die Veranstaltung mitorganisiert hatte, fordert: »Wir wollen einen Buddhismus, der nicht gegen den Islam hetzt«. Zur Mahnwache kamen Politiker fast aller Parteien und Kirchenvertreter. Stadtrat Eberhardt Fetzer (CSU) aus Immenstadt nennt Nydahls Aussagen »rechtsradikal«. In einer Kolumne zu diesem Artikel kritisiert Peter Januschke die Stellungnahme der Stadt Immenstadt, die »sich wie ein Weichspüler« anhöre. Er begrüßt die Mahnwache als »ein gesellschaftliches Zeichen gegen Auswüchse des Diamantweg-Buddhismus«.

Mitte September 2018 stellt die Staatsanwaltschaft Kempten die Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gegen Ole Nydahl ein. Laut Pressesprecher Bernhard Menzel stuft die Staatsanwaltschaft seine Äußerungen als von der Meinungsfreiheit gedeckt ein.³⁶ Während Immenstädter Stadträte die islamfeindlichen Äußerungen Nydahls kritisieren – CSU Fraktionschef Thomas Wurmbäck sieht »verfassungsfeindliche Tendenzen« – verteidigt die buddhistische Gemeinschaft des Europazentrums Ole Nydahls Aussagen zum Islam in einem offenen Brief. Die Äußerungen stünden nicht im Gegensatz zu buddhistischen Werten und seien im Einklang mit den Werten von Demokratie und Meinungsfreiheit. Dass die Diamantweg-Gemeinschaft sich nicht von Ole Nydahls islamfeindlichen Äußerungen distanziert, stößt bei den Immenstädter Stadträten auf Kritik. Bürgermeister Armin Schaupp betont: »Wir haben hier in Immenstadt mit allen Religionen ein sehr gutes Miteinander.« Dies lasse man sich nicht durch Ole Nydahl kaputt machen.³⁷

In einer »Stellungnahme zu meinen islamkritischen Äußerungen« vom 15.10.18 spricht Nydahl von »sinnverfälschte(n), angebliche(n) Äußerungen« »in verschiedenen Presseberichten, insbesondere in der Tageszeitung ›Augsburger Allgemeine‹«. Nydahl schreibt, er habe gesagt:

»If you want information for the greatest challenge of our generation, right, others had Hitler and Stalin, we have Islam, right. I mean it’s the same thing, there is always somebody coming up and making a lot of trouble and giving us the chance to develop our force, our clarity, learning to work together …«

Gegen die Zitierung, »Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.«, der Augsburger Allgemeinen geht Ole Nydahl juristisch via Unterlassung vor.

Die Übersetzung der Augsburger Allgemeinen und die im Statement von Nydahl wiedergegebene wörtliche Rede in Englisch sind fast wortgleich:

»… others had Hitler and Stalin, we have Islam, right. I mean it’s the same thing …«

»Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.«

Nydahl wirft dem Journalisten vor, er habe einen »verkürzten deutschen skandalgeeigneten Satz kreiert und als Zitat gekennzeichnet.« Den zitierten Satz, »Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.« habe Ole Nydahl »nicht gesagt«. Er fügt an: »Ich habe erklärt, dass sich andere Generationen u.a. den Herausforderungen eines Hitler oder Stalin stellen mussten und die größte weltweite Herausforderung unserer Generation meiner Meinung nach der Islam ist. Und damit meine ich den politischen Islam.« (Zum Begriff des »politischen Islam« siehe das Interview mit Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer, »Hier wird ein Monster kreiert«.)

Auch wenn Nydahl Hitler, Stalin und Islam nicht direkt auf der Ebene der Gewalt vergleicht, sondern auf der Ebene der Herausforderung, stellt er meines Erachtens die brutal-mörderische Nazi-Diktatur Adolf Hitlers, die zu über 50 Millionen Toten und dem Holocaust führte und den brutal-mörderischen Stalinismus, dessen »Säuberungen« je nach Zählung zu 4 - 20 Millionen Toten führten, mit dem Islam indirekt gleich. Vom »politischen Islam« gehen aber weder Holocaust, Weltkrieg noch Säuberungen wie bei Stalin aus. Auch wenn es sehr wohl gravierend-brutalen Terror durch islamistische Extremisten gibt, der Islam oder Muslime allgemein stellen nicht in gleichem Maße eine solche »Herausforderung« bzw. eine derartige Bedrohung dar.

Die Immenstädter Stadträte einigen sich im September 2018 darauf, Vertreter des Diamantweg-Zentrums in den Hauptausschuss des Stadtrates zu einer öffentlichen Sitzung einzuladen, damit diese ihren Standpunkt zu Nydahls Äußerungen darlegen. Am 22.09.18 kommt es zudem zu einem nicht-öffentlichen Gespräch einiger Stadträte mit Vertretern des Diamantweg-Zentrums. Beim Treffen im Hauptausschuss am 17.10.19 äußern die Stadträte dann, überparteilich, deutliche Kritik an Aussagen Nydahls, die er beim Sommerkurs 2018 in Immenstadt tätigte. So wie Nydahl formuliert habe, sagt der Immenstädter Stadtrat und 2. Bürgermeister Herbert Waibel, »werden alle Muslime in Haftung genommen für das, was extremistische Gruppen tun.« Der Bürgermeister von Immenstadt, Armin Schaupp findet: »Das geht überhaupt nicht, eine ganze Gruppe unter Generalverdacht zu stellen.« Zudem wird bedauert, dass sich die Vertreter des Diamantweg-Zentrums nicht von Nydahls Aussagen distanzieren sondern »relativieren«; das Gefühl entstehe »die Sache soll nur unter den Teppich gekehrt werden«. Der Sprecher des Diamantweg-Zentrums, Philip Leube, sieht hingegen keinen Anlass, sich von Aussagen Ole Nydahls zu distanzieren. Er wehrt sich dagegen »in eine Ecke gestellt [zu werden], in die wir nicht hingehören.« Sie hätten keine rechtsradikalen Einstellungen und Ole Nydahl sei halt ein »kerniger Typ«. Im Zentrum gelte Meinungsfreiheit, allerdings, hätten Hetze, Rassismus und Rechtsradikalismus im Buddhistischen Zentrum (Europe Centre) auf Gut Hochreute keinen Platz.

Die Behauptung Nydahls in dieser Stellungnahme vom 15.10.18, »Meine islamkritischen Aussagen sind dabei nie pauschal gegen alle Muslime oder die Religion als Ganzes gerichtet«, ist so nicht richtig. Denn Aussagen, die Nydahl getroffen hat, wie z.B. »Wir … sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen«²⁶, »Muslime schneiden Frauen im Namen des Islam den Kitzler ab«, »Islam is a cancer in society«, »Wir mögen die Muslims überhaupt nicht«, sind sehr wohl pauschal gegen alle Muslime gerichtet. Bezeichnend ist natürlich, dass sich Nydahls sogenannte »Islam-Kritik« einseitig nur gegen den Islam und gegen Muslime richtet. Die Gewalt von Buddhisten in Myanmar gegen Muslime hingegen, verurteilt Nydahl auch auf Nachfrage nicht sondern unterstellt, sie sei von den Muslimen »kräftig inszeniert«. Obzwar es viel mehr Gewalt durch Rechtsextreme in den USA und Deutschland gibt als durch Islamisten, und die Gefährdung durch Rechtsextreme viel größer als durch Islamisten ist, zeigt sich Nydahl nicht ansatzweise gleichermaßen besorgt über Gewalt, die von Rechtsextremen oder anderen extremistischen Gruppen ausgeht. Ehrliche Kritiker wollen mit Kritik verbessern und verzerren die Tatsachen nicht mit falschen und pauschalisierenden Behauptungen. Die Sichtweisen und Sprache von Ideologen mit einer Anti-Agenda hingegen, wurzeln in Feindseligkeit oder Hass. Sie führen letztlich zu völliger Ablehnung, gehen mit einer Unfähigkeit zur Differenzierung einher; sie spalten und schüren Ressentiments und Ängste.

Nydahl schreibt am Ende dieser Stellungnahme: »Meine eigenen Lehrer haben mir nie vorgeschrieben, was ich politisch zu denken habe. Und auch meine Schüler sollen sich in eigener Verantwortung ihre eigene Meinung bilden, wir sind freie Menschen in einem freien Land und ich wünsche mir sehr, dass dies auch für folgende Generationen so bleibt.« Was Nydahl übersieht – oder übersehen will: keiner schreibt Nydahl oder seinen Anhängern vor, wie sie zu denken haben. Verunglimpfende, pauschale oder unwahre Behauptungen zurückzuweisen oder zu kritisieren, ist Teil gelebter Demokratie. Berechtigte, faktenbasierte Kritik gegenüber religiösen Führern, die Ressentiments bedienen oder schüren, die Sichtweisen verbreiten, die in Feindbildern wurzeln oder diese nähren oder geeignet sind Hass, Unfrieden und gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben, sind keine Bevormundung sondern ein notwendiger Teil gesellschaftlicher Hygiene und demokratischer Auseinandersetzungen. Wer zudem seinen Schülern die Werke eines bekannten Anti-Islam Hardliners, Bill Warner, zur ›Aufklärung‹ oder die AfD zur Wahl³¹ empfiehlt und Personen wie Pegida-Dänemark Mitbegründer Nicolai Sennels bittet, über ›den Islam‹ in Diamantweg-Zentren ›aufzuklären‹, der unterstützt nicht die freie Meinungsbildung sondern nimmt auf die Meinung seiner Schülerinnen aktiven und einseitigen – wenn nicht indoktrinierenden – Einfluss. Das zeigt sich dann auch in Berichten ehemaliger, kritischer Schülerinnen. Wie bereits zitiert, so schreibt eine Ex-Schülerin von Nydahl, Karma Dechen Llamo, in einem Blog-Beitrag: »Praktisch in jedem seiner Vorträge bringt er seine Islamophobie unter und solidarisiert sich, und damit die Sangha, mit rechtspopulistischen Bewegungen.« Eine andere Schülerin, Stephanie Mörchen, beschreibt in einem Blog-Beitrag, wie sie auf Basis der durch Nydahl und seinen Anhängern verbreiteten Ansichten über Muslime immer mehr Ängste gegenüber Muslimen entwickelte, ja paranoid wurde, und wie sie sich mühsam, alleine, wieder von den erlernten Feindbildern befreien musste.

In einem Offenen Brief der Kirchen kritisieren Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Immenstadt Nydahls Aussagen – die er beim Sommerkurs 2018 im Europa Zentrum des Diamantwegs in Immenstadt zum Islam gab – »als nicht mit einem friedlichen und toleranten Buddhismus vereinbar.«

Die SPD und Die Grünen aus Immenstadt rufen den Rat der DBU zum Ausschluss des BDD aus der DBU auf.

Der Rat der DBU versendet am 25.10.2018 eine Mitteilung, Nr. 11-2018, an die Mitglieder der Buddhistischen Gemeinschaft in der DBU und an die Mitgliedsgemeinschaften und Delegierten, in der der Rat der DBU auf »eine Auseinandersetzung innerhalb der DBU im Zusammenhang mit umstrittenen Äußerungen von Lama Ole Nydahl zum Islam und zu muslimischen Migranten« aufmerksam macht. Ziel des Rates der DBU sei es »eine Distanzierung des BDD von den Äußerungen ihres Lehrers zu erreichen.« Dabei wolle man den »Konflikt nicht hinter den Kulissen austragen, sondern jedem Mitglied die Möglichkeit geben, sich ein Bild zu machen oder eine eigene Meinung zu äußern.« Der Mitteilung sind die Aufforderung des Rates zur Distanzierung an den BDD, das Antwortschreiben des BDD und eine Erklärung von Ole Nydahl beigefügt. In Erwiderung auf das Antwortschreiben des BDD postet einer der drei Delegierten der Einzelmitglieder der DBU, Frank Hendrik Hortz, auf seinem Blog im November 2018 eine »Zitatesammlung – Nydahl und der Islam« sowie »Eine längst überfällige Richtigstellung«.

Aus der Schweiz und bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Diamantweg und der Schweizerischen Buddhistischen Union (SBU) liegen mir keine kritischen Informationen vor.

Ole Nydahl wird zu den erfolgreichsten buddhistischen Lehrern in Europa gezählt.¹⁷ Religionswissenschaftler Martin Baumann bezeichnet seine unermüdlichen Aktivitäten im Aufbau von buddhistischen [Diamantweg] Zentren in Europa und den USA als »zweifellos eine Pionierleistung«.¹⁷

Trotz des offensichtlichen Erfolgs Ole Nydahls in bisher mit dem Buddhismus kaum vertrauten Ländern, wie dem christlich geprägten Europa, spielt Ole Nydahl in der tibetisch-buddhistischen Exilgemeinde oder buddhistisch geprägten und mit dem Buddhismus erfahrenen Ländern so gut wie überhaupt keine Rolle. Sein Erfolg bleibt nach Ansicht des Autors also an erster Stelle ein westliches Phänomen.

Meiner Meinung nach offenbart sich – bei genauerer Betrachtung und Analyse der Entwicklungen, Hintergründe, Internetauftritte und Handlungen rund um Ole Nydahl und dem Diamantweg – ein Alleinvertretungsanspruch für den Buddhismus (speziell die Karma Kagyü Tradition) sowie eine Tendenz zur Spaltung und zum aktiven Schüren von Feindseligkeit (bis Hass), die für mich als Buddhisten nicht mit den Lehren des Buddha in Einklang zu bringen und äußerst fragwürdig sind.

Herbert Rusche sieht das wie folgt:

Ein eigentlich ganz netter und origineller Mensch ist der Däne Ole Nydahl […] als Anfang der 80er Jahre sein wichtigster buddhistischer Lehrer starb und die Suche nach dessen Nachfolger einsetzte, begann Ole sich mehr und mehr als ›Lama‹ zu sehen. Er behauptete, sein jüngst verstorbener Lehrer Karmapa hätte ihn zum Lama ernannt. Kenner des tibetischen Buddhismus wissen, dass Lama kein Titel ist, der verliehen wird. Es ist eine Bezeichnung für Menschen, die eine lange und intensive Praxis und Ausbildung hinter sich haben. […] Als in den späten 80er und frühen 90er Jahren der Nachfolger des 16. Karmapa bestimmt werden sollte, ließ sich Ole Nydahl darauf ein […] und ließ sich damit für innertibetische Politik und Ränkespiele einspannen […]¹¹

Rusche resümiert:

Nach meiner Meinung, wurde auf diese Weise ein interessanter und in Teilen liebenswerter Buddhist zu einem fragwürdigen Sektierer und Spalter, der sein buddhistisches Know How nicht dazu nutzt anderen Menschen zu helfen, sondern sich selbst und seine Gruppierung wichtig zu machen.¹¹

Ganz im Gegensatz dazu, sieht Shamar Rinpoche Ole Nydahl als einen »Buddhistischen Meister«, der »den Segen und die Lehren der Kagyü Linie überträgt« (1983)¹⁸ und stellt klar, dass es für Ole Nydahl »völlig angemessen« sei »den Titel eines Lamas zu halten.« (2006)¹⁹

Im Juli 2010 unternimmt Shamar Rinpoche einen kurzen Versuch, sich öffentlich von Ole Nydahl zu distanzieren. In einem Newsletter, der auch auf seiner offiziellen Webseite veröffentlicht wird, legt er seine kritische Sicht zu Ole Nydahl dar. Im Wesentlichen behauptet die Stellungnahme, dass nach Ansicht Shamarpas Nydahl sexuelles Tantra lehren würde bzw. Sex als Herz der Vajrayana Praxis ansehen würde und dies ein großes Missverständnis sei. Shamar Rinpoche fügt an, er unterstütze Ole Nydahl, weil Nydahl eine Verbindung mit dem XVI. Karmapa gehabt habe und ein Kagyü Praktizierender sei. Dies sei die Basis seiner Verbindung mit ihm.²⁰ Nydahl widerspricht der Behauptung, er würde Lehren über Sex, Sexualität oder sexuelles Tantra lehren. Shamar Rinpoche nimmt diese Behauptungen später weitgehend zurück.²⁰

Lama Ole Nydahl Phowa Kurs© privat | Ole Nydahl | Phowa Kurs 1993

Sexuelle Beziehungen mit Schülerinnen zu unterhalten, ist für Ole Nydahl unproblematisch. Nydahl kommentiert solche Beziehungen wie folgt: »Dabei ist keine Lehrer-Schüler-Beziehung involviert. Sie sind Diamantweg Buddhisten, aber sie sind in diesem Moment nicht meine Studenten. Sie sind gleichwertige Partner.«²⁰ Der Ansicht, Lehrer und Schüler seien gleichwertig bei sexuellen Aktivitäten, widerspricht u.a. Peter Riedl. Riedl verweist zudem auf den Umstand, dass es »laut Zeugenaussagen« vorkommen würde, »dass diese Frauen und deren Partner darunter leiden und damit nicht fertig werden.«³⁸

Im August 2018 äußert sich Jigme Rinpoche – ein Bruder Shamar Rinpoches, Generalsekretär des von Shamarpa und Nydahl unterstützten Karmapa Kandidaten Thinley Thaye Dorje sowie spiritueller Beirat des Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD e.V.) – resigniert: der BDD / Nydahl höre sowieso nicht auf ihn.²⁰ª

Ole Nydahls Anhänger weisen Kritik in der Regel damit zurück, dass sie Nydahl als einen ›Yogi‹²¹ porträtieren, was für sie impliziert, sein Verhalten unterliege nicht den Maßstäben konventioneller Realitäten und Wertungen. Auch Ole Nydahl scheint sich selbst als ›Yogi‹ zu sehen. In Erwiderung auf die Kritik, seine Lehren seien oberflächlich, soll er gesagt haben: »Gelehrte Menschen machen einfache Dinge kompliziert und Yogis machen komplizierte Dinge einfach.«²² »Keine Durchdringung« (no pervasion) würde der Gelehrte Ole Nydahl in der spirituellen Debatte antworten, absurderweise wäre dann nämlich auch George W. Bush ein ›Yogi‹, da er komplizierte Dinge einfach macht (z.B. mit der »Achse des Bösen«).

Seit 1980 behauptet Ole Nydahl eine Emanation des (erleuchteten) tibetisch-buddhistischen Dharmabeschützers Mahakala zu sein.²³ Auch erhebt er den Anspruch, ein Meister im Sinne der »verrückten Weisheit« zu sein.²³ª Mittels solcher hagiographischer Narrative kann Nydahl frühere Handlungen, die er als junger, gewalttätiger Mann beging, rechtfertigen (»Die Leute vergessen immer: Ole war keine wirklich nette Person zu dieser Zeit.«²³ ) und gegenwärtige kontroverse Handlungen kann er durch die Verbreitung solcher Legenden der kritischen Prüfung entziehen.

Gemäß Dokumenten auf der offiziellen Nydahl Website, beschreibt der 16. Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje, Ole und Hannah Nydahl als »tief aufrichtig in ihrer Suche nach der Wahrheit«. Zuerst beauftragt er sie mit der Gründung eines (buddhistischen) Zentrums / Meditationszentrums in Dänemark. Dann ernennt er sie zu Direktor und Stellvertreterin der Zentren der Karma Drub Djyling Association und autorisiert sie als Instruktoren für diejenigen, die sich neu dem Buddhismus zuwenden sowie zur Gründung weiterer Zentren. In einem dritten Brief ernennt der 16. Karmapa sie zu Lehrern der grundsätzlichen Lehren über Ethik und den Weg des Buddha. Weiterhin gibt er ihnen im dritten Schreiben die Erlaubnis – bei Abwesenheit qualifizierter Lamas – die Zufluchts- und Bodhisattvagelübde zu geben. In keinem der drei Briefe bezeichnet der 16. Karmapa Ole Nydahl als qualifizierten Lama oder ernennt ihn zu einem qualifizierten Lama.

16. Karmapa + Lama Ole und Hannah Nydahl

© Diamond Way Buddhism | 16. Karmapa, Ole & Hannah Nydahl
(CC BY-NC-SA 2.0)

Der amerikanische Tibetologe Matthew T. Kapstein, schreibt über Nydahl:

Ole hat eine echte Beziehung zur Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus, also ist er kein wirklicher Scharlatan. Er hat jedoch seine eigene Interpretation und seinen eigenen Stil, die nicht mit der traditionellen Praxis der Kagyü [Tradition] übereinstimmen. (Orso)

Der französische Tibetologe Thierry Dodin äußert sich 2017 in Interviews gegenüber dem Deutschlandfunk und dem Bayrischen Rundfunk wie folgt zu Nydahl:

In der Zeit, wo er den alten Karmapa kennengelernt hat, gehörte er zu den Pionieren, den ersten Kontakten, die tibetische Meister mit Westlern hatten. Da war natürlich die Aufforderung, zurückzugehen nach Hause und den Buddhismus weiter zu verbreiten, eine normale Sache. Das hieß natürlich nicht, dass Ole Nydahl damit offiziell beauftragt wurde, in derselben Art und Weise wie ein qualifizierter Lama ein Zentrum aufzumachen im Namen des Karmapa. (DLF)

In Bezug auf die »Diamantweg Buddhismus«-Bewegung kritisiert der Tibetologe, dass es nur um Spaß ginge und bemängelt außerdem fehlende Tiefe:

In den offiziellen buddhistischen Zentren von Gelugpa, Sakyapa, Kagyüpa und Nyingmapa hat sich alles in Richtung Professionalisierung entwickelt. In gut informierte Diskussion über den Buddhismus, seinen Sinn, was Kultur ist und was überkulturell ist. Sowas sehe ich bei Ole Nydahl nicht, es fehlt einfach die Tiefe. (BR)

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Referenzen 2 (Fortsetzung)

9 Freiberger, Oliver. 2001: »Inter-Buddhist and inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30. http://www.globalbuddhism.org/2/freiberger011.pdf (PDF)

10 Für die Karmapa-Domains, wie z.B. karmapa.org., karmapa.de oder karmapa.cz, zeichnete sich 2001 durchweg der BBD e.V. verantwortlich (siehe z.B. copyrights Archive 2001) und Ole Nydahl war mit Bildern und Artikeln auf den Seiten präsentiert. Hier hat sich ein Wandel vollzogen. Die Geschichte der Webseitenänderungen kann man über das Internetarchiv Internet Archive nachvollziehen.

10a »Erleuchtung.de: Verirrungen im Internet«, Gelongma Jampa Tsedroen (Carola Roloff), in Tibet und Buddhismus / Heft 57 / April-Mai-Juni 2001, S. 28

11 Herbert Rusche in »Buddhismus auf Abwegen«, http://www.herbertrusche.de/00000092cf0fb2b03/
24a6bc96db0dcdc01.html (WebArchive, 2014)

11a Franz Johannes Litsch (ehemaliges DBU Ratsmitglied) in einer ausführlichen Email an Tenzin Peljor, 9. Oktober 2017. Zwischen den beiden Ausschluss-Debatten 1997 und 2000 gab es auch ein direktes Gespräch des DBU-Rates mit Ole Nydahl in Hamburg in dem er Besserung versprach. Da dieses Versprechen von Ole Nydahl nicht eingehalten wurde, folgte eine 2. Debatte zum Ausschluss des Diamentweges aus der DBU im Jahr 2000.

¹¹* »Offener Brief zur Lage der DBU«, SoGen Ralf Boeck, 02.05.2013, versandt per Email.

Auf Nachfrage führte SoGen Ralf Boeck Nachfolgendes aus (Email vom 17. Juni 2013, Zitat mit freundlicher Erlaubnis):

Ich habe lange Zeit die Position vertreten, dass es sinnvoller ist, den ›Buddhistischen Dachverband Diamantweg‹ (BDD) in die DBU einzubinden, statt ihn auszugrenzen; vor allem im Hinblick auf eine Zeit ›nach Ole Nydahl‹, dessen kontroverse öffentlichen Äußerungen sicherlich nie mit den Auffassungen deutscher Buddhisten, die nicht dem BDD angehören, in Übereinstimmung zu bringen sein werden. Ich habe daher jahrelang in der DBU für eine in Hinsicht der Mitgliederzahl des BDD angemessene Repräsentanz des BDD im Rat geworben, auch ein Stück ›Wahlkampf‹ für den BDD betrieben. Meine Haltung im Rat der DBU war die, zwischen der von mir seit jeher als problematisch eingeschätzten Person Ole Nydahls und der Organisation BDD bzw. deren Mitgliedern zu differenzieren. Dabei auch bedenkliche Züge, wie die vor allem bei den Internetauftritten des BDD feststellbare systematische Tendenz, eigene Interpretationen der buddhistischen Lehre als maßgeblich, als ›den Buddhismus‹, darzustellen und offensiv missionierend mit dem Anpruch, wenn nicht die einzig richtige, so doch die höchste, beste Sichtweise zu vertreten, als ›Kinderkrankheit‹ zu tolerieren. Ich war bereit, ohne Vorbehalte mit dem BDD im Vertrauen auf eine gemeinsame Vision von der DBU als Vertretung eines Buddhismus, der in der westlichen Welt ›angekommen‹ ist, zusammenzuarbeiten.

Nach den Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre musste ich von dieser Position leider abrücken. Nach meiner jetzigen Auffassung stellt die Mitgliedschaft des BDD in der DBU nicht nur ein Problem für die Wahrnehmung der DBU durch die Öffentlichkeit dar, also ein ›Imageproblem‹. Dies wäre nach meiner Auffassung bei einer Verfolgung gemeinsamer Ziele durchaus erträglich. Ich bin jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass der BDD darüber hinaus in Hinsicht der Weiterentwicklung des traditionsübergreifenden Ansatzes der DBU als »der Gemeinschaft der Buddhisten in Deutschland« (Satzung der DBU), über die der Buddhismus mit einer gemeinsamen Stimme in einen förderlichen Dialog mit der Gesellschaft eintritt, eine bewusst destruktive Rolle spielt. Als Ziel der DBU-Politik des BDD zeichnet sich für mich ab, die DBU von einem Dachverband, der sich die Einheit und das gemeinsame gesellschaftliche Agieren aller Buddhisten Deutschlands zur Aufgabe gemacht hat, zu einem bloßen lockeren Interessenbündnis zurückzubauen, in dem vor allem partikulare Gruppeninteressen durchgesetzt werden können und sollen. Der Geist der »Einheit in der Vielfalt« – Grundvoraussetzung für die gedeihliche Zusammenarbeit in einem Dachverband – herrscht dort nach meiner Analyse nicht, sondern vielmehr das Bestreben, die DBU gezielt von innen heraus zu marginalisieren, weil sie einer Dominanz des BDD in der öffentlichen Wahrnehmung des Buddhismus in Deutschland im Weg steht.

Siehe auch: »DBU revisited: ein notwendig subjektiver Bericht von der Mitgliederversammlung der DBU 2018« – SoGen Ralf Boeck

12 Stand 05.02.2008: In Bezug auf Informationen zum Buddhismus wird entweder auf die zum Diamantweg gehörende Seite www.buddhismus.de oder auf die Diamantweg-Seite www.diamondway-buddhism.org und die Diamantweg Zeitschrift Buddhimus Heute verwiesen. Der einzige externe Link zu einer Nicht-Diamantweg-Seite, ist der zum Bildungsserver. Dieser listet dann an erster Stelle die eigene Seite http://www.buddhismus-schule.de.

13 Stellungnahme des Karma Kagyü Verbandes (KKV), Lotosblätter-Magazin, 2000

14 Ursache und Wirkung 2006, Heft Nr. 61, »Kein Interview mit Ole Nydahl«, Riedl, Peter

14a Peter Riedl via Email vom 13.11.17 an Tenzin Peljor. Mit Sangharatsbeschluß vom 3.9.1998 dürfen »Veranstaltungen Ole Nydahls nicht in der ÖBR angekündigt werden sollen (Schaukasten etc.)«.

15 siehe Buddhistischer Rundbrief Salzburg, Nr. 4/96, http://www.sbg.ac.at/budd/rundbrief/rb96'4.txt (MS-Word.doc) und Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f

15a Aus einem Schreiben von Alfred Weil, Sprecher der DBU (Deutsche Buddhistische Union), und Raimar Koloska, Schatzmeister der DBU, an die KKD (Karma Kagyü Deutschland)-Vorstände Dr. Ellen Braun und Andreas Behrens vom 11.8.1997.

16 siehe z.B. DBU Forum: http://dharma.de/dbu/forum/index.php?scheme=1&action=view&thread_id=2971#38377 oder www.Tibet.de: http://www.tibet.de/forum/archiv/tzhh.dyndns.org/tz/foren/
messagea01c.html?message_id=21483&amp;forum_id=3799

17 Baumann, Martin : 2005, Neue Luzerner Zeitung, »Eine Art Buddhismus Light?«

18 siehe Dokument 1 auf Ole Nydahls offizieller Webseite

19 siehe Dokument 3 auf Ole Nydahls offizieller Webseite

20 »An Answer to Questions Raised about Bodhi Path and Lama Ole Nydahl«, Juli 2010. Der Artikel wurde nach einem Schriftwechsel zwischen Nydahl und Shamarpa wieder gelöscht; Kopie des Artikels und weitere Reaktionen: Word-Datei | PDF-Datei. (Diese Datei enthält einen weiteren Newsletter »No.56/10« von Künzig Shamar Rinpoche, der vom Diamantweg verbreitet wurde.)
Siehe auch: Latest news from the 28th of June 2012: Read at the end of this paper about Shamar Rinpoche’s letter of recommendation to Lama Ole Nydahl

Zu sexuellen Beziehungen Ole Nydahls mit Schülerinnen des Diamantwegs siehe: Joe Orso: Lama Ole: Buddhist teacher or charlatan?, via http://lacrossetribune.com/news/local/article_bc6ed916-d197-11de-85b7-001cc4c002e0.html, 15.11.2009. Laut Schweizer Sonntagszeitung vom 29.04.2001 behauptet Ole Nydahl im Schweizer Fernsehsender »Tele 24« bei Roger Schawinski, er habe 500 Frauen im Bett gehabt, via http://zinto.freehostyou.com/olenydahl/index.html.

Ole Nydahl nahm sich neben Hannah Nydahl, geboren 1946 in Kopenhagen, auch eine jüngere Zweitfrau, Cathy Hartung, geboren 1965 in Solingen. Der Film »Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit« klammert diese Fakten völlig aus und liefert eine völlig verklärende Version der Beziehung zwischen Ole Nydahl und seiner Frau Hannah Nydahl.

In »Fragen an den Lama« antwortet Nydahl auf die Frage »Ist der Entwicklungsweg zur Erleuchtung für Frauen und Männer gleich?« u.a.:

»Wenn man den gesamten Weg sieht, ist es so, dass Frauen den leichteren Einstieg haben, da die meisten Lehrer heute Männer sind. Das muss aber in Zukunft nicht mehr so sein. Heute können sich die Frauen in den Lehrer verlieben und dadurch, dass sie dann völlig auf ihn ausgerichtet sind, viel aufnehmen und sich schnell entwickeln. Männer dagegen müssen zunächst den anderen genau prüfen. Da ist immer ein bisschen Konkurrenz dabei. Daher ist es für Männer am Anfang schwieriger. Außerdem haben die Frauen aufgrund ihrer gebenden, weichen Art einen Vorteil, während Männer häufig Aggressionen zeigen und andere schützen müssen.  Zu irgendeiner Zeit sind bei den Frauen allerdings immer noch ganz feine Anhaftungen geblieben  – vielleicht an Mann, Kind; Familie etc. Der Mann, der immer ein bisschen Kind bleibt, immer spielerisch bleibt, kommt daher am Ende gut durch, da er besser loslassen kann.«

Chögyam Trungpa Rinpoche warnte seine Schüler u.a. in der Form von Steckbriefen mit Fotos von Nydahl vor Ole Nydahl als buddhistischem Lehrer. Trungpas Regent Ösel Tenzin—der wie Trungoa nicht unumstritten ist—schrieb in einem Brief:

The Vajracarya [Chögyam Trungpa] has instructed me to tell you that Mr Nhydahl is not welcome in any of our centers in the role of a teacher. The Vajracarya feels very strongly that there is some real perversion of the Buddhadharma taking place by Mr Nhydahl and a definite perversion of His Holiness Karmapa's intentions and wishes. As we know, because of the power of the vajrayana teachings there are many warnings concerning the breaking of samaya and possibilities of Rudrahood. There have been instances in the past where students, out of confusion, have misused these precious teachings to create a personal fortress of charlatanism and egohood. This appears to be the case with Mr Nhydahl.Ole Nydahl, „Riding the Tiger - twenty years on the road : risks and joys of bringing Tibetan Buddhism to the West“, S. 253

In Bezug auf eine tatsächliche sexuelle Vereinigung im Vajrayana werden enorm hohe Ansprüche an die Qualifikation beider Vajrayana-Praktizierenden gestellt. Für eine detaillierte Erklärung siehe Fußnote 41 in Tibetischer Buddhismus. Der indische Meister Atisha (Kadam Schule) warnt Ordinierte eindringlich in seinem berühmten Text Lampe auf dem Pfad höhere tantrische Einweihungen zu nehmen, da sie sonst riskieren würden, ihre Ordensgelübde zu verlieren.

Prof. Dr. John Powers legt zum Thema tantrische Vereinigung dar:

Tantric texts stress that practice with consorts is not a form of sexual indulgence, but rather a form of controlled visualization that uses the special bliss of sexual union. It is restricted to very advanced practitioners, yogins who have gained control over the emanation of a subtle body and have awakened the mystical heat energy, or ›dumo‹ (gtum mo, candali). Those who have not advanced to this level are not qualified to practice with an actual consort; people without the necessary prerequisites who mimic tantric sexual practices thinking that they are practicing tantra are simply deluded, and may do themselves great harm. Sexual union is only appropriate to advanced levels of the stage of completion, and so those who have not developed sufficient realization and control over subtle energies are unable to generate the blissful wisdom consciousness realizing emptiness that is the basis for this practice. They may succeed in fooling others—or even themselves—but they will be utterly unable to use sexual energy in accordance with the practices of highest yoga tantra.

According to the Dalai Lama, only a person who views all the phenomena of cyclic existence with complete impartiality is qualified to engage in tantric sexual practices:

»Truthfully, you can only do such practice if there is no sexual desire whatsoever. The kind of realization that is required is like this: If someone gives you a goblet of wine and a glass of urine, or a plate of wonderful food and a piece of excrement, you must be in such a state that you can eat and drink from all four and it makes no difference to you what they are. Then maybe you can do this practice.«

When asked to name any lamas who he thought were at this level, he admitted that he could not. He mentioned that there are well-known stories of great teachers like Tilopa who had transcended all attachment to conventional thinking and so were able to engage in sexual practices without harming themselves or their students, but he added that such exceptional individuals are very rare.

John Powers, »Introduction to Tibetan Buddhism«, Snow Lion Publications, 1995, p. 252. Deutsche Übersetzung: Religion und Kultur Tibets. Das geistige Erbe eines buddhistischen Landes, O.W. Barth Verlag, 2002

20a Emails an Tenzin Peljor im August 2018. Jigme Rinpoche und der von Shamar Rinpoche unterstützte und installierte Karmapa Thinley Thaye Dorje wurden aufgefordert, auf Ole Nydahl und den BDD einzuwirken »in dem Sinne, dass die Meinungsverschiedenheiten im Dialog mit Tenzin Peljor beilegt werden und nicht über anwaltliche Schreiben, Abmahnungen oder gar Gerichtsprozesse.« In Erwiderung darauf äußerte sich Jigme Rinpoche, dass der BDD sowieso nicht auf ihn höre.

21 Interessant ist in diesem Zusammenhang die Begriffsdefinition des ›Yogi‹ im Diamantweg Nydahlscher Prägung als »traditioneller Begriff für Verwirklicher(in), Praktizierende(r) des Diamantwegs.« (Diamantweg.de) Hier wird allem Anschein nach eine sinnentstellende Umdeutung des Begriffes Yogi vorgenommen und gleichzeitig wird der Begriff Yogi – wie auch der Begriff Diamantweg – für die eigene Lehrrichtung vereinnahmt und den Gegebenheiten einer westlichen Gruppe angepasst. Die Dokumentation The Yogis of Tibet definiert einen Yogi so:

»Ein Individuum, das Jahre im isoliertem Retreat verbracht hat und geheime selbst-transformierende physische und geistige Übungen praktizierte, und durch diese Techniken außergewöhnliche Kontrolle über Körper und Geist erlangt hat.«

Der Begriff ›Yoga‹ (tib. rnal ‘byor, naljor) bedeutet »verbinden mit dem was authentisch oder wahr ist«, das heißt die Konzentration (skt. samadhi) verbindet sich mit der Sphäre der endgültigen Realität (skt. shunyata, dt. Leerheit). Yogis (tib. naljorpa, männlich) und Yoginis (tib. naljorma, weiblich) sind entsagte spirituelle Übende, die an Nichts hängen und üblicher Weise viele oder lange meditative Rückzüge (Retreats) durchführen. Im Tibetischen Buddhismus verweist Yogi oder Yogini oft (aber nicht nur) auf tantrisch Meditierende (monastische oder nicht-monastische). Yogis und Yoginis sind im Tibetischen Buddhismus im Grunde wandernde Einsiedler, die einige Zeit in Rückzug an abgelegenen Orten verbringen und einige Zeit frei herumwandern. Beide Tätigkeiten abwechselnd leben sie ohne festen Wohnsitz. In der burmesischen Tradition bezeichnet Yogi oder Yogini Meditierene (auch nicht-monastische, also sogenannte »Laien«), die sich in intensiven Retreats üben.

Diesen Bedeutungen weicht die Erklärung des Diamantweg Nydahlscher Prägung aus und entfernt sich noch weiter von der eigentlichen Bedeutung des Begriffes Yogi, indem das geschäftige Haushälterleben als (ideale) spirituelle Lebensform gepriesen wird. Zum Haushälterleben Marpas bemerkte der in Einsamkeit lebende und verwirklichte Yogi Milarepa:

Marpa ist wie ein Löwe, und ich bin wie ein Fuchs. Wenn der Fuchs versucht, so hoch zu springen wie der Löwe, wird er sich nur das Genick brechen.Khenpo Konchog Gyaltsen »Die großen Kagyü-Meister: Die Schatzkammer der Goldenen Übertragungslinie«, Otter-Verlag

22 Oral teaching, Hamburg (Germany) December 29, 2007, Quelle: Wikipedia EN, 27/01/07

23 siehe: Scherer, Burkhard »Conversion, Devotion and (Trans-) Mission: Understanding Ole Nydahl« in »Buddhists: Understanding Buddhism Through the Lives of Practitioners«, herausgegeben von Todd Lewis, Wiley Blackwell: 2014, S.98

Ole Nydahl selbst: »I fought a lot, I’d beat up a lot of people, I liked to go out and provoke fights in the bars at night and stuff like that, I did a lot of fighting. I always fought clean, but I still hurt people, but I never kicked anybody or hit anybody when they were weak; you know I gave up in instances like that. I still, I did hurt a few: People looked like having been run over by a truck, when I was through with them, right!«, Przeźroczysty Lama - Lopon Tsechu Rinpoche polskie napisy, YouTube Video veröffentlicht am 19.12.2014, Minute 13:04, zuletzt gesichtet: 16.02.18

23a siehe: »Interview mit Lama Ole Nydahl — Verrückte Weisheit und der Stil des Verwirklichers«, http://www.buddhachannel.tv/portail/spip.php?article5533

Verrückte Weisheit‹ ist ein geschicktes Mittel hoch verwirklichter Meister, die damit tatsächlich Schüler aus festgefahrenen Mustern befreien können. Authentische Meister »verrückter Weisheit« sind jedoch extrem selten und Scharlatane im Tibetischen Buddhismus verschleiern ihr Fehlverhalten und ihre Unzulänglichkeiten gerne, indem sie vor ihren Schülern behaupten, dass ihr Fehlverhalten »verrückte Weisheit« sei. Der XIV. Dalai Lama sieht schamloses Verhalten, dass sich auf »verrückte Weisheit« beruft, in der heutigen Welt, als äußerst schädlich für den Buddhismus an und fordert auf damit Schluss zu machen. (siehe: Melong Frühling 1993)
Andere Wege der Kritikverweigerung schließen ein, Kritik als Neid auf den Erfolg Nydahls abzutun oder als normal für solch erfolgreiche Menschen wie Ole Nydahl darzustellen.

24 Stand: 28. April 2012.

25 Email von Stefan Kuzmany vom 19.03.2009 an den Verfasser dieses Artikels. Zitiert mit freundlicher Erlaubnis. Wie Stefan Kuzmany seine Eindrücke verarbeitet hat, kann man im Buch Das können Sie glauben! Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Seiten 145-185 nachlesen.

26 Zentrentreffen 2005, Protokoll, Amden / Schweiz, 29.–30.10.2005, S. 6–7:

Frage: Viele andere buddhistische Traditionen machen viele interreligiöse Projekte - wie kommentierst du das?

Ole (Zusammenfassung): Das es häufig nur eine reine Selbstdarstellung ist, sollten die, die persönlich am reifsten sind, uns bei solchen Veranstaltungen vertreten: die, die gelebt, gekämpft und geliebt haben und somit stabil sind, die Erfolg und Überschuss haben, und überzeugend sind.

Protokoll Zentrentreffen Hamburg, 30.–31. Oktober 2004, Seite 17:

Interreligiöse Projekte

Wir können teilnehmen, sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen.

27 Islamophobic Buddhist sect gets planning permission for meditation centre in Lambeth – Islamophobia Watch, gesichtet am 28.03.16

28 Asociación UNESCO para la promocion del diálogo intercultural e interreligioso en Málaga, »UNESCO-Preis an Lama Ole Nydahl verliehen«, http://lama-ole-nydahl.de/news/unesco-preisverleihung.html, gesichtet am 25. März 2015. (Siehe auch: WebArchive I, WebArchive II)

Pedro Gomez, Vorstandsmitglied dieser UNESCO-Assoziation, hat enge Beziehungen zu Ole Nydahl. Pedro Gomez und seine Frau, Dorrit Gomez, stifteten 1987 ein Grundstück aus dem später das Diamantweg-Zentrum, Karma Guen, bei Málaga in Spanien entstand. (siehe Bildbeschreibung letztes Bild auf http://lama-ole-nydahl.de/news/unesco-preisverleihung.html (WebArchive), Interview mit Peter Gomez hier…und Karma Guen PDF Magazine No. 4 May 2012)

28a »With Pedro, who is a great visionary, we have really been able to spread out very widely and do a lot of things.«, in Karma Guen PDF Magazine No. 4 May 2012

29 »Deutschlandkurs 2016 mit Lama Ole Nydahl in Kassel«, Nordhessen Rundschau, https://www.youtube.com/watch?v=jvTFBB7qW6Q&feature=youtu.be&t=18m53s, veröffentlicht am 28.03.2016, gesichtet am 04. April 2016

30 »Lama Ole Nydahl o islamie«, https://youtu.be/i4JwLt_RZrY, veröffentlicht am 03.04.2016, gesichtet am 04. April 2016 (Das Video wurde mittlerweile gelöscht und steht derzeit unter folgenden Adressen zur Verfügung: https://youtu.be/3V7bdCBW7MU und http://www.veoh.com/watch/v106659734SzD3y2SY.)
UPDATE Juli 2016: Die Buddhismus Stiftung Diamantweg erhob Copyright Anspruch gegenüber Google auf das Video unter Adresse https://youtu.be/3V7bdCBW7MU. Google sperrte daher das Video am 16. Juli 2016. Derzeit ist es nur noch via Veoh verfügbar.

31 Eigenrecherche. Bestätigung dafür liegt durch drei unabhängige Quellen vor. Auch eine eidesstattliche Versicherung über diesen Sachverhalt liegt vor.

32 Augsburger Allgemeine, 03.08.2018, »Wie ein buddhistischer Populist Tausende ins Allgäu lockt« (PDF)

33 Buddhismus Aktuell 3/2018, Martin Ramstedt, »Zu den Gerenzen von Toleranz«.
Siehe auch: Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt – Gustav Toomer

34 »Buddhisten-Prediger: Justiz prüft Islamkritik« – Bayrischer Rundfunk, unter https://www.br.de/mediathek/video/buddhisten-prediger-justiz-prueft-islamkritik-av:5b6ef2324906a50018305856 und »Umstrittener Hitlervergleich: Ermittlungen gegen islamkritischen Buddhisten aus Immenstadt« – Bayerischen Rundfunk
Die Staatsanwaltschaft Kempten teilt auf Anfrage am 9. August 2018 mit: »Die Staatsanwaltschaft Kempten hat ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet, um zu prüfen, ob Äußerungen mit strafrechtlicher Relevanz gefallen sind. Unter anderem wird zu prüfen sein, ob der Straftatbestand der Volksverhetzung verwirklicht wurde.« (Eigenrecherche)

35 Meine Zeit bei Ole Nydahl und dem Diamantweg, Stephanie Mörchen, 22.07.2018

36 Verfahren gegen Lama Ole Nydahl eingestellt – Allgäuer Anzeigeblatt, Nr. 219, vom 22. September 2018

37 Damit wollen wir nichts zu tun haben – Allgäuer Anzeigeblatt, Nr. 218, vom 21. September 2018, S. 29

38 Riedl, Peter: »Lama Ole Nydahl und der Diamantweg«, Ursache und Wirkung, Ausgabe 103/2018, S. 82

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Berlin, 20.04.2007
Tenzin Peljor

letzte inhaltliche Änderung: 11.11.2018

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Allgemeine Kritik

Es gibt wissenschaftliche Abhandlungen zu Ole Nydahl und der »Diamantweg-Buddhismus«-Bewegung. In deutscher Sprache liegen vor:

Burkhard Scherer ¹ hat die folgende Artikel verfasst:

¹ B. Scherer, Professor für Religionswissenschaft (Buddhismus) an der Canterbury Christ Church University, ist ein tibetisch-buddhistischer Praktizierender (Hauptlehrer: Karmapa Thaye Dorje) mit vorherigen Verbindungen zum Diamantweg. (Weitere Informationen zu Scherers Positionalität finden sich in den autobiografischen Reflexionen im Artikel von 2014 , Seiten 107-118).