Tibetischer Buddhismus im Westen

Fakten, Hintergründe, Standpunkte

 

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Die Kadampa Tradition


Die Kadam- oder Kadampa-Tradition (tibetisch transliteriert: bKa' gdams pa) war eine Schule des tibetischen Buddhismus. Sie ging im 14. Jahrhundert in die vier Linien des Tibetischen Buddhismus, insbesondere in die Gelug-Schule auf. Die Kadam Linien werden innerhalb dieser vier Schulen gehalten. Der Begriff Kadampa leitet sich wie folgt her: Alle Lehren des Buddha, ka, sind Unterweisungen, dam, die einer Person, pa, helfen, Erleuchtung zu erlangen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Kadam- bzw. Kadampa-Schule war die erste der tibetisch-buddhistischen Schulen der Neuen Übersetzungen buddhistischer Schriften aus Indien nach Tibet (s.a. Buddhismus in Tibet). Neu werden diese Schulen genannt, da sie mit der zweiten Übersetzungsperiode im elften Jahrhundert begannen, im Gegensatz zur Tradition der Alten Übersetzungen aus dem 9.Jahrhundert, die als Nyingma bezeichnet wird. Die Kadampa-Schule hat ihren Ursprung in den Lehren des indischen Panditas Atisha (982–1054), einem berühmten Abt aus Vikramaśila in Indien und geht den anderen Linien der Neuen Übersetzungen (Sakya, Kagyü und Gelug) voraus.

Atisha hielt vor allem drei Linien und führte diese in Tibet ein. Diese drei Linien sind:

  • die Linie der Tiefgründigen Philosophie über Buddha Shakyamuni / Manjushri / Nagarjuna;
  • die Linie der Unermesslichen Aktivität über Buddha Shakyamuni / Maitreya / Asanga und
  • die Linie der Übertragung des Segens und der Praxis von Buddha Vajradhara / Tilopa / Naropa.

Bei Atishas Darlegungen spielten Zuflucht und Bodhichitta eine zentrale Rolle. Sein Beharren auf der Zuflucht als dem Fundament jeder buddhistischen Praxis, brachte ihm den Beinamen Zufluchtslama ein. Zudem besaß Atisha eine Linie zur Entwicklung eines besonders starken Bodhichittas (Erleuchtungsgeist), die auf seinen wichtigsten Lehrer: Serlingpa von Sumatra (auch als Dharmakirti oder Suvarnadvipa bekannt), sowie auf Dharmarakshita und Yogi Maitreya zurück geht. Diese später als Lojong bekannt gewordene Linie wurde zuerst geheim gehalten und erst Generationen nach Atishas Tod öffentlich in Tibet gelehrt und in alle tibetisch-buddhistischen Schulen integriert.

Atiśa wurde von Dschangtschub Jesche Öd (tib.: Byang-chub Ye-shes 'Od) gebeten, die buddhistischen Lehren im Westen Tibets wieder herzustellen, nachdem König Langdharma (gest. 838) sie weitgehend zerstört hatte. Atiśa kam 1042 nach Tibet und verfasste aufgrund der Bitten von Dschangtschub Jesche Öd seine berühmte Schrift: Lampe auf dem Pfad, die der Ursprungstext aller Lamrim Texte ist. In Tibet traf Atiśa auch noch den 85 Jahre alten Gelehrten Rintschen Sangpo (Rin-chen Bzang-po), dessen Gelehrsamkeit ihn sehr beeindruckte. Als bekannter Pandita legte Atisha großen Wert auf die Einhaltung der Vinaya-Regeln in Tibet. Er sorgte bis zu seinem Lebensende für die Restaurierung der buddhistischen Lehre in Tibet und reinigte sie von allen nichtbuddhistischen Praktiken.

Es heißt, eine der wichtigsten Lehren der Kadampas sei:

»Sieh in allen Lehren Harmonie. Empfange Anleitung von allen Lehren.«

Drei Kadampa-Übertragungslinien

Atishas Hauptschüler in Tibet waren: Ku-tön Tsön-dru, Ngo Leg-pe Sherab und Dromtönpa (Drom-tön Gyal-we Jungne; 1005–1054). Dromtönpa erhielt die vollständigen Lehren Atishas und gab die Übertragungen (das geistige Erbe Atishas) in drei Linien aufgeteilt an die Drei Edlen Kadampa-Brüder (Geshe Potowa (Puto Rinchen Sal), Geshe Pyangsba (Phuchungwa Shönu Gyaltsen) und Geshe Gonpaba (Chengawa Tsultrim Bar)) weiter.

  • Geshe Potowa (1031–1106) übermittelte die Linie der Text-Darlegung (Linie der Sechs kanonischen Texte),
  • Geshe Gonpaba die Linie des Stufenweges (Schlüsselunterweisungen der Vier Edlen Wahrheiten), die in der Dagpo Kagyu Linie heute präsent sind und
  • Geshe Pyangsba die Linie der mündlichen Kern-Unterweisungen über die Sechzehn Essenzen.

Zuerst wurde Atishas Vermächtnis an Dromtönpa bekannt als Tradition der Vier Gottheiten und Drei Dharmas, die einen widerspruchsfreien Anwendungsweg der Vereinigung von Sutra und Tantra aufzeigte. Später unter dem Namen: Atishas Kadam Tradition, das großartige Vermächtnis von Sieben göttlichen Dharmas. Atisha ist als indischer Meister also der Ursprung einer Tradition, die später allmählich als Kadampa Tradition bekannt wurde.

Die Sechs Kanonischen Texte der Kadampas sind:

  • Die Stufen des Bodhisattva (skt.: Bodhisattvabhumi) von Asanga;
  • Schmuckstück der Mahayana Sutras (skt.: Mahayanasutraalamkara) von Maitreya/Asanga;
  • Kompendium der Schulungen eines Bodhisattvas (skt.: Shikshasamucchaya) von Shantideva;
  • Führer für die Lebensweise eines Bodhisattvas (skt.: Bodhisattvacharyaavatara) von Shantideva;
  • Girlande der Wiedergeburtsgeschichten (skt.: Jatakamala) von Aryashura, und
  • Die Sammlung der Worte des Buddhas (skt.: Udanavarga) – das Tibetische Dhammapada von Dharmatrata.

Die Kernunterweisungslinie wurzelt in den geheimen Lehrern Atishas und ist hauptsächlich in der sogenannten Schrift Das Kostbare Buch der Kadampa Meister niedergelegt: Ein Juwelenkranz tiefgründiger Unterweisungen auf dem Bodhisattvaweg. Dieser Text wird als der Haupttext der Kadampas gesehen. Die Kernunterweisungen wurden anfänglich nur einem einzelnen Schüler in jeder Generation übermittelt bis die Geheimhaltung zu Zeit Narthang Shönu Lodrö aufgehoben wurde. Später wurden diese Lehren durch Pal Tsuglak Trengwa in die Karma Kamtsang Kagyu Linie und durch den 1. Dalai Lama (Gyalwa Gedun Drup) in die Gelug Tradition übermittelt.

Atishas Lehren sind mehr an den Mahayana-Sutras orientiert. Atisha war aber auch ein großer Vajrayana Meister und wichtiger Meister in der Übertragung des Kalachakra-Tantra nach Tibet. Vajrayana-Übungen hielt er allerdings sehr geheim.

Sein sicherlich berühmtestes Werk verfasste er gleich nach seiner Ankunft in Tibet: Die Lampe auf dem Weg zur Erleuchtung – dem Stufenweg zur Erleuchtung, genannt Lamrim, der ebenso wie die Lojong-Lehren heute in allen vier tibetisch-buddhistischen Traditionen verbreitet ist.

Es heißt, dass die Halter der Kadampa Linie ihren Körper mit den Vier Gottheiten (Shakyamuni, Avalokiteshvara, Tara and Achala), ihre Sprache mit den Drei Pitakas (Vinaya, Sutra, Abidharma) und ihren Geist mit der Praxis der Drei Schulungen (ethische Selbstdisziplin, Meditation und Weisheit) schmückten. Die Praxis der Kadampas bestand demnach vor allem aus der Praxis der Sieben göttlichen Dharmas: Die Vier Gottheiten und die Drei Schulungen der Drei Körbe (Tripitaka).

Der Ursprung der Sakya-, Kagyü- und Gelug-Schule sind mit diesen Lehren der Kadampa Tradition verbunden. Der erste Sakya Pandita Kunga Gyaltsen war ein Schüler von Geshe Pyibolas, der ein Schüler Geshe Nehuzurpas war, der wiederum bei dem Atisha-Schüler Gonpaba lernte. Dementsprechend wurde die Linie des Stufenweges der Kadampa an die Sakya-Linie übermittelt. In Bezug auf die Kagyü-Schulen traf Marpa der Übersetzer bei seiner dritten Indienreise Atisha. Gampopa, ein Schüler von Marpas Schüler Milarepa, lernte bevor er auf Milarepa traf, sechs Jahre bei einem weiteren Schüler von Gonpaba und integrierte die Lojong- und Lamrim Lehren später in die Praxis der Sechs Yogas von Naropa und den Mahamudra Lehren, die er von Milarepa erhielt.

Tsongkhapa (1357–1419), ein großer Reformator, aus dessen Lehrdarlegungen später die Gelug-Schule hervorging, war zum einen Schüler des Kagyü-Lamas Gyalwa Kor Khangchen Chökyi Wangpo, von dem er die Kadampa-Linie der Text-Darlegung erhielt und auch Schüler des Nyingma-Lamas Lhodrag Namkhagyal, von dem er sowohl die Linie des Stufenweges, als auch die Linie der mündlichen Unterweisung erhielt. Da die drei Kadampa-Linien vollständig an die Gelug-Schule übertragen wurden, bezeichnete man die Gelug-Schule auch als Neuere Kadampa-Schule.

Kadampa Kloster

Dromtönpa (1003/4–1064) ließ das Kadampa-Kloster Rva-sgreng nördlich von Lhasa errichten und Geshe Potawa errichtete das Kloster Poto. Die frühere Kadampa-Schule hielt aber keine streng formelle Organisation aufrecht und die Klöster gingen im 14.Jahrhundert in die Gelug-Schule auf.

Neue Kadampa

Als Neue Kadampa kann man streng genommen nur die Gelug Schule bezeichnen. Die sogenannte Neue Kadampa Tradition, die in ihrer Werbung den Eindruck erweckt, die Fortsetzung der Kadampa Schule des Atisha zu sein, ging aus einer Abspaltung der Gelug Tradition hervor und wird von Kritikern nicht als Repräsentant der altehrwürdigen Kadampa Tradition gesehen.

Literatur

deutsch:

  • Die Lampe auf dem Weg. Stufen buddhistischer Meditation - Originaltext des Atisha und Kommentar vom Dalai Lama XIV, Diamant-Verlag, ISBN 3981068211
  • Der grosse Pfad des Erwachens. Ein Kommentar zu der Mahayana Lehre der sieben Punkte der Geistesübung, von Jamgon Kongtrul, ISBN 3896200275

englisch:

  • Complete Works of Atisa, Atisa, Translated and Annotated by Richard Sherburne, ISBN 8177420224
  • Training the Mind in the Great Way, by 1st Dalai Lama, ISBN 0937938963, Snow Lion Publications
  • Atisha's Lamp for the Path to Enlightenment, by Geshe Sonam Rinchen, ISBN 1-55939-082-4, Snow Lion Publications
  • Mind Training: The Great Collection (Library of Tibetan Classics), Original Scriptures of the Kadampa Teachings on Lojong, translated and published by Geshe Thupten Jinpa, ISBN 0-86171-440-7, Wisdom Publications
  • The Ri-Me Philosophy of Jamgon Kongtrul the Great: A Study of the Buddhist Lineages of Tibet, by Ringu Tulku, ISBN 1-59030-286-9, Shambhala Publications

Weblinks


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Kadampa" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.

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