Tibetischer Buddhismus im Westen

Fakten, Hintergründe, Standpunkte

 

Wikipedia und Tibet

Das Ringen um Wahrheit

Wikipedia

WIKIPEDIA ist das weltweit am meisten genutzte digitale Lexikon, und jeder kann mitschreiben. Bei politisch kontroversen Themen ist Vorsicht geboten. Der Autor, Tenzin Peljor, schildert seine Erfahrungen.


Wikipedia und Tibet“ war ein Forschungsprojekt, das von Oktober 2009 bis April 2010 unter der Leitung des Tibetologen Prof. Dr. Dieter Schuh vom International Institute for Tibetan and Buddhist Studies GmbH durchgeführt wurde. Ein zentraler Punkt der Untersuchung war „die Analyse der offenkundigen politischen Beeinflussung der Darstellungen durch die chinesische Politik, die offenbar durch Einsatz eigener Leute (z. B. Han-Chinese Babel fish) oder deutsche oder österreichische Sympathisanten, die natürlich keinerlei wissenschaftlich fundierte Vorkenntnisse über Tibet haben …“ Das vorläufige Ergebnis der Untersuchung war, „dass eine große Zahl der in der Wikipedia zu findenden, Tibet betreffenden Inhalte wissenschaftlich mehr als fragwürdig, falsch oder inhaltslos sind und insgesamt ein grob verfälschendes Bild von Tibet liefern …“¹ Und Tibet ist nur ein Beispiel von vielen.

Tenzin Peljor gibt uns einen Einblick hinter die Kulissen von Wikipedia und zeigt auf, wie die Beiträge in dieser „Enzyklopädie“ entstehen.

Ornament

Von Juni 2005 bis April 2009 habe ich aktiv bei Wikipedia als Nutzer (Editor), mitgewirkt, insbesondere an Artikeln über tibetischen Buddhismus, Buddhismus im Westen und Tibet, also Themen, über die ich eine gewisse Sachkenntnis mitbrachte oder in die ich mich eingearbeitet hatte. Ein Beispiel für letzteres war z.B. der Streit um die Schreibweise für tibetische Namen und Orte. Aus dieser Zeit ist mir auch der von Dieter Schuh genannte Nutzer „Babel fish“ noch sehr gut bekannt.

Babel fish, ein deutschsprachiger Chinese, hatte mit aller Macht und gegen alle Editoren und Regeln der Wikipedia die bei uns unübliche chinesische Pinyin-Umschrift für tibetische Begriffe – in erster Linie Namen und Orte – durchgesetzt und sich vehement gegen jedes Abweichen von dieser Schreibung gewehrt. Dieser Streit zog sich 2006 bis 2007 über Monate² hin. Er war auch sehr bemüht, in Bezug auf tibetische Klöster immer wieder Informationen über gewalttätige Kontroversen in die Artikel einzuarbeiten, und hat mehrfach verhindert, dass ich Zitate von Fachleuten einbringen konnte.

Aus Shigatse wird in dieser Schreibweise ‚Xigazê’, aus Tashilhunpo ‚Zhaxilhünbo’, aus Reting ‚Razheng’ … Ähnliche Entstellungen gab es für andere tibetische Namen und Begriffe. Für mich als ehemaligen Bürger der DDR war natürlich klar, dass diese Sinisierung tibetischer Namen und Begriffe ein Aspekt der Machtausübung und der Unterdrückung der Tibeter ist, aber gegen Babel fishs Hartnäckigkeit und Sturheit hatten ich und zahllose andere Editoren monatelang keine Chance.

Daran konnten auch Wissenschaftler wie der Sinologe Andreas Gruschke, der darauf hinwies: „… das Hauptproblem bei der offiziellen chinesischen Umschrift ist doch, dass im Westen 99 Prozent der Leser (in China selbst wohl eher 99,9 Prozent) sie weder kennen noch mit ihr umgehen können“, noch Professor Schuh, dem Babel fish „Vandalismus“ vorwarf, als Editoren etwas ändern. Interessant ist ein Blick auf die „ Xigazê -Versionsgeschichte“³. Noch heute wird der Artikel zu Shigatse in der deutschsprachigen Wikipedia unter dem Lemma Xigazê geführt.

Nun kann man zwar solche Nutzer bei den Administratoren melden, aber auch das schafft nicht immer Abhilfe. Im Fall von Babel fish jedenfalls waren sie der Meinung, das Thema müsse ausdiskutiert werden. Dass sich hier ein einziger Editor mit Pseudo-Argumenten gegen alle anderen durchsetzte und ganz offensichtlich eine bestimmte Absicht verfolgte, die den Regeln der Wikipedia zuwiderlief, wollten sie nicht sehen.

Babel fish war meine erste ernüchternde Erfahrung bei Wikipedia. Sie lehrte mich, dass sich Editoren, die ein bestimmtes Ziel verfolgen, durchsetzen können, wenn sie nur genug Zeit, Energie und Hartnäckigkeit aufbieten.

Wikipedia Achtung – Nutzung auf eigene Gefahr

Achtung: Nutzung auf eigene Gefahr!

Crash-Kurs zur Mitarbeit bei Wikipedia

  • Mitarbeiten kann jeder, auch ohne Anmeldung und ohne Nutzernamen.
  • Es gibt weder Altersbeschränkung noch Prüfung der Qualifikation.
  • Einträge werden i.d.R. nur von den Editoren (Benutzern) selbst überprüft und sind sofort im Artikel sichtbar; jeder kann die Einträge anderer Nutzer löschen, eine Begründung dafür kann, muss aber nicht gegeben werden.
  • Bei stark umstrittenen Artikeln – z.B. (engl. Seiten) George W. Bush, Islam, Adolf Hitler) –wird die Möglichkeit für Sofort-Änderungen mitunter gesperrt; sie werden dann erst nach Prüfung durch einen Administrator frei geschaltet.
  • Editoren können abgemahnt und auch ausgeschlossen (blockiert) werden. Diese Blockierung kann jedoch durch eine neue IP-Adresse umgangen werden.
  • Administratoren werden von den Nutzern aus ihrer Mitte gewählt und können auch abgewählt werden. Eine Qualifikation muss nicht nachgewiesen werden.
  • Bei Schwierigkeiten kann man andere Editoren, Administratoren oder auch Mediatoren um Hilfe bitten; höchste interne Instanz ist ein Schiedsgericht.

Weitere Informationen: Wikipedia:Beteiligen

An Wikipedia kann jeder mitarbeiten, es gibt keine Einschränkungen, weder in Bezug auf das Alter noch auf die Qualifikation der Editoren oder Administratoren. Auch die Quantität der Einträge wird nicht beschränkt. Verständlich, dass diese „Enzyklopädie“ vor allem bei strittigen Themen zu Geschichte, Religion oder Politik nur mit Vorsicht zu genießen ist, da es immer wieder Lobby-Gruppen oder Einzelpersonen gibt, die versuchen, eigene Standpunkte als Tatsachen einzubringen und damit auch oft Erfolg haben. Häufig sind es Laien, die, so engagiert sie sein mögen, meist nur ein begrenztes Wissen über das Thema haben und einfach nur ihre Meinung durchsetzen wollen.  Zwar versuchte Wikipedia mehrfach, Fachleute von den Universitäten zur Mitarbeit zu gewinnen, aber diese werden selten willkommen geheißen und schnell auch mal „rausgemobbt“.

Ein weiterer Versuch, die Qualität zu verbessern, war, dass Wikipedia ihre Artikel nach einem „Quality Scale“ und „Importance Scale“, einem Qualitäts- und Wichtigkeitsmaßstab, bewerten lassen wollte. Doch selbst bei Beiträgen, die eine recht gute Bewertung erhielten, kam es vor, dass sie Monate später von neu hinzugekommenen Editoren komplett umgeschrieben wurden. So hat z.B. ein Artikel mit einer B-Class-Auszeichnung aus dem Jahr 2008 diese heute immer noch – obwohl die massenhafte Entfernung akademischer Quellen zu gravierenden Qualitätseinbrüchen geführt hat. Der Antrag, die ganze Seite zu löschen, wurde jedoch abgelehnt, weil man noch hoffte, sie wieder verbessern zu können. Das jedoch ist bis heute nicht geschehen: Wenigstens trägt der Artikel einen Warnhinweis zur Neutralität – aber immer noch die positive Bewertung.

Die Verteidiger von Wikipedia behaupten oft, Fehleinträge würden schnell erkannt und dann sofort durch kundige Editoren behoben. Das ist, vorsichtig gesagt, nur teilweise wahr. Es hängt maßgeblich davon ab, wie kontrovers ein Thema ist, welche Gruppen und Einzelpersonen daran Interesse haben, welche Standpunkte und Quellen sich durchsetzen und wie kooperativ sich die Nutzer verhalten.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Qualität der Artikel ist, welche Quellen verwendet werden und wie verlässlich sie sind. Es galt einmal, dass vorzugsweise akademische Quellen verwendet werden sollten, die von Fachleuten überprüft wurden; selbst-publizierte Quellen sollten nur in Ausnahmefällen Eingang finden. Das wird heute kaum noch eingehalten, man findet selbst Inhalte aus anonymen Blogs oder Webseiten. So kann jeder selbst „Quellen“ produzieren, in Wikipedia einarbeiten, um sie dann wieder als Referenz anzuführen – und das wird auch gemacht!

Anhand der Historie der Artikel kann der Verlauf von Änderungen zurückverfolgt werden und auch, wer diese vornahm. Auch die Diskussionsseiten der Beiträge, die häufig archiviert sind, sowie die Nutzerseiten und deren Archive und Historie bieten reichlich Material, den Verlauf der Änderungen, den Hintergrund der Argumentation und die Reibungspunkte und Hilfeersuchen um Mitwirkung nachzuvollziehen.

Wikipedia - das biegen wir uns schon zurecht!

Ein Beispiel für Manipulation

Ich möchte dies an einem Artikel veranschaulichen, um den ich gerungen habe und um den heute noch gerungen wird: das brisante und umstrittene Thema „Dorje Shugden“ bzw. die „Dorje Shugden Kontroverse“. Dabei handelt es sich um einen Konflikt innerhalb des tibetischen Buddhismus um eine bestimmte religiöse Praxis. Im Folgenden beziehe ich mich auf den Artikel der englischen Wikipedia, der einmal eine relativ hohe Qualität und Ausgewogenheit aufwies.

Wenn man die Historie dieses Beitrags, der im März 2005 angelegt wurde, untersucht und den gegenwärtigen Stand des Artikels betrachtet, fällt eine Zäsur im April 2008 auf, die Auswirkungen auf der globalen und politisch-religiösen Informationsebene hat. Der Eintrag zu Shugden begann mit der umstrittenen Aussage, dass es sich um einen „Weisheits-Buddha“ handele, der „sehr wichtig“ für die Gelugpas, Sakyas und die „Kadampa-Praktizierenden“ sei. Drei Jahre später, im März 2008, war der Artikel schon wesentlich informativer und listete vier kontroverse Sichtweisen dazu auf, wer oder was dieses Wesen sei. Angefügt wurden Links zu Unterstützern, Gegnern und zu eher neutraleren Quellen.

Sehe ich mir den Artikel heute an, fällt mir schon in den ersten beiden Einleitungssätzen ein gravierender Unterschied auf. Während es früher hieß:

»Dorje Shugden ist eine Gottheit, deren genaue Natur – erleuchtete Schutzgottheit (Yidam) oder gebundener Beschützer (Dharmapala) oder eine schädliche und böswillige Kraft (Rakshasa) – unter den Anhängern des Tibetischen Buddhismus, speziell der Gelug Sekte, umstritten ist«,

heißt es nun:

»Dorje Shugden [...], der „Kraft besitzende Vajra“oder Dolgyal Shugden [...], „Shugden, König von Dhol“, ist eine Gottheit (tib. lha) [...] im Tibetischen Buddhismus, speziell in der Gelug- Schule, die als Dharmabeschützer oder „Schutzengel“ angesehen wird.«

Statt einer neutralen Aussage eines Wissenschaftlers – wie z.B. David Kay –, der die verschiedenen Standpunkte zu Shugden klar und detailliert auf den Punkt bringt und gewichtet, wird eine unveröffentlichte akademische Quelle zitiert, deren Text wegen seiner Einseitigkeit und Fehlerhaftigkeit von einem renommierten Verlag zurückgewiesen wurde. Seit dieser Zeit stellt der Artikel Shugden nur noch als „erleuchteten Beschützer“ dar, was ihn normalerweise nach Wikipedia-Kriterien zu einem „Fan-Artikel“ abqualifizieren würde. Interessant ist auch, dass zwar die weithin respektierte akademische Quelle Nebesky-Wojkowitz angeführt wird (Abschnitt Retinue and Mandala), aber ohne zu erwähnen, dass gerade diese Quelle Shugden als „weltlichen Beschützer“ klassifiziert.

So wird dem Kundigen beim Lesen klar, welches Bild vermittelt werden soll, nämlich: Shugden sei ein erleuchteter Beschützer, der zwar als umstritten gelte, aber daran sei tendenziell allein der Dalai Lama schuld; dieser lehne die Praxis von Shugden ab und handele aus politischen Motiven, obwohl es eine religiöse Praxis sei. – Was der Leser im Gegensatz zu früher nicht mehr erfährt, ist, dass die Behauptung, Shugden sei ein ‚erleuchtetes Wesen’, eine marginale Sichtweise unklaren Ursprungs ist. Trotzdem wurde diese Behauptung bei der englischen Wikipedia zur vorherrschenden Sichtweise gemacht.

Der Artikel zur „Dorje Shugden-Kontroverse“, eine Auslagerung des Konflikts in eine Unterseite, die im Mai 2008 angelegt wurde, enthält immerhin drei Warnhinweise, einer davon weist darauf hin, dass zitierte Inhalte falsch wiedergegeben sein könnten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei Wikepedia regelmäßig Quellen falsch dargestellt, zitiert oder gar völlig entstellt wurden. Ein Beispiel dafür ist, dass z.B. mit Bezug auf einen Artikel von Michael von Brück diesem unterstellt wird, er „glaube an einen Widerspruch auf Seiten des Dalai Lama“, was jedoch so in seiner Arbeit weder tendenziell noch wörtlich zu finden ist.

Der ganze Artikel stellt hauptsächlich die Sicht von Shugden-Praktizierenden dar. Akademische Quellen werden nur angeführt, wo sie deren Sichtweise unterstützen oder – aus dem Zusammenhang gerissen – diese zu unterstützen scheinen. Durchschauen kann dies nur jemand, der die gesamte Literatur und die Zusammenhänge kennt. Der interessierte, aber unbedarfte Leser dürfte mit diesem Informations-Potpourri völlig überfordert sein und die einseitige und damit manipulative Darstellung schlicht nicht erkennen.

Der entscheidende Schritt zur massiven Veränderung des Shugden-Artikels begann Ende März 2008, als die Befürworter sich anschickten, wieder eine internationale Protestkampagne gegen den Dalai Lama und dessen „religiöse Unterdrückung“ zu starten. Sie waren der Meinung, dass ihre Sichtweise im Wikipedia-Artikel jener Zeit zu kurz kam. Also tauchten in kürzester Zeit neue Editoren auf, die mit vereinten Kräften Abhilfe schaffen wollten. Wissenschaftliche Quellen mit einer ausgewogenen oder faktenorientierten Sichtweise wurden ohne Diskussion gelöscht und durch Aussagen von ausgewiesenen Shugden-Befürwortern wie Geshe Kelsang Gyatso und Trijang Rinpoche ersetzt. Immer mehr eifrige Editoren tauchten auf – einer von ihnen konnte gar der „Sockpuppetry“ (unzulässiger Mehrfachaccount einer „Sockenpuppe“) überführt werden, weil er gleich unter acht verschiedenen Nutzernamen auftrat. Er wurde gesperrt.

Interessantes kommt zutage, wenn man sich auf der Suche nach Informationen nicht nur auf deutschsprachige Seiten beschränkt. Nehmen wir als Beispiel die Unruhen in Tibet 2008.

Auf der deutschen Seite heißt es unter „Tibetische Unruhen 2008“: „Gefordert wurde [...] die Unabhängigkeit Tibets von der Volksrepublik China. [...] Im August 2009 bestätigte der Dalai Lama Nachforschungsergebnisse von Reportern der BBC, dass die Unruhen von Tibetern aus dem Ausland angezettelt worden seien.“ Der angegebene Link zur „SF, Tagesschau, 4. August 2009, Dalai Lama: «Aufstand war importiert»“ ist nicht mehr aufrufbar.
http://tinyurl.com/ox5n4am

Gehen wir auf die englische Seite „2008 Tibetan Unrest“, so erfahren wir zwar, dass die chinesischen Behörden „Separatismus“ hinter den Unruhen sehen und den Dalai Lama als deren Drahtzieher bezeichnen, doch auch: „Der Dalai Lama wies die Anschuldigung zurück und erklärte, die Situation gehe auf die weit verbreitete Unzufriedenheit in Tibet zurück.[6]“
http://tinyurl.com/nqu4cz7

Die russische Seite „Беспорядки в Тибете“ hat knappe Informationen, gibt dabei jedoch beide Standpunkte an und führt neben chinesischen (inzwischen inaktiven) Links auch exiltibetische an sowie die BBC.
Беспорядки_в_Тибете

Die französische Seite „Troubles au Tibet en mars 2008“ ist bei weitem am ergiebigsten. Sie listet zahlreiche Augenzeugenberichte auf und dokumentiert ausführlich sowohl die chinesische wie die tibetische Sichtweise anhand von offiziellen Berichten und Statements beider Seiten, u.a. des 11. „chinesischen“ Panchen Lama und des 14. Dalai Lama – eine exzellente journalistische Arbeit.
http://tinyurl.com/ob5wnh8

Als dann im Sommer 2008 die Kontroverse mit internationalen Protesten gegen den Dalai Lama und sein angebliches „Shugden-Verbot“ hochkochte, verwiesen einige Medienvertreter, z.B. ABC Radio und Tricycle, auf Wikipedia als neutrale Informationsquelle. Was sie dabei übersahen, war, dass der Artikel inzwischen einseitig umgeschrieben worden war. Er enthielt nun zahllose Quellenhinweise auf die offizielle Webseite der ‚Western Shugden Society’, die mit verschleierter IP-Adresse [Internet Protocoll, Anm. d. Red.] betrieben wird und anonym ist – keine juristische Person zeichnet für den Inhalt verantwortlich. Nach den Richtlinien von Wikipedia sind solche Quellen „selbst-publizierte Quellen“ und damit keine „verlässlichen Quellen“ – sie hätten in dieser Art gar nicht verwendet werden dürfen.

Ich fürchte, dass zahlreiche Internetnutzer sich damals auf Wikipedia verlassen haben und den Artikel für bare Münze nahmen. Im Gegensatz zu heute wurden auch alle Warnhinweise, die auf Fehler im Artikel aufmerksam machten, nicht geduldet und sofort gelöscht. Solche Warn-‚Templates’ kann jeder Nutzer – auch anonym – hinzufügen oder löschen. Dies mag ein extremes Beispiel sein, aber es ist symptomatisch für Artikel mit einem hoch kontroversen Hintergrund.

Fazit: Ich habe bei Wikipedia sehr viel gelernt, z.B. sauber und mit verlässlichen Quellen zu arbeiten und zu argumentieren. Und ich habe erkannt, dass Wikipedia nur mit Vorsicht zu genießen ist. Den häufig von Wikipedia-Verteidigern behaupteten angeblichen Selbst-Reinigungseffekt bei Fehlinformationen konnte ich weder bei den erwähnten noch bei verschiedenen anderen kontroversen Fällen beobachten – ganz im Gegenteil!

 

 

Sign-End

 

© Tibet und Buddhismus & Tenzin Peljor

Online-Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis von Tibet und Buddhismus. Der Artikel erschien in Tibet und Buddhismus Nr. 107, 4/2013, S. 41–45.

 

Weiterführende kritische Informationen