Hauptsächlich durch die Aktivitäten der Western Shugden Society kommt im Jahre 2008/2009 Teil 1 eines TV Beitrages des Schweizer Fernsehens zur Schugden Kontroverse im Internet zu weiter Verbreitung. Offensichtlich in Unkenntnis der kontroversen Reaktionen in der Schweiz verwendet auch das Magazin STERN diesen 10 Jahre alten Beitrag als Argument für eine Titelgeschichte zum Dalai Lama. (siehe Korrekturen und Reflexionen zum Stern-Artikel)
Die Reaktionen in der Schweiz auf diese Sendungen zwingen das Schweizer Fernsehen im selben Jahr, 1998, sich selbst zu korrigieren. Die Journalisten Ursula K. Rathgeb und Andreas Bänziger schreiben im Schweizer Tages-Anzeiger am 23.03.1998 folgendes:
"10 vor 10" auf den Spuren tibetischer Geister
Das Schweizer Fernsehen hat mit einer unbedarften Serie über den tibetischen Geist und den Dalai Lama eine heftige Kontroverse ausgelöst.
Seit Januar 1998, seit das Nachrichtenmagazin "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens in einer fünfteiligen Serie zum Frontalangriff auf den Dalai Lama blies, übt sich "10 vor 10"-Chef Christoph Müller im Briefeschreiben. Die Sendung löste eine Welle von Publikumsreaktionen aus, die Müller zu beantworten hatte. Offensichtlich hat das Fernsehen in ein Wespennest gestochen. Besonders die tibetische Exilgemeinde, aber auch Tibetexperten reagierten mit hellem Entsetzen.
Da machte sich jemand anheischig, jenseits der gerade modischen Tibetfilme aus den Hollywood-Traumfabriken Echtes, nämlich harte Fakten über einen Bruderzwist unter den Tibetern, zu versprechen, "den ausgerechnet der Dalai Lama angezettelt hat, indem er eine bis anhin hochverehrte Schutzgottheit kurzerhand verbot". Ist der angeblich so tolerante Dalai Lama heimlich ein Unterdrücker der Religionsfreiheit? "Die Moderation ist natürlich ein Versuch, das Thema interessant zu machen, das ist klar, wie eine Schlagzeile", kommentiert Christoph Müller.
Aber es kommt noch besser. Da man befürchten muss, dass vom Schweizer Publikum kaum jemand von dieser Schutzgottheit schon gehört hat, baut die Moderatorin flugs ein Brücklein über den kulturellen Graben: "Das wäre, wie wenn der Papst den Marienkult verbieten sollte." Dazu meint nun auch Müller: "Also der Jungfrau-Maria-Vergleich war daneben. Es war ein unglücklicher Versuch, eine Analogie herzustellen."
Die Brisanz des Themas unterschätzt
Für viele Zuschauer kam die Serie vor allem in den ersten Teilen wie eine Kampagne gegen den Dalai Lama daher. Das war es wohl nicht, aber die "10 vor 10"-Redaktion hat die Brisanz des Themas unterschätzt, hat sich wohl auch, auf der Suche nach einer süffigen Story, zu sehr auf die Seite der Shugden-Anhänger geschlagen. Hätte sie nur die immer wieder erhellende Frage gestellt: "Wem nützt's", wären sie wohl vorsichtiger an das Thema herangegangen. Zwar kamen dann in den späteren Folgen auch Exiltibeter und der Dalai Lama selber zu Wort, in einer fünften Folge durfte nach heftigen Protesten ein anerkannter Tibetexperte eine objektivere Sicht der Dinge vermitteln, und am Sonntagmorgen setzte die Religionssendung "Sternstunde" (allerdings vor anderem Publikum) die Akzente anders. Aber lässt sich auf diese Weise sozusagen post faktum noch Ausgewogenheit herstellen?
Wie kam denn Beat Regli, der Autor der Serie, dazu, unter all den Konflikten dieser Welt ausgerechnet diesen aufzugreifen? "Ausschlaggebend waren Informationen von Tibetern aus Indien, die über brutale Verfolgung durch Dalai-Lama-Anhänger berichteten", sagt Regli. So machte er sich auf die Spuren des tibetischen Geistes, filmte verzweifelte Mönche und Familien in Bedrängnis, weil sie "von fanatischen Anhängern des Dalai Lama" verfolgt werden. Als ein pensionierter Minister niedergestochen und verwundet wurde, liess er den Zuschauer im Glauben, das sei wegen leiser Kritik am Dalai Lama geschehen. Als aber ein als Kritiker des Shugden-Kults bekannter Abt und zwei seiner Schüler brutal ermordet wurden, gab es keine hinreichenden Verdachtsmomente für Regli (wohl aber für die lokale Polizei, die glaubt, mehrere Verdächtige als Shugden-Anhänger identifiziert zu haben).
Gegen die Serie ist Beschwerde eingereicht worden. Es wird sich zeigen, ob ein solcher Umgang mit einem schwierigen Thema, das auch in das Verhältnis China/Tibet hineinspielt, zulässig ist. Derweil sagt "10 vor 10"-Chef Müller: "Wir versuchen, ein Magazin zu machen, das einen relativ populären Approach hat. Wir sind ein Infotainment-Magazin und machen keine wissenschaftlichen Arbeiten. Für uns ist das eine tägliche Gratwanderung."
Vielleicht sollte man sich nicht unbedingt auf einen Himalajagrat wagen.
Der die ersten Beiträge korrigierende neu recherchierte einstündige Bericht des SF1 steht in Deutsch zur Verfügung. Für diesen Fernsehbeitrag wurde auch ein Spezialist, der Religionswissenschaftler Martin Kalff, hinzugezogen.
Bis Ende 2007 stellte Tibet Focus Reaktionen und Beiträge auf die fünfteilige Schweizer Fernsehserie und zur Shugden Thematik im Internet zur Verfügung. Da diese Informationen nur noch im WebArchive zugänglich sind und nach wie vor aktuell erscheinen, werden sie hier, zur Erhellung der Thematik, wieder zugänglich gemacht werden. Sarva Mangalam!
Provided by WebArchive
Shugden: ÜbersichtDas Schweizer Fernsehen DRS hat vom 5. bis 9. Januar 1998 in der Sendung «10 vor 10» eine fünfteilige Serie von Kurzbeiträgen mit dem Titel «Bruderzwist unter Tibetern» ausgestrahlt. Die Sendung ging auf den Umgang der Tibeter mit dem Kult um den Schutzgeist Dorje Shugden ein. Die folgenden Artikel sollen Ihnen einen vertieften Einblick in die Problematik ermöglichen. Dabei handelt es sich nur um eine Auswahl verschiedener Meinungen. Die geäusserten Standpunkte brauchen nicht die Meinung von tibetfocus zu widerspiegeln.
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