Tibetischer Buddhismus im Westen

Fakten, Hintergründe, Standpunkte

 

Lama Ole Nydahl – Diamantweg Buddhismus

Kritische Informationen zu Lama Ole Nydahl
und seinem »Diamantweg Buddhismus«


Einführung

Lama Ole NydahlDer nachfolgende Artikel fasst einige Hintergründe und Kritiken an Ole Nydahl und seiner Buddhismus-Präsentation unter dem Namen »Diamantweg Buddhismus« zusammen. Vorrangiges Ziel ist es, kritische Informationen zur Verfügung zu stellen und die von Ole Nydahl und seinen Anhängern dominierte öffentliche Meinungsbildung zum Thema »Lama Ole Nydahl – Diamantweg Buddhismus« auszubalancieren. Es werden verschiedene kritische Ansichten bzw. Gegenpositionen von Religionswissenschaftlern, buddhistischen Autoritäten, wie der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), Christen und Atheisten zusammengeführt.

Kritik gibt es sowohl am Verhalten Ole Nydahls als auch an seiner Präsentation des Buddhismus. Die Deutsche Buddhistische Union (DBU), Dachverband der Buddhisten in Deutschland, äußerte im Jahr 1999, dass »Lama Ole Nydahl innerhalb und außerhalb der DBU heftig umstritten« sei.¹ Von Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Luzern (Schweiz), wird Nydahl als »dynamisch, wenn auch nicht unumstrittenen«² beschrieben. Baumann äußert Verständnis für »die Kritiker, die sagen, dass Nydahl im Westen einen verwässerten ›Instant-Buddhismus‹ oder eine Art ›Buddhismus light‹ präsentiert.«³

Die Kontroverse innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) im Jahre 1999/2000 verdeutlicht zusätzlich das Spannungsfeld um Nydahl, den westliche Medien recht leichtgläubig als authentischen Meister des Buddhismus akzeptieren.

Kritik am Verhalten der Person Ole Nydahls

Gemäß einer wissenschaftlichen Studie von Oliver Freiberger (Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Universität Bayreuth) aus dem Jahr 2000 gibt es eine »fortwährende Kontroverse«⁴ über Ole Nydahl. Bezug nehmend auf die Kontroverse in der DBU schreibt Freiberger, dass Nydahls Aussagen und Aktivitäten etliche Buddhisten vor den Kopf stoßen, da sie sein Verhalten für einen buddhistischen Lehrer für nicht angemessen halten.⁴ Freiberger merkt an, dass »Nydahl nicht nur beschuldigt wurde, auf eingebildete und militaristische Weise zu sprechen, sondern auch rechtslastig, rassistisch, sexistisch und feindselig gegenüber Ausländern zu sein.«⁴

Kritik gibt es aber nicht nur innerhalb der buddhistischen Gemeinde, sondern auch von Christen und Atheisten. So wird Nydahls umfangreiche Reise- und Lehrtätigkeit von christlichen Kreisen, wie der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Deutschland (EZW)⁵ oder von Georg Schmid, Titularprofessor für Religionswissenschaft an der Universität Zürich und Leiter der Evangelischen Informationsstelle: Kirchen - Sekten – Religionen in der Schweiz, als aktive Missionsarbeit gewertet.⁶ Schmid vertritt die Ansicht: »Lama Ole Nydahl ist wahrscheinlich der aktivste buddhistische Missionar der Gegenwart.«⁶ Schüler von Nydahl betonen hingegen, dass Ole Nydahl in seinen Vorträgen sage, dass der Buddhismus keine missionierende Religion sei.

Vorwürfe und Kritik an Ole Nydahl äußern zudem der ASTA der TU München⁷ und der ASTA der TU Braunschweig. Der ASTA der TU Braunschweig spricht sich im Jahr 2005 dagegen aus »einer derart fragwürdigen Persönlichkeit ein Forum an unserer Universität zu bieten« und ruft zur Demonstration gegen Nydahl auf.⁸

Kritik an der Präsentation des Buddhismus durch Ole Nydahl

Kritik wird auch an Ole Nydahls Lehrpräsentation des Buddhismus geäußert. Während folgende Zusammenfassung von Freiberger noch unspezifisch konstatiert: »Seine ungewöhnlichen Aktivitäten (z.B. Bungee Jumping) verdrießen auch Buddhisten, die nicht seine Anhänger sind - seien dies nun Anhänger der Karma Kagyü Schule oder nicht.«⁴, wird Christian Ruch (Dr. phil. und Mitglied der schweizerischen Katholischen Arbeitsgruppe »Neue religiöse Bewegungen«) in einem Aufsatz für die EZW etwas deutlicher. Er argumentiert unter anderem, dass Ole Nydahl irdische Momente des Glücks, wie sie durch Motorradfahren, Sex oder Bungee Jumping entstehen sowie alle Höhepunkte im menschlichen Erleben »als Vorstufen der Erleuchtung deutet«, er sei »einer, der die Erleuchtung mit der Erfahrung jenes Menschen vergleicht, der seine Finger in eine elektrische Steckdose steckt und der nun die geballte Kraft von 10 000 Volt in sich spürt.«⁵, und kommt zu dem Schluss, dass die Buddhismus-Präsentation Ole Nydahls eher eine Art »Lifestyle-Buddhismus« sei. Für Ruch wirft »die eigenartige Verknüpfung von hedonistischem Lifestyle und buddhistischen Lehren«, wenn man sie im Vergleich mit den anderen buddhistischen Richtungen betrachtet, die Frage auf »wie buddhistisch das eigentlich noch ist, was Ole Nydahl verkündet.«⁵

»Für den Religionswissenschaftler Baumann ist Ole Nydahls Lehre ein oberflächlicher »Instant-Buddhismus«, der mit tibetischem Buddhismus östlicher Lesart, wenig gemeinsam habe.«³ Martin Baumann ist ferner erstaunt »über so viele flache Formeln, Plattitüden und Pauschalisierungen« und er versteht »die Kritiker, die sagen, dass Ole Nydahl im Westen einen verwässerten »Instant-Buddhismus« oder eine Art »Buddhismus light« präsentiert.«³

Andererseits vertritt Ulrich Dehn (Religionswissenschaftler, Pfarrer und seit 2003 außerplanmäßiger Professor für Religions- und Missionswissenschaft sowie Ökumenik an der Humboldt Universität Berlin) die nachfolgende Ansicht: »Ole Nydahl lehrt durchaus richtige und sinnvolle Dinge.«⁹


Referenzen

1 Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f., Zeitschrift der DBU

2 Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz von Prof. Dr. Martin Baumann, http://www.sbu.net/sbuarchiv-d1.htm

3 Baumann, Martin 2005 in: »Eine Art Buddhismus Light?«, Neue Luzerner Zeitung, 04.11.2005, http://www.religionenlu.ch/pdf/2005-11-04.pdf

4 Dr. Oliver Freiberger, 2001: »Inter-Buddhist and Inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30, http://www.globalbuddhism.org/2/freiberger011.pdf

5 Dr. phil. Christian Ruch »Buddha, Bungee, Bettgeschichten«, Seite 32-36 in der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) Publikation Nr. 185: »Wenn Eisenvögel fliegen …«. Der tibetische Buddhismus und der Westen, Berlin 2006

6 Prof. Georg Schmid in Leben & Glauben Nr 38/1999 http://www.relinfo.ch/nydahl/person.html, http://www.relinfo.ch/nydahl/info.html

7 FSK-Info #147, 07.01.2006, http://www.stuve.uni-muenchen.de/stuve/fsk/info/2006-01-07%20FSK-Info%20147.pdf

8 ASTA der TU Braunschweig, 2005, »Fragwürdiger Buddhistenführer im Audimax«, http://www.asta.tu-bs.de/asta_info/SoSe_2005_nr_2.html

9 Prof. Dr. theol. Ulrich Dehn in »Lama Ole Nydahl hat keine Zeit für Askese«, Sonntagsblatt, Ausgabe 27 vom 07.07.2002, http://www.sonntagsblatt-bayern.de/02/02-27-07.07.2002_1025680832-21697.htm

 

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Die Kontroverse in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) um Ole Nydahl im Jahr 1999/2000

In den Jahren 1999-2000 gab es eine öffentlich ausgetragene Kontroverse¹ zwischen der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), dem Dachverband der Buddhisten in Deutschland und deren mitgliederstärksten Gruppe, dem Karma Kagyü Dachverband (KKD) des Lama Ole Nydahl.

Vorgeschichte und Hintergründe

Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) hat 56 Mitgliedergruppen, welche in ihrer Größe stark variieren (zwischen 10 bis 6000 Mitglieder) und zählt zudem ca. 2300 Einzelpersonen zu ihren Mitgliedern. Der Karma Kagyü Dachverband (KKD), auch bekannt als Diamantweg oder »Diamantweg Buddhismus«, zählt nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Kontroverse 6000 Mitglieder und stellte damit »die größte buddhistische Gruppe in Deutschland«.²

Der Hauptlehrer und Gründer des Karma  Kagyü Dachverbandes (KKD) ist der Däne Ole Nydahl. Der KKD entstand als Folge einer Abspaltung von dem Karma Kagyü Verein (KKV), dem ursprünglichen Dachverband der Karma Kagyü Schule in Deutschland.³ Nach Aussage des Vorsitzenden des KKV, Horst-Günter Rauprich, sei die Abspaltung noch vor dem Karmapa - Konflikt 1992 erfolgt.³ So gibt es nunmehr zwei Dachverbände der Karma-Kagyü-Schule in Deutschland. (Der Karma Kagyü Verein (KKV) wird ca. 2002 in Karma Kagyü Gemeinschaft Deutschland e. V. umbenannt.)

Wie die DBU 1999 angibt, befinde sie sich schon »seit Jahren in einem kritischen Dialog mit dem KKD« und habe bereits im Jahre 1996 eine 27seitige Analyse der öffentlichen Äußerungen Ole Nydahls als Diskussionsgrundlage erstellen lassen.⁴ Eigentliches Ziel sei es, die Kontroverse »intern« und auf der Basis von Verständigung, nicht von Konfrontation zu führen.⁴ Viele Buddhisten fordern zu dieser Zeit einen Ausschluss des KKD aus der DBU.⁴ Dieser Forderung wird jedoch nicht nachgekommen.⁴

Schließlich kommt es Ende 1999 zu öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen der DBU und dem KKD, in denen stark unterschiedliche Standpunkte zwischen den beiden Organisationen festgestellt werden.⁴

Die Kontroverse

Standpunkt der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)

Nach Aussage der DBU, erhält sie viele Anfragen zu buddhistischen Gruppen und Lehrern, wobei sich »die überaus größte Anzahl […] schon immer auf Ole Nydahl« bezieht. Sie gibt an, dass es vermehrt kritische Stellungnahmen zu seiner Person im Internet gibt, wodurch sie sich gezwungen sehe, eine öffentliche Stellungnahme im Internet zu veröffentlichen.⁴

Daraufhin veröffentlicht die DBU im August 1999 auf ihrer Webseite eine Stellungnahme zu Nydahl, die im Oktober desselben Jahres wieder entfernt wird, jedoch auch in der zeitgleichen Ausgabe der »Lotusblätter«, dem von der DBU herausgegebenen Magazin, abgedruckt wird.⁴

Sie stellt in der Stellungnahme einleitend fest, dass »Lama Ole Nydahl innerhalb und außerhalb der DBU heftig umstritten« sei und sie ihm aus diesem Grund »nie eine Plattform für die Darstellung seiner Person und seiner Lehren geboten« hätte. Infolgedessen sei Lama Ole Nydahl weder in den Lotosblättern, noch auf Konventen oder Mitgliederversammlungen der DBU zu Wort gekommen.⁴

In der Stellungnahme werden von der DBU nachfolgende Punkte als inakzeptabel kritisiert:

  • Ole Nydahls Pauschalurteil über den Islam
  • seine politischen Aussagen, die als rechtslastig und teilweise rassistisch gedeutet wurden
  • seine als militant und undifferenziert empfundene Redeweise
  • sein als maßlos und großspurig wahrgenommenes Auftreten
  • sein als »unbuddhistisch« empfundener Umgang mit den Themen Frauen, Sex und Spaß

Abschließend stellt der Rat fest, dass nach seiner Meinung diese Punkte nicht mit der buddhistischen Lehre in Einklang zu bringen sind.⁴

Diese Stellungnahme wird vor der Veröffentlichung weder mit dem KKD noch mit Ole Nydahl abgesprochen.⁵

Standpunkt des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD)

Als Reaktion verfassen Ellen Braun und Andreas Behrens, die Vorstände des KKD, einen Offenen Brief. Auf die konkreten Vorwürfe gehen sie dabei allerdings nicht ein, sondern sie werten die Stellungnahme des Rates als eine Illoyalität gegenüber dem größten Mitgliedsverband. Weiterhin bezweifeln sie eine aufrichtige Motivation hinter der Kritik an Nydahl. Sie vertreten die Auffassung, dass die Anhänger des 17. Karmapa Urgyen Trinley Dorje, den der KKD und Ole Nydahl nicht als die Wiedergeburt des 16. Karmapa akzeptieren, die Kritik lanciert hätten.⁶

Sie werfen diesbezüglich der DBU vor, sie würde sich auf die Seite des 17. Karmapa Urgyen Trinley Dorje und seiner Schüler stellen und diesen ein förderliches Forum bieten. Hingegen hätten sie, die den 17. Karmapa Thaye Dorje als rechtmäßigen Karmapa ansehen, kein solches Forum.(*) Zudem würde die andere Seite (der KKV) ein Ratsmitglied stellen. Der KKD zweifelt aus diesen Gründen die Legitimation der DBU an. Der KKD droht mit einer Auseinandersetzung in der Presse, was durch folgende Passage des Offenen Briefes deutlich wird: »Da unsere Mitglieder Vertretung ihrer Interessen fordern, kann dies nur zu einer 'PR-Auseinandersetzung' führen, die alle Buddhisten in Deutschland und insbesondere ihre angebliche Vertretung, die DBU sehr schlecht aussehen lässt.«⁶

Ferner wird im Offenen Brief die Gründung eines eigenen Dachverbandes angekündigt. Der erste Schritt hierhin bestehe in der Umbenennung des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) in Buddhistischer Dachverband Deutschland (BDD).⁶ Sie kritisieren zudem, dass sie nicht über die Stellungnahme informiert wurden und dass nach ihren erfolgreichen Protesten gegen die Internetveröffentlichung (sie wurde Anfang Oktober gelöscht), die Stellungnahme in den Lotosblättern noch einmal veröffentlicht wurde.⁶

Standpunkt des Karma Kagyü Vereins (KKV)

Horst-Günter Rauprich nimmt in den Lotusblättern 1/2000 für den Karma Kagyü Verein (KKV) zum Brief des KKD Stellung. Er stellt fest, dass sein Verein keinen Druck auf die DBU ausgeübt habe und der KKV zum damaligen Zeitpunkt nicht im Rat der DBU vertreten war. Man stimme aber inhaltlich der Stellungnahme der DBU zu, da die Kritik an Nydahl sich mit ihren eigenen Erfahrungen im KKV decke.³

Eine vorsichtige Annäherung und Einigung

Auf der Mitgliederversammlung der DBU im April 2000 wird das Thema aufgegriffen. Es wird die feste Absicht geäußert: »Die DBU und ihre Mitgliedsgemeinschaften wünschen keine Spaltung der buddhistischen Sangha in Deutschland und haben den festen Wunsch, den inner-buddhistischen Dialog fortzusetzen.« Die DBU bedauert, dass sie die Erklärung im Internet veröffentlicht hat, »ohne zuvor mit den Vertretern des KKD gesprochen zu haben«. Es wird beschlossen den Dialog fortzusetzen und der neu benannte Buddhistische Dachverband Deutschland (BDD) Ole Nydahls verpflichtete sich, den Vereinsnamen so zu ändern, dass er nicht als Dachverband aller Buddhisten missverstanden werden könne.⁷

Am 4. Oktober 2000 findet ein erneutes Treffen zwischen DBU und BDD statt. In der gemeinsamen Erklärung heißt es: »In einer offenen und freundlichen Atmosphäre wurde von beiden Seiten die Möglichkeit einer direkten Aussprache und Begegnung begrüßt. Man hatte sich wirklich Zeit genommen und so wurden in dem Gespräch die meisten der bekannten Vorwürfe, Kritikpunkte und Beobachtungen angesprochen. Im Vordergrund stand das Bemühen, Spannungen konkret anzugehen und positive Veränderungen zu ermöglichen. Obwohl unterschiedliche Sichtweisen deutlich wurden, so zeigten doch beide Seiten Bereitschaft aus der Vergangenheit zu lernen und Gemeinsamkeiten zu bestärken. Das Gespräch war ein erster Schritt und sollte dazu führen, Missverständnisse auszuräumen, Klarheit zu schaffen und Zusammenarbeit zu fördern. Weitere Entwicklungen sollen geprüft und offen diskutiert werden«⁸ Der Buddhistische Dachverband Deutschland (BDD) wird als Resultat dieser Annäherung in »Buddhistischer Dachverband Diamantweg« (BDD) umbenannt.

(*) S.H. der Dalai Lama und andere hochrangige Autoritäten des Tibetischen Buddhismus, wie Gyaltsap Rinpoche und Tai Situ Rinpoche erkennen Urgyen Trinley Dorje als rechtmäßigen Nachfolger des 16. Karmapa an. Während Ole Nydahl und seine Schüler, den von  Shamar Rinpoche bestimmten Kandidaten, Thaye Dorje, als rechtmäßigen Nachfolger des 16. Karmapa anerkennen. (zurück)

Quellen

Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)

  • Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f.,
  • Lotusblätter 14, Nr. 1, [2000], 56-61

Zeitschrift des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) (heute: Buddhistischer Dachverband Diamantweg - BDD)

  • Buddhismus Heute 29, Nr.2, [1999], S66f.,
  • Buddhismus Heute 31, Nr.2, [2000], S74f.
  • Buddhismus Heute 32, Nr.1, [2001], S77
Referenzen

1 Freiberger, Oliver. 2001: »Inter-Buddhist and Inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30.

2 Buddhismus Heute 29, Zeitschrift des KKV, S.69

3 Stellungnahme des Karma Kagyü Verein (KKV) zum Offenen Brief des Karma Kagyü Dachverband (KKD), Lotusblätter 14, Nr. 1, [2000], 56-61, Zeitschrift der DBU

4 Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f., Zeitschrift der DBU

5 Buddhismus Heute 31, Zeitschrift des KKV, S.75

6 Offener Brief an die Mitgliedgemeinschaften der DBU und den Rat, 03.11.1999, in Buddhismus Heute 29, Zeitschrift des KKV, S.69ff

7 Der Beschluss der Mitgliederversammlung [der DBU] vom April 2000, in Buddhismus Heute 31, Zeitschrift des KKV, S.75

8 Vereinbarte gemeinsame Erklärung von DBU und BDD [KKD], 4.10.2000, in Buddhismus Heute 32, Zeitschrift des KKV, S.77

 

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Ergänzungen

Der Artikel zur DBU-Kontroverse um Ole Nydahl wurde in seiner Grundform in Wikipedia.de unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation erstellt. Da die Kontroverse und Kritik an Ole Nydahl innerhalb der DBU jedoch keinen Widerhall in den deutschen Medien fand und intra-buddhistisch blieb, wurde der Artikel wegen fehlender Relevanz für Wikipedia wieder gelöscht. Ich habe ihn kopiert und überarbeitet, da ich ihn für sehr hilfreich halte und möchte ihn hier deshalb dem Interessierten zur Verfügung stellen. Auch Dr. Oliver Freiberger (Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Universität Bayreuth) sah die Auseinandersetzung innerhalb der DBU als bedeutend genug an, um sie in seiner Studie über »interbuddhistische und interreligiöse Verhältnisse im Westen« zu erwähnen.⁹

Die Internetauftritte rundum Ole Nydahl als Buddhismus-Repräsentant sind dominant. Die Domain www.buddhismus.de und viele andere mit dem Buddhismus assoziierten Domains, wie z.B. www.buddhismus-nord.de, www.buddhismus-sued.de, www.buddhismus-heute.de, und entsprechende Domains in Polen (http://www.buddyzm.pl), Russland (http://www.buddhism.ru), Österreich (www.buddhismus.at), der Schweiz (http://www.buddhismus.org) usw., sind Ole Nydahl bzw. seinen Schülern oder seiner Organisation Buddhistischer Dachverband Diamantweg (BDD) zuzuordnen und stellen keine Internetpräsenzen übergeordneter Organisationen dar, wie mitunter der erste und zweite Eindruck vermittelt. In der Vergangenheit hat der BDD zudem viele Domains mit dem Wort »Karmapa« erworben¹⁰, wie z.B. karmapa.de, karmapa.ru oder karmapa.cz und damit ihre Präsenz und ihren Anspruch als Repräsentant der Karma Kagyü Linie noch mehr ausgebaut. Selbst für Städte, in denen es keine Diamantweg-Zentren gibt, wie z.B. Erfurt oder Weimar, wurden die Domains http://buddhismus-erfurt.de bzw. http://buddhismus-weimar.de erworben, die dann auf http://www.buddhismus-ost.de umgeleitet werden oder Kopien dieser Seite sind.²⁴ Herbert Rusche, ehemaliges Mitglied des Bundestags für Die Grünen und Vertreter der Einzelmitglieder in der DBU, kommentiert dieses Vorgehen wie folgt: »Freunde von Ole Nydahl, die sich meist als seine Schüler betrachten, belegten in der Zeit, als das Internet immer mehr Bedeutung bekam, alle Top-Domains, in denen der Begriff Buddhismus und Karmapa auftauchte. Sie erwecken so bei unbedarften Internetusern den Eindruck, dass sie die einzige existente Richtung des Karma-Kagyü-Buddhismus, ja sogar des ganzen Buddhismus sind und ihn vertreten.«¹¹ Wie das Auftreten des Diamantwegs auf Außenstehende wirkt beschreibt der Spiegel-Online Reporter Stefan Kuzmany im März 2009 wie folgt: »Schon die Gestaltung der Seite www.buddhismus.de, wo der Diamantweg gleichberechtigt mit den großen Hauptrichtungen präsentiert wird, hat mich irritiert. Und noch mehr irritierte mich der Besuch eines Nydahl-Vortrages in Berlin, wo, neben höchst allgemeinen und m. E. sehr unsystematisch vorgetragenen buddhistischen Versatzstücken auch eine deutliche und vom Publikum mit Applaus bedachte Herabsetzung anderer Religionen zu hören war. Es war mir neu, dass solche Rede mit dem Buddhismus vereinbar wäre. So bin ich schließlich auf den Konflikt zwischen DBU und Nydahl gestossen. Nydahl scheint ja letztlich obsiegt zu haben: noch zehn Jahre danach redet er genau so wie ihm damals vorgeworfen wurde. Und die in der Einigung beschlossene Umbenennung seines ›Dachverbandes‹ hat ja offensichtlich auch niemals stattgefunden.«²⁵

Innerhalb von Deutschland haben sich die meisten buddhistischen Gruppen in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) zusammengeschlossen, deren Mitglied auch der Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) ist. Im BDD sind ausschließlich Zentren Ole Nydahls Mitglieder. Für den Buddhismus-Unterricht an Schulen bietet die DBU eine Fortbildung von Lehrern und Referenten unter qualifizierten buddhistischen Lehrern an (http://www.buddhismus-fortbildung.de). Ole Nydahls Diamantweg-Stiftung bietet zusätzlich und unabhängig von der DBU ein weiteres Projekt zu »Schule und Buddhismus« unter http://www.buddhismus-schule.de/ mit dem vielversprechenden Namen »Buddhismus in seiner Ganzheit« an.

Für den Autor dieses Artikels bleibt offen zu prüfen, inwieweit das Schulprojekt der Stiftung Ole Nydahls (Diamantwegstiftung) wirklich freie und unabhängige Informationen zum Buddhismus anbietet und nicht als eine indirekte Einflussnahme (im Sinne von »Schleichwerbung«) im Bereich der Jugendbildung zugunsten des Diamantweg-Buddhismus Ole Nydahls genutzt wird. Denn letztlich verweisen 80% aller externen Links zum Buddhismus auf der Seite http://www.buddhismus-schule.de/ nur auf die Seiten des Diamantweg Buddhismus, wie ihn Ole Nydahl vertritt, sind also völlig selbstreferenzierend. Der einzige externe Link, der nicht direkt zu Diamantweg-Seiten verweist, ist der zum Bildungsserver. Ruft man diesen auf, wird dann wiederum an erster Stelle die eigene Seite http://www.buddhismus-schule.de gelistet.¹²

Aspekte der Vereinsgeschichte des Diamantwegs (der Zentren Ole Nydahls) im deutschsprachigen Raum lassen sich - aus einer kritischen Hintergrund-Perspektive - wie folgt skizzieren:

Der derzeitige Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) ist ein gemeinnütziger Verein, in dem ausschließlich die Zentren Ole Nydahls Mitglieder sind. Der BDD vertritt die Interessen der Zentren Ole Nydahls in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Der BDD entstand aus einer Umbenennung des Karma Kagyü Dachverbandes (KKD) und aus der Drohung, sich von der DBU abzuspalten. Ziel dieser Trennung sollte die Existenz eines zweiten Buddhistischen Dachverbandes in Deutschland (BDD) sein. Durch das Einlenken der DBU, die eine Spaltung fürchtete, und das Finden eines Kompromisses, wurde dies verhindert. Der KKD Ole Nydahls wiederum ist - nach Aussage von Horst-Günter Rauprich, dem ehemaligen Vorsitzenden des Karma Kagyü Vereins (KKV) - eine Abspaltung des ursprünglichen Dachverbandes der Karma Kagyü Tradition in Deutschland, dem Karma Kagyü Verein (KKV).¹³ Ole Nydahl und die Diamantweg-Zentren spielen zudem eine nicht unerhebliche Rolle im Karmapa-Konflikt im Westen, der sich erst nach der Trennung Ole Nydahls vom ursprünglichen Karma Kagyü Dachverband, KKV¹³, im Westen richtig entfaltete.

In Österreich führen die »wiederkehrenden Probleme und Auseinandersetzungen«¹⁴ um Ole Nydahl zur Spaltung des österreichischen Karma-Kagyü Ordens (1997). Man wollte sich dadurch »von einem für uns und den Buddhismus untragbaren Lehrer distanzieren.«¹⁴ Ein Jahr später, 1998, kommt es dann zum Bruch zwischen der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft (ÖBR) und Ole Nydahl. Ähnlich wie die Deutsche Buddhistische Union Ole Nydahl eine Plattform für seine Auftritte verweigert, spricht die ÖBR »ein Ankündigungsverbot in all ihren Publikationen« aus.¹⁴

Ole Nydahls Äußerungen zum Islam waren nicht nur in der Vergangenheit Gegenstand der Besorgnis unter Buddhisten.¹⁵ Peter Riedl, Präsident der ÖBR, bezeichnet Ole Nydahls Ausführungen zum Islam in einem Artikel, den er nach einem Interview mit Nydahl im Jahr 2006 verfasste, als »Anti-Islam-Tirade[n]«.¹⁵ In buddhistischen Online-Foren, wie z.B. dem der DBU, werden seine Äußerungen zum Islam kontrovers diskutiert und häufig ebenso kritisch gesehen.¹⁶ In Bezug auf interreligösen Dialog äußerte sich Ole Nydahl kritisch, »interreligiöse Projekte« seien »häufig nur eine reine Selbstdarstellung«²⁶ und er empfiehlt seinen Anhängern: »Wir können teilnehmen, sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen.«²⁶

Aus der Schweiz und bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Diamantweg und der Schweizerischen Buddhistischen Union (SBU) liegen mir keine kritischen Informationen vor.

Ole Nydahl wird zu den erfolgreichsten buddhistischen Lehrern in Europa gezählt.¹⁷ Religionswissenschaftler Martin Baumann bezeichnet seine unermüdlichen Aktivitäten im Aufbau von buddhistischen [Diamantweg] Zentren in Europa und den USA als »zweifellos eine Pionierleistung«.¹⁷

Trotz des offensichtlichen Erfolgs Ole Nydahls in bisher mit dem Buddhismus kaum vertrauten Ländern, wie dem christlich geprägten Europa, spielt Ole Nydahl in der tibetisch-buddhistischen Exilgemeinde oder buddhistisch geprägten und mit dem Buddhismus erfahrenen Ländern so gut wie überhaupt keine Rolle. Sein Erfolg bleibt nach Ansicht des Autors also an erster Stelle ein westliches Phänomen.

Meiner Meinung nach offenbart sich - bei genauerer Betrachtung und Analyse der Entwicklungen, Hintergründe, Internetauftritte und Handlungen rund um Ole Nydahl und dem Diamantweg - ein Alleinvertretungsanspruch für den Buddhismus und speziell die Karma Kagyü Tradition sowie eine Tendenz zur Spaltung, die für mich als Buddhisten sehr fragwürdig sind.

Rusche sieht das wie folgt: »Ein eigentlich ganz netter und origineller Mensch ist der Däne Ole Nydahl […] als Anfang der 80er Jahre sein wichtigster buddhistischer Lehrer starb und die Suche nach dessen Nachfolger einsetzte, begann Ole sich mehr und mehr als ›Lama‹ zu sehen. Er behauptete, sein jüngst verstorbener Lehrer Karmapa hätte ihn zum Lama ernannt. Kenner des tibetischen Buddhismus wissen, dass Lama kein Titel ist, der verliehen wird. Es ist eine Bezeichnung für Menschen, die eine lange und intensive Praxis und Ausbildung hinter sich haben. […] Als in den späten 80er und frühen 90er Jahren der Nachfolger des 16. Karmapa bestimmt werden sollte, ließ sich Ole Nydahl darauf ein […] und ließ sich damit für innertibetische Politik und Ränkespiele einspannen […]«¹¹

Rusche resümiert: »Nach meiner Meinung, wurde auf diese Weise ein interessanter und in Teilen liebenswerter Buddhist zu einem fragwürdigen Sektierer und Spalter, der sein buddhistisches Know How nicht dazu nutzt anderen Menschen zu helfen, sondern sich selbst und seine Gruppierung wichtig zu machen.«¹¹

Ganz im Gegensatz dazu, sieht Shamar Rinpoche Ole Nydahl als einen »Buddhistischen Meister«, der »den Segen und die Lehren der Kagyu Linie überträgt« (1983)¹⁸ und stellt klar, dass es für Ole Nydahl »völlig angemessen« sei »den Titel eines Lamas zu halten.« (2006)¹⁹

Im Juli 2010 unternahm Shamar Rinpoche einen kurzen Versuch, sich öffentlich von Ole Nydahl zu distanzieren. In einem Newslettter, der auch auf seiner offiziellen Webseite veröffentlicht wurde, legte er eine kritische Sicht zu Ole Nydahl dar. Im Wesentlichen besagt die Stellungnahme, dass nach Ansicht Shamarpas Nydahl sexuelles Tantra lehren würde bzw. Sex als Herz der Vajrayana Praxis ansehen würde und dies ein großes Missverständnis sei. Shamar Rinpoche fügte an, er unterstütze Ole Nydahl, weil Nydahl eine Verbindung mit dem XVI. Karmapa hatte und ein Kagyue Praktizierender sei. Dies sei die Basis seiner Verbindung mit ihm.²⁰

Ole Nydahls Anhänger weisen Kritik in der Regel damit zurück, dass sie Nydahl als einen ›Yogi‹²¹ porträtieren, was für sie impliziert, sein Verhalten unterliege nicht den Maßstäben konventioneller Realitäten und Wertungen. Auch Ole Nydahl scheint sich selbst als ›Yogi‹ zu sehen. In Erwiderung auf die Kritik, seine Lehren seien oberflächlich, soll er gesagt haben: »Gelehrte Menschen machen einfache Dinge kompliziert und Yogis machen komplizierte Dinge einfach.«²² »Keine Durchdringung« (no pervasion) würde der Gelehrte Ole Nydahl in der spirituellen Debatte antworten, absurderweise wäre dann nämlich auch George W. Bush ein ›Yogi‹, da er komplizierte Dinge einfach macht (z.B. mit der »Achse des Bösen«). Indem Ole Nydahl zusätzlich für sich den Anspruch erhebt, ein Meister im Sinne der »verrückten Weisheit« zu sein, entzieht er sich noch mehr der kritischen Prüfbarkeit im Sinne der Lehren des Buddhismus.²³

Referenzen:

9 Freiberger, Oliver. 2001: »Inter-Buddhist and inter-Religious Relations in the West«, Journal of Global Buddhism 2: 59-71, S. 65. und Anmerkung Nr. 30. http://www.globalbuddhism.org/2/freiberger011.pdf

10 Für die Karmapa-Domains, wie z.B. karmapa.org., karmapa.de oder karmapa.cz, zeichnete sich 2001 durchweg der BBD e.V. verantwortlich (siehe z.B. copyrights Archive 2001) und Ole Nydahl war mit Bildern und Artikeln auf den Seiten präsentiert. Hier hat sich ein Wandel vollzogen. Die Geschichte der Webseitenänderungen kann man über das Internetarchiv Internet Archive nachvollziehen.

11 Herbert Rusche in »Buddhismus auf Abwegen«, http://www.herbertrusche.de/00000092cf0fb2b03/
24a6bc96db0dcdc01.html

12 Stand 05.02.2008: In Bezug auf Informationen zum Buddhismus wird entweder auf die zum Diamantweg gehörende Seite www.buddhismus.de oder auf die Diamantweg-Seite www.diamondway-buddhism.org und die Diamantweg Zeitschrift Buddhimus Heute verwiesen. Der einzige externe Link zu einer Nicht-Diamantweg-Seite, ist der zum Bildungsserver. Dieser listet dann an erster Stelle die eigene Seite http://www.buddhismus-schule.de.

13 Stellungnahme des Karma Kagyü Verbandes (KKV), Lotosblätter-Magazin, 2000

14 Ursache und Wirkung 2006, Heft Nr. 61, »Kein Interview mit Ole Nydahl«, Riedl, Peter

15 siehe Buddhistischer Rundbrief Salzburg, http://www.sbg.ac.at/budd/rundbrief/rb96'4.txt und Lotusblätter 13, Nr. 4, [1999], 64f

16 siehe z.B. DBU oder Tibet.de

17 Baumann, Martin : 2005, Neue Luzerner Zeitung, »Eine Art Buddhismus Light?«

18 siehe Dokument 1 auf Ole Nydahls offizieller Webseite

19 siehe Dokument 3 auf Ole Nydahls offizieller Webseite

20 »An Answer to Questions Raised about Bodhi Path and Lama Ole Nydahl«, Juli 2010 (der Artikel wurde nach einem Schriftwechsel zwischen Nydahl und Shamarpa wieder gelöscht; Kopie des Artikels: Word-Datei. Diese Datei enthält einen weiteren Newsletter »No.56/10« von Künzig Shamar Rinpoche, der vom Diamantweg verbreitet wurde.)
Ole Nydahl räumt ein, sexuelle Beziehungen zu Schülerinnen zu unterhalten. Er kommentiert dies wie folgt: »Dabei ist keine Lehrer-Schüler-Beziehung involviert. Sie sind Diamantweg Buddhisten, aber sie sind in diesem Moment nicht meine Studenten. Sie sind gleichwertige Partner.« (siehe: Joe Orso: Lama Ole: Buddhist teacher or charlatan?, 15.11.2009) Vor einigen Jahren behauptete Ole Nydahl im Schweizer Fernsehsender »Tele 24«, er habe 500 Frauen im Bett gehabt.
Chögyam Trungpa Rinpoche warnte seine Schüler u.a. in der Form von Steckbriefen mit Fotos von Nydahl vor Ole Nydahl als buddhistischem Lehrer. Trungpas Regent Ösel Tenzin—der wie Trungoa nicht unumstritten ist—schrieb in einem Brief:

»The Vajracarya [Chögyam Trungpa] has instructed me to tell you that Mr Nhydahl is not welcome in any of our centers in the role of a teacher. The Vajracarya feels very strongly that there is some real perversion of the Buddhadharma taking place by Mr Nhydahl and a definite perversion of His Holiness Karmapa's intentions and wishes. As we know, because of the power of the vajrayana teachings there are many warnings concerning the breaking of samaya and possibilities of Rudrahood. There have been instances in the past where students, out of confusion, have misused these precious teachings to create a personal fortress of charlatanism and egohood. This appears to be the case with Mr Nhydahl.« (Ole Nydahl, Riding the Tiger - twenty years on the road : risks and joys of bringing Tibetan Buddhism to the West, S. 253)

In Bezug auf eine tatsächliche sexuelle Vereinigung im Vajrayana werden enorm hohe Ansprüche an die Qualifikation beider Vajrayana-Praktizierenden gestellt. Für eine detaillierte Erklärung siehe Fußnote 41 in Tibetischer Buddhismus. Der indische Meister Atisha (Kadam Schule) warnt Ordinierte eindringlich in seinem berühmten Text Lampe auf dem Pfad höhere tantrische Einweihungen zu nehmen, da sie sonst riskieren würden, ihre Ordensgelübde zu verlieren.

Prof. Dr. John Powers legt zum Thema tantrische Vereinigung dar:

»Tantric texts stress that practice with consorts is not a form of sexual indulgence, but rather a form of controlled visualization that uses the special bliss of sexual union. It is restricted to very advanced practitioners, yogins who have gained control over the emanation of a subtle body and have awakened the mystical heat energy, or »dumo« (gtum mo, candali). Those who have not advanced to this level are not qualified to practice with an actual consort; people without the necessary prerequisites who mimic tantric sexual practices thinking that they are practicing tantra are simply deluded, and may do themselves great harm. Sexual union is only appropriate to advanced levels of the stage of completion, and so those who have not developed sufficient realization and control over subtle energies are unable to generate the blissful wisdom consciousness realizing emptiness that is the basis for this practice. They may succeed in fooling others—or even themselves—but they will be utterly unable to use sexual energy in accordance with the practices of highest yoga tantra.

According to the Dalai Lama, only a person who views all the phenomena of cyclic existence with complete impartiality is qualified to engage in tantric sexual practices:

»Truthfully, you can only do such practice if there is no sexual desire whatsoever. The kind of realization that is required is like this: If someone gives you a goblet of wine and a glass of urine, or a plate of wonderful food and a piece of excrement, you must be in such a state that you can eat and drink from all four and it makes no difference to you what they are. Then maybe you can do this practice.«

When asked to name any lamas who he thought were at this level, he admitted that he could not. He mentioned that there are well-known stories of great teachers like Tilopa who had transcended all attachment to conventional thinking and so were able to engage in sexual practices without harming themselves or their students, but he added that such exceptional individuals are very rare.«

(John Powers, »Introduction to Tibetan Buddhism«, Snow Lion Publications, 1995, p. 252. Deutsche Übersetzung: Religion und Kultur Tibets. Das geistige Erbe eines buddhistischen Landes, O.W. Barth Verlag, 2002)

21 Oral teaching, Hamburg (Germany) December 29, 2007, Quelle: Wikipedia EN, 27/01/07

22 Interessant ist in diesem Zusammenhang die Begriffsdefinition des »Yogi« im Diamantweg Nydahlscher Prägung als »traditioneller Begriff für Verwirklicher(in), Praktizierende(r) des Diamantwegs.« (Diamantweg.de) Hier wird allem Anschein nach eine sinnentstellende Umdeutung des Begriffes Yogi vorgenommen und gleichzeitig wird der Begriff für die eigene Lehrrichtung vereinnahmt und den Gegebenheiten einer westlichen Gruppe angepasst. Die Dokumentation »The Yogis of Tibet« definiert einen Yogi so: »Ein Individuum, das Jahre im isoliertem Retreat verbracht hat und geheime selbst-transformierende physische und geistige Übungen praktizierte, und durch diese Techniken außergewöhnliche Kontrolle über Körper und Geist erlangt hat.« Der Begriff »Yoga« (tib. rnal ‘byor) bedeutet »verbinden mit dem was authentisch oder wahr ist.« Yogis sind enorm entsagte spirituelle Übende, die an nichts hängen. Diesen Tatsachen weicht die Erklärung des Diamantweg Nydahlscher Prägung aus und entfernt sich noch weiter von der eigentlichen Bedeutung des Begriffes Yogi, indem das Haushälterleben als (ideale) spirituelle Lebensform gepriesen wird. Zum Haushälterleben Marpas bemerkte der in Einsamkeit lebende und verwirklichte Yogi Milarepa: »Marpa ist wie ein Löwe, und ich bin wie ein Fuchs. Wenn der Fuchs versucht, so hoch zu springen wie der Löwe, wird er sich nur das Genick brechen.« (Khenpo Konchog Gyaltsen »Die großen Kagyü-Meister: Die Schatzkammer der Goldenen Übertragungslinie«, Otter-Verlag)

23 siehe: Interview mit Lama Ole Nydahl — Verrückte Weisheit und der Stil des Verwirklichers.
»Verrückte Weisheit« ist ein geschicktes Mittel hoch verwirklichter Meister, die damit tatsächlich Schüler aus festgefahrenen Mustern befreien können. Authentische Meister »verrückter Weisheit« sind jedoch extrem selten und Scharlatane im Tibetischen Buddhismus verschleiern ihr Fehlverhalten und ihre Unzulänglichkeiten gerne, indem sie vor ihren Schülern behaupten, dass ihr Fehlverhalten »verrückte Weisheit« sei. Der XIV. Dalai Lama sieht schamloses Verhalten, dass sich auf »verrückte Weisheit« beruft, in der heutigen Welt, als äußerst schädlich für den Buddhismus an und fordert auf damit Schluss zu machen. (siehe: Melong Frühling 1993)

24 Stand: 28. April 2012.

25 Email von Stefan Kuzmany vom 19.03.2009 an den Verfasser dieses Artikels. Zitiert mit freundlicher Erlaubnis. Wie Stefan Kuzmany seine Eindrücke verarbeitet hat, kann man im Buch »Das können Sie glauben! Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch«, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Seiten 145-185 nachlesen.

26 Zentrentreffen 2005, Protokoll, Amden / Schweiz, 29.–30.10.2005, S. 6–7:

»Frage: Viele andere buddhistische Traditionen machen viele interreligiöse Projekte - wie kommentierst du das?

Ole (Zusammenfassung): Das es häufig nur eine reine Selbstdarstellung ist, sollten die, die persönlich am reifsten sind, uns bei solchen Veranstaltungen vertreten: die, die gelebt, gekämpft und geliebt haben und somit stabil sind, die Erfolg und Überschuss haben, und überzeugend sind.«

Protokoll Zentrentreffen Hamburg, 30.–31. Oktober 2004, Seite 17:

Interreligiöse Projekte

Wir können teilnehmen, sollten aber nicht neben den Muslims sitzen. Wir wollen keine Verbindung mit ihnen.

 

 

Berlin, 20.04.2007
Tenzin Peljor

letzte Änderung: 05.01.2013

 

Knot

 

 

Siehe auch

Forschungsartikel zu Ole Nydahl und Diamantweg

Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Abhandlungen zu Ole Nydahl. Der Nydhal Schüler Dr. Burkhard Scherer, der als Senior Lecturer in Religious Studies an der Canterbury Christ Church University (England) und als Professor of Indo-Tibetan Buddhism am International Institute for Buddhist Studies, Karma Gön (Spanien) forscht und lehrt, hat die folgenden zwei Artikel verfasst:

Einige Foren zu Ole Nydahl und Diamantweg

Rick Ross Forum

 

 

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