Tibetischer Buddhismus im Westen

Tibetischer Buddhismus | Buddhismus | Tibet | Dalai Lama

Die Dalai Lamas

Über die Dalai Lamas

Vielfalt

»In Tibet, wie auch in vielen anderen Ländern, gab es neben authentischen religiösen Lehrern auch eine Vielzahl an dubiosen Bettlern, Narren und Charlatanen, die ihr Handwerk unter den Gläubigen betrieben.

Und in den großen Klöstern konnte man das gesamte Spektrum menschlicher Persönlichkeiten antreffen, vom Heiligen bis zum kühl Berechnenden.«

David Jackson, Universität Hamburg

Die Konstruktion des Fremden

»Dabei ging der Westler stets von einer Dichotomie aus, indem er zwischen der eigenen Gruppe, der Wir-Gruppe, und den anderen, den Fremden, unterschied.

Die eigene Gruppe hatte einen hochentwickelten Staat, eine ebenso hochentwickelte Gesellschaft, Kultur und Religion - man nannte diese ›zivilisiert‹ -, während die anderen all dies entbehrten, primitiv und wenig entwickelt waren.«

Martin Brauen, Anthropologe

Die Konstruktion des Paradieses

»Trotz der angeblichen Vollkommenheit und des Lebens in Fülle empfand und empfindet der westliche Mensch sein Dasein immer wieder als ungenügend.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist zu offensichtlich. Deshalb vermutet er irgendwo einen Ort, wo alle Ideale tatsächlich verwirklicht sind - ein irdisches Paradies.

Solche Paradiesvorstellungen widerspiegeln die in der betreffenden Gesellschaft nicht (mehr) zugänglichen zentralen Werte, denn das Paradies ist das Schatzhaus der eigenen höchsten Werte und Menschen, ist die Hochkultur in absoluter Perfektion.«

Martin Brauen, Anthropologe

English

Fakten und Hintergründe¹

Tibetischer Buddhismus

Die Dalai Lamas

Fokus Dalai Lama: Der Dalai Lama in der Kritik

ARD Magazin Panorama »Verklärt, verkitscht - Hollywood feiert den Dalai Lama« – Nov. 1997

ARD Magazin Panorama »Der Dalai Lama und die CIA« – 07. Juni 2012 und SZ Artikel »Heiliger Schein« – 08. Juni 2012

Stern Artikel Nr. 32/2009 zum Dalai Lama und die tibetische Exilregierung in Dharamsala, Indien

Victor und Victoria Trimondis »Der Schatten des Dalai Lama« und »Hitler, Buddha, Krishna«

Colin Goldners »Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs«

Western Shugden Society / International Shugden Community :: Weltweite Proteste gegen den Dalai Lama „für Religionsfreiheit“ und „gegen religiöse Unterdrückung“

Studierender Mönch im Kloster Namling - Ost-Tibet.Studierender Mönch im Kloster Namling - Ost-Tibet.   © Olaf Schubert

Mythos Tibet: Projektionen, Propaganda, Fakten

Tibet 2010: Chiu Gompa Stupas - Tibet.Tibet 2010: Chiu Gompa Stupas - Tibet.   © Olaf Schubert

»Nazi-Tibet Connection«, Dalai Lama, Heinrich Harrer, Shoko Asahara, Bruno Beger

CIA in Tibet

Tibet 2007: Nomade mit Fuchshut.Tibet 2007: Nomade mit Fuchshut.   © Olaf Schubert

Dorje Shugden Kontroverse

Kontrovers diskutierte buddhistische Organisationen/Lehrer

Thich Thien Son, Zen Meister und Abt der Pagode Phat Hue (Frankfurt) und »Buddhas Weg« (Odenwald), wurde am 24.12.2010 aus der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft (DBO) ausgeschlossen. Der DBO liegen fünf eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Schülern und Schülerinnen Thich Thien Sons vor. Diese eidesstattlichen Versicherungen legen offen, dass Thich Thien Son sexuelle Beziehungen zu einigen seiner Schüler unterhielt.

Näheres

Sektierertum und Missbrauch im Buddhismus

Buddhismusforschung

Buddhistische Sexualethik

Biografien

Buddhismus & Film

Gewalt und Gewaltlosigkeit im Buddhismus

Kulturübergreifende Themen

Berg KailashBerg Kailash   © Olaf Schubert

Bezugnehmend auf diese eidesstattlichen Versicherungen, begründet die DBO den Ausschluss Thich Thien Sons u.a. wie folgt:

»Diese Aussagen bezeugen ein Verhalten, das zum Reinen Lebenswandel eines buddhistischen Mönchs in völligem Widerspruch steht. Nicht nur das: es zeigt ein gravierendes Ausnutzen der Lehrer-Schüler-Bindung, »abuses of power«, wie es in einer der eidesstattlichen Erklärungen heißt.

An dem Wahrheitsgehalt der Briefe können wir nicht zweifeln, sie sind sogar eher zurückhaltend oder mit viel Verständnis und Mitgefühl verfasst worden, obwohl die Verfasser darunter gelitten haben müssen, als sie dies schrieben. Als Rache-Akt sind sie also keineswegs zu sehen. Hinzu kommt, dass sie unter Eid geschrieben wurden und die Verfasser sich der Tragweite ihrer Aussagen auch im strafrechtlichen Sinne bewusst sind.

[..]

Dass im Widerspruch zum tatsächlichen Verhalten die sexuelle Abstinenz - also der Reine Lebenswandel eines Mönchs - auf der Webseite der Pagode hervorgehoben wird, ist in besonderem Maße unaufrichtig, und stellt unserer Meinung insbesondere im Hinblick auf Männer, die die Ordination anstreben, eine grobe Täuschung dar.«

Die DBO empfiehlt im selben Ausschluss-Schreiben:

»Darüber hinaus möchten wir dir nahelegen, dein Amt als Abt niederzulegen und nicht mehr in der Robe eines buddhistischen Mönchs zu erscheinen, sondern öffentlich in den Laienstand zu gehen, so wie es den Ordensvorschriften, die du auf deiner Webseite zitierst, entspricht.«

04. Februar 2011
Tenzin Peljor

Fußnoten

¹ Ziel dieser Webseite ist es, differenzierte Informationen und Analysen zum Tibetischen Buddhismus, zu Tibet, den Dalai Lamas und zum Buddhismus zur Verfügung zu stellen. Diese komplexen Themen werden leider häufig verklärt oder zu vereinfacht dargestellt. Vor allem im Internet trifft der Leser eher auf Zerrbilder dieser Themen – als positive oder negative Verklärungen, häufig im Gewand der „Aufklärung“. Die Artikel auf dieser Webseite umfassen wissenschaftliche Arbeiten, Analysen und Standpunkte. Verantwortlich für den Inhalt ist Michael Jäckel (Tenzin Peljor) www.tenzinpeljor.de.

² Akademische Grade der Autoren werden nur beim ersten Mal angegeben.

 

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Die Dalai Lamas

»Die Dalai Lamas werden von ihren Anhängern als fortgeschrittene Mahayana Bodhisattvas angesehen, mitfühlende Wesen, die sozusagen ihren eigenen Eintritt in das Nirvana zurückgestellt haben, um der leidenden Menschheit zu helfen. Sie sind demnach auf einem guten Wege zur Buddhaschaft, sie entwickeln Perfektion in ihrer Weisheit und ihrem Mitgefühl zum Wohle aller Wesen. Dies rechtertigt, in Form einer Doktrin, die soziopolitische Mitwirkung der Dalai Lamas, als Ausdruck des mitfühlenden Wunsches eines Bodhisattvas, anderen zu helfen.«

»Hier sollten wir zwei Dinge feststellen, die der Dalai Lama nicht ist: Erstens, er ist nicht in einem einfachen Sinne ein ›Gott-König‹. Er mag eine Art König sein, aber er ist kein Gott für den Buddhismus. Zweitens, ist der Dalai Lama nicht das ›Oberhaupt des Tibetischen Buddhismus‹ als Ganzes. Es gibt zahlreiche Traditionen im Buddhismus. Manche haben ein Oberhaupt benannt, andere nicht. Auch innerhalb Tibets gibt es mehrere Traditionen. Das Oberhaupt der Geluk Tradition ist der Abt des Ganden Klosters, als Nachfolger von Tsong kha pa, dem Begründer der Geluk Tradition im vierzehnten/fünfzehnten Jahrhundert.«

Paul Williams, »Dalai Lama«, in
Clarke, P. B., Encyclopedia of New Religious Movements
(New York: Routledge, 2006), S. 136.

Regierungsverantwortung
der Dalai Lamas

»Nur wenige der 14 Dalai Lamas regierten Tibet und wenn, dann meist nur für einige wenige Jahre.«

(Brauen 2005:6)

»In der Realität dürften insgesamt kaum mehr als fünfundvierzig Jahre der uneingeschränkten Regierungsgewalt der Dalai Lamas zusammenkommen. Die Dalai Lamas sechs und neun bis zwölf regierten gar nicht, die letzten vier, weil keiner von ihnen das regierungsfähige Alter erreichte. Der siebte Dalai Lama regierte uneingeschränkt nur drei Jahre und der achte überhaupt nur widerwillig und auch das phasenweise nicht allein. Lediglich der fünfte und der dreizehnte Dalai Lama können eine nennenswerte Regieruagsbeteiligung oder Alleinregierung vorweisen. Zwischen 1750 und 1950 gab es nur achtunddreißig Jahre, in denen kein Regent regierte!«

Jan-Ulrich Sobisch,
Lamakratie - Das Scheitern einer Regierungsform (PDF), S. 182,
Universität Hamburg

Der Fünfte Dalai Lama,
Ngawang Lobsang Gyatso

Der Fünfte Dalai Lama, Ngawang Lobsang Gyatso

»Der fünfte Dalai Lama, der in der tibetischen Geschichte einfach ›Der Große Fünfte‹ genannt wird, ist bekannt als der Führer, dem es 1642 gelang, Tibet nach einem grausamen Bürgerkrieg zu vereinigen. Die Ära des fünften Dalai Lama (in etwa von seiner Einsetzung als Herrscher von Tibet bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts, als seiner Regierung die Kontrolle über das Land zu entgleiten begann) gilt als prägender Zeitabschnitt bei der Herausbildung einer nationalen tibetischen Identität - eine Identität, die sich im Wesentlichen auf den Dalai Lama, den Potala-Palast der Dalai Lamas und die heiligen Tempel von Lhasa stützt. In dieser Zeit wandelte sich der Dalai Lama von einer Reinkarnation unter vielen, wie sie mit den verschiedenen buddhistischen Schulen assoziiert waren, zum wichtigsten Beschützer seines Landes. So bemerkte 1646 ein Schriftsteller, dass dank der guten Werke des fünften Dalai Lama ganz Tibet jetzt »unter dem wohlwollenden Schutz eines weißen Sonnenschirms zentriert« sei; und 1698 konstatierte ein anderer Schriftsteller, die Regierung des Dalai Lama diene dem Wohl Tibets ganz so wie ein Bodhisattva - der heilige Held des Mahayana Buddhismus - dem Wohl der gesamten Menschheit diene.«

Kurtis R. Schaeffer, »Der Fünfte Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso«, in
DIE DALAI LAMAS: Tibets Reinkarnation des Bodhisattva Avalokite?vara,
ARNOLDSCHE Art Publishers,
Martin Brauen (Hrsg.), 2005, S. 65

Der Fünfte Dalai Lama:
Beurteilungen seiner Herrschaft I

»Gemäß der meisten Quellen war der [5.] Dalai Lama nach den Maßstäben seiner Zeit ein recht toleranter und gütiger Herrscher.«

Paul Williams, »Dalai Lama«, in
(Clarke, 2006, S. 136)

»Rückblickend erscheint Lobsang Gyatso, der ›Große Fünfte‹, dem Betrachter als überragende, allerdings auch als widersprüchliche Gestalt.«

Karl-Heinz Golzio / Pietro Bandini,
»Die vierzehn Wiedergeburten des Dalai Lama«,
O.W. Barth Verlag, 1997, S. 118

»Einmal an der Macht, zeigte er den anderen Schulen gegenüber beträchtliche Großzügigkeit. […] Ngawang Lobsang Gyatso wird von den Tibetern der ›Große Fünfte‹ genannt, und ohne jeden Zweifel war er ein ungewöhnlich kluger, willensstarker und doch gleichzeitig großmütiger Herrscher.«

Per Kvaerne, »Aufstieg und Untergang einer klösterlichen Tradition«, in:
Berchert, Heinz; Gombrich, Richard (Hrsg.):
»Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart«,
München 2000, S. 320

Der Fünfte Dalai Lama:
Beurteilungen seiner Herrschaft II

»Viele Tibeter gedenken insbesondere des V. Dalai Lama bis heute mit tiefer Ehrfurcht, die nicht allein religiös, sondern mehr noch patriotisch begründet ist: Durch großes diplomatisches Geschick, allerdings auch durch nicht immer skrupulösen Einsatz machtpolitischer und selbst militärischer Mittel gelang es Ngawang Lobzang Gyatso, dem ›Großen Fünften‹, Tibet nach Jahrhunderten des Niedergangs wieder zu einen und in den Rang einer bedeutenden Regionalmacht zurückzuführen. Als erster Dalai Lama wurde er auch zum weltlichen Herrscher Tibets proklamiert. Unter seiner Ägide errang der Gelugpa-Orden endgültig die Vorherrschaft über die rivalisierenden lamaistischen Schulen, die teilweise durch blutigen Bürgerkrieg und inquisitorische Verfolgung unterworfen oder außer Landes getrieben wurden.

Jedoch kehrte der Dalai Lama in seiner zweiten Lebenshälfte, nach Festigung seiner Macht und des tibetischen Staates, zu einer Politik der Mäßigung und Toleranz zurück, die seinem Charakter eher entsprach als die drastischen Maßnahmen, durch die er zur Herrschaft gelangte. Denn Ngawang Lobzang Gyatso war nicht nur ein Machtpolitiker und überragender Staatsmann, sondern ebenso ein spiritueller Meister mit ausgeprägter Neigung zu tantrischer Magie und lebhaftem Interesse auch an den Lehren anderer lamaistischer Orden. Zeitlebens empfing er, wie die meisten seiner Vorgänger, gebieterische Gesichte, die er gegen Ende seines Lebens in seinen ›Geheimen Visionen‹ niederlegte.«

(Golzio, Bandini 1997: 95)

Der Dreizehnte Dalai Lama,
Thubten Gyatso

Der Dreizehnte Dalai Lama, Thubten Gyatso

»Ein anderer, besonders wichtiger Dalai Lama war der Dreizehnte (1876-1933). Als starker Herrscher versuchte er, im Allgemeinen ohne Erfolg, Tibet zu modernisieren. ›Der große Dreizehnte‹ nutzte den Vorteil des schwindenden Einflusses China im 1911 beginnenden Kollaps dessen Monarchie, um faktisch der vollständigen nationalen Unabhängigkeit Tibets von China Geltung zu verschaffen. Ein Fakt, den die Tibeter von jeher als Tatsache erachtet haben.«

Paul Williams, »Dalai Lama«, in
(Clarke, 2006, S. 137)

»Manche mögen sich vielleicht fragen, wie die Herrschaft des Dalai Lama im Vergleich mit europäischen oder amerikanischen Regierungschefs einzuschätzen ist. Doch ein solcher Vergleich wäre nicht gerecht, es sei denn, man geht mehrere hundert Jahre in der europäischen Geschichte zurück, als Europa sich in demselben Zustand feudaler Herrschaft befand, wie es in Tibet heutzutage der Fall ist. Ganz sicher wären die Tibeter nicht glücklich, wenn sie auf dieselbe Art regiert würden wie die Menschen in England; und man kann wahrscheinlich zu Recht behaupten, dass sie im Großen und Ganzen glücklicher sind als die Völker Europas oder Amerikas unter ihren Regierungen. Mit der Zeit werden große Veränderungen kommen; aber wenn sie nicht langsam vonstatten gehen und die Menschen nicht bereit sind, sich anzupassen, dann werden sie große Unzufriedenheit verursachen. Unterdessen läuft die allgemeine Verwaltung Tibets in geordneteren Bahnen als die Verwaltung Chinas; der tibetische Lebensstandard ist höher als der chinesische oder indische; und der Status der Frauen ist in Tibet besser als in beiden genannten Ländern.«

Sir Charles Bell, »Der Große Dreizehnte:
Das unbekannte Leben des XIII. Dalai Lama von Tibet«,
Bastei Lübbe, 2005, S. 546

Der Dreizehnte Dalai Lama:
Beurteilungen seiner Herrschaft

»War der Dalai Lama im Großen und Ganzen ein guter Herrscher? Dies können wir mit Sicherheit bejahen, auf der geistlichen ebenso wie auf der weltlichen Seite. Was erstere betrifft, so hatte er die komplizierte Struktur des tibetischen Buddhismus schon als kleiner Junge mit ungeheurem Eifer studiert und eine außergewöhnliche Gelehrsamkeit erreicht. Er verlangte eine strengere Befolgung der mönchischen Regeln, veranlasste die Mönche, ihren Studien weiter nachzugehen, bekämpfte die Gier, Faulheit und Korruption unter ihnen und verminderte ihren Einfluss auf die Politik. So weit wie möglich kümmerte er sich um die zahllosen religiösen Bauwerke. In summa ist ganz sicher festzuhalten, dass er die Spiritualität des tibetischen Buddhismus vergrößert hat.

Auf der weltlichen Seite stärkte er Recht und Gesetz, trat in engere Verbindung mit dem Volk, führte humanere Grundsätze in Verwaltung und Justiz ein und, wie oben bereits gesagt, verringerte die klösterliche Vorherrschaft in weltlichen Angelegenheiten. In der Hoffnung, damit einer chinesischen Invasion vorbeugen zu können, baute er gegen den Widerstand der Klöster eine Armee auf; vor seiner Herrschaft gab es praktisch keine Armee. In Anbetracht der sehr angespannten tibetischen Staatsfinanzen, des intensiven Widerstands der Klöster und anderer Schwierigkeiten hätte er kaum weiter gehen können, als er es tat.

Im Verlauf seiner Regierung beendete der Dalai Lama die chinesische Vorherrschaft in dem großen Teil Tibets, den er beherrschte, indem er chinesische Soldaten und Beamte daraus verbannte. Dieser Teil Tibets wurde zu einem vollkommen unabhängigen Königreich und blieb dies auch während der letzten 20 Jahre seines Lebens.«

Sir Charles Bell in (Bell 2005: 546-47)

Der Vierzehnte Dalai Lama,
Tenzin Gyatso

Der Vierzehnte Dalai Lama, Tenzin Gyatso

»Der jetzige vierzehnte Dalai Lama (Tenzin Gyatso) wurde 1935 geboren. Die Chinesen besetzten Tibet in den frühen 1950er Jahren, der Dalai Lama verließ Tibet 1959. Er lebt jetzt als Flüchtling in Dharamsala, Nordindien, wo er der Tibetischen Regierung im Exil vorsteht. Als gelehrte und charismatische Persönlichkeit, hat er aktiv die Unabhängigkeit seines Landes von China vertreten. Durch seine häufigen Reisen, Belehrungen und Bücher macht er den Buddhismus bekannt, engagiert sich für den Weltfrieden sowie für die Erforschung von Buddhismus und Wissenschaft. Als Anwalt einer ›universellen Verantwortung und eines guten Herzens‹, erhielt er den Nobelpreis im Jahre 1989.«

Paul Williams, »Dalai Lama«, in
(Clarke, 2006, S. 137)

Moralische Legitimation
der Herrschaft Geistlicher

Für Sobisch ist die moralische Legitimation der Herrschaft Geistlicher »außerordentlich zweifelhaft«. Er konstatiert:

»Es zeigte sich auch in Tibet, daß moralische Integrität nicht automatisch mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen erlangt wird, sondern allein auf persönlichen Entscheidungen basiert. Vielleicht sind es ähnliche Überlegungen gewesen, die den derzeitigen, vierzehnten Dalai Lama dazu bewogen haben, mehrmals unmißverständlich zu erklären, daß er bei einer Rückkehr in ein freies Tibet kein politische Amt mehr übernehmen werde. Dies ist, so meine ich, keine schlechte Nachricht. Denn dieser Dalai Lama hat bewiesen, daß man auch ohne ein international anerkanntes politisches Amt inne zu haben durch ein glaubhaft an ethischen Grundsätzen ausgerichtetes beharrliches Wirken einen enormen Einfluss in der Welt ausüben kann.«

Jan-Ulrich Sobisch,
Lamakratie - Das Scheitern einer Regierungsform (PDF), S. 190,
Universität Hamburg